Zöliakie ist eine immunvermittelte Erkrankung, deren Entstehung vom Vorhandensein genetischer Faktoren und von Umweltfaktoren, insbesondere dem Verzehr von Gluten, abhängt. Die Prävalenz der Zöliakie liegt weltweit zwischen 0,7% und 1,8% und die Inzidenz hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Ein Grund dafür ist vermutlich die bessere Diagnostik, aber es scheint auch einen echten Anstieg der Prävalenz der Krankheit zu geben. Die genauen Gründe für diesen Anstieg sind nicht bekannt, aber es wird vermutet, dass sie auf verschiedene Umweltfaktoren zurückzuführen sind.
Mögliche Risikofaktoren für die Entwicklung einer Zöliakie
Die Identifizierung von Risikofaktoren ist dementsprechend von großer Bedeutung. Im Moment werden u. a. Stilldauer, Zeitpunkt und Menge der Glutenexposition, perinatale Faktoren, Infektionen, sozioökonomische Faktoren, geografischer Standort, Zusammensetzung des Mikrobioms und Medikamente als beeinflussende Faktoren beschrieben. Darüber hinaus wird auch der Eisenstatus als umweltbedingter Auslöser für Zöliakie diskutiert. Beobachtungsstudien fanden einen Zusammenhang zwischen der mütterlichen Eisensupplementierung während der Schwangerschaft und der späteren Zöliakie des Kindes sowie der Zunahme der Zöliakie bei Personen mit Hämochromatose.
Welche Rolle spielt die Eisenversorgung?
Eine Studie hat nun den Zusammenhang des Eisenstatus und der Zöliakie mit Hilfe der Mendelschen Randomisierung (MR) näher untersucht. MR ist eine statistische Methode, die sich die zufällige Verteilung von Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNPs) bei der Empfängnis zunutze macht. Entscheidend ist, dass MR die unterschiedlichen Auswirkungen von Zöliakie auf den Eisenstatus umgeht, indem es sich auf SNPs stützt, die mit dem genetisch bedingten Eisenstatus assoziiert sind, aber mit nicht dem Eisenstatus selbst. Die SNPs in dieser Studie stammten aus einer Meta-Analyse von drei genomweiten Assoziationsstudien.
Als Ergebnis fanden sich vier unabhängige und stark assoziierte SNPs für den systemischen Eisenstatus: rs1800562 und rs1799945 im HFE-Gen, rs855791 im TMPRSS6-Gen und rs57659670 im DUOX2-Gen. Das HFE-Gen kodiert für das Hereditäre-Hämochromatose-Protein, Mutationen oder Polymorphismen in TMPRSS6 können zu Eisenmangelanämie beitragen und Veränderungen im DUOX2-Gen können das Risiko einer Eisenmangelanämie erhöhen. Vertiefende Untersuchungen ergaben, dass genetisch bedingte höhere Eisenspiegel mit einem geringeren Zöliakierisiko und genetisch bedingte niedrigere Eisenspiegel mit einem höheren Zöliakierisiko verbunden sind [1].
Fazit
Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, dass Eisenmangel der einzige umweltbedingte Auslöser für Zöliakie ist, dennoch tritt dieser bei Zöliakiepatienten häufig auf. Außerdem gibt es zeitliche und demografische Zusammenhänge zwischen beiden Erkrankungen und möglichen pathophysiologischen Mechanismen. Des Weiteren zeigte eine andere Studie, dass Eisen eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des darmassoziierten Immunsystems spielt und deshalb auch eine Rolle bei der Entwicklung von entzündlichen Darmerkrankungen und anderen immunologischen Störungen, inklusive Zöliakie, spielen kann [2].