Speicheldrüsenkarzinome: Vorgehen bei klinischem N0 Status

Trotz eines klinischen N0 Status kann es bei Speicheldrüsenkarzinomen zu okkulten Lymphknotenmetastasen kommen. Eine aktuelle Studie versuchte eine Entscheidungshilfe für das therapeutische Vorgehen bei cN0 Status zu geben.

Speicheldrüsentumor

Okkulte Lymphknotenmetastasen trotz klinischem N0 Status?

Speicheldrüsenkarzinome sind eine heterogene Gruppe von über 20 Pathologien mit verschiedenen Prognosen und Wahrscheinlichkeiten zu invadieren oder metastasieren.

Speicheldrüsenkarzinome neigen trotz klinisch unauffälligem Lymphknotenstatus zur Bildung von okkulten Lymphknotenmetastasen.

Wie hoch ist Wahrscheinlichkeit für okkulte Lymphknotenmetastasen?

Die Raten dieser okkulten Lymphknotenmetastasen hängen von diversen Faktoren wie dem Alter, dem T-Stadium, der Histologie, der perineuralen oder lymphovaskulären Invasion und dem Status des Resektionsrandes ab. Die Raten der okkulten Lymphknotenmetastasen variieren von 15 bis 40%.

Therapeutisches Vorgehen bei klinischem N0-Status

Die komplette chirurgische Entfernung bleibt der Hauptpfeiler für die Behandlung des resektablen Primärtumors. Wenn eine zervikale Lymphknotenmetastasierung offenkundig ist, dann folgt unabhängig von der Tumorlokalisation oder Histologie eine therapeutische Neck Dissektion mit postoperativer Radiatio.

Das Vorgehen bei einem Hals ohne offensichtliche klinische Lymphknotenmetastasen ist kontroverser und beinhaltet die Observation versus Behandlung mit elektiver Neck Dissektion oder Bestrahlung. Erschwerend wirkt bei der Therapieentscheidung, dass einige, der die Wahrscheinlichkeit für okkulte Lymphknotenmetastasen beeinflussenden Faktoren wie die definitive Histologie, der Invasions- und der Resektionsrandstatus erst postoperativ verfügbar sind.

Studie für Erleichterung klinischer Entscheidungsfindung

Eine aktuelle Studie untersuchte daher okkulte Lymphknotenmetastasen bei cN0 Speicheldrüsenkarzinomen.

Die retrospektive Studie umfasste die Daten von 532 Patienten. Davon hatten 389 Patienten Karzinome der großen Speicheldrüsen, während 143 an Karzinomen der kleinen Speicheldrüsen litten. 323 der Patienten erhielten eine Neck Dissektion und 209 wurden ohne Neck Dissektion behandelt.

Karzinome der großen Speicheldrüsen erhielten eher Neck Dissektion

Mehr als die Hälfte der Gruppe, die eine Neck Dissektion erhielt, litt an einem Primärtumor der Glandula parotidea (74%), während die Gruppe ohne Neck Dissektion eher Karzinome der kleinen Speicheldrüsen aufwies (55%).

Die Patienten präsentierten sich meist mit einem cT1 oder cT2 Tumor.

Die Patienten, deren Tumor Charakteristika einer fortgeschritteneren Erkrankung wie ein höheres pT Stadium, eine perineurale Invasion oder lymphovaskuläre Invasion zeigte, erhielten eher eine Neck Dissektion.

Neck Dissektion erfolgte meist in Level I-III

Die Patienten mit einem Karzinom der Glandula parotidea erhielten in 84% der Fälle eine peri/intraparotideale Dissektion und in 61% eine Level II Dissektion. Bei den Glandula submandibularis/sublingualis Karzinomen erhielten alle Betroffenen eine Level I Dissektion, wohingegen in 75% eine Level II und in 63% eine Level III Dissektion stattfand.

Bei Patienten, die an kleinen Speicheldrüsenkarzinomen litten, wurde eine Lymphknotendissektion bei 77% in Level I, 69% in Level II und 58% in Level III durchgeführt.

Okkulte Lymphknotenrate der einzelnen Halslevel

Die Wissenschaftler zeigten, dass die Gesamtrate der okkulten Lymphknotenmetastasen der Glandula parotidea 27%, 35% der Glandulae submandibularis/sublingualis bzw. 15% für die kleinen Speicheldrüsenkarzinome betrug.

Die Forscher schauten zudem nach den okkulten Lymphknotenmetastasenraten in den einzelnen Halsleveln und sahen, dass bei den Parotiskarzinompatienten diese in den Level I-V vergleichbar war (21% periparotideal, 14% in Level I, 18% in Level II, 14% in Level III, 23% in Level IV und 18% in Level V). Die Raten im Level IV und V sind höher im Vergleich zu vorherigen Studien (5-10%).

Die Glandulae submandibularis/sublingualis und die kleinen Speicheldrüsen zeigten eine Prädominanz der okkulten Lymphknotenmetastasen in den Halsleveln I-III.

Dies unterstützt laut den Forschern den aktuellen Praxisansatz der elektiven supraomohyoidalen Neck Dissektion bei diesen Malignomen.

Rate an okkulten Lymphknotenmetastasen abhängig von Histologie

Eine Analyse der okkulten Lymphknotenmetastasenraten entsprechend der Histologie der Tumore zeigte, dass die Rate zwischen 10 und 15% bei den Mukoepidermoid, Azinuszell und myoepithelialem Karzinomen lag, während die adenoidzystischen Karzinome, Speicheldrüsengangkarzinome und Adenokarzinome höhere Raten an okkulten Lymphknotenmetastasen aufwiesen (29, 64 bzw. 52%).

Die Überlebens- und Rezidivraten verhielten sich ähnlich wie in vorherigen Studien.

Elektive Neck Dissektion sollte bei Parotiskarzinomen erwogen werden

Die Lokalrezidivrate war bei den Patienten mit Parotiskarzinom, die keine Neck Dissektion erhielten, höher im Vergleich zu den Patienten mit.

Bei den anderen Tumorentitäten konnten keine Unterschiede gefunden werden.

Die Studienautoren empfehlen daher eine stärkere Berücksichtigung der elektiven Neck Dissektion bei den Parotiskarzinomen.

Empfehlung: Bessere systemische Behandlung

Die Fernmetastasenrate der Studie reichte bei den Karzinomen der Submandibularis/Sublingualis von 12% (Jahr 2) bis 44% (Jahr 5), was laut den Studienautoren dafürspricht, eine bessere systemische Behandlung dieser Tumore in Erwägung zu ziehen.

Autor:
Stand:
25.11.2023
Quelle:

Zhan et al (2023): Occult Nodal Metastases in Individuals with Clinically Node-Negative Salivary Gland Malignancies The Laryngoscope. DOI: 10.1002/lary.31119

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