Ein Drittel der Deutschen gegenüber Birkenpollen sensibilisiert
Die allergische Rhinitis zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen der Atemwege. Birkenpollen gehören in Europa zu den bedeutendsten saisonalen Allergenen. Etwa 34,1 % aller Deutschen zeigten im Prick-Test eine relevante Sensibilisierung gegenüber diesen Pollen. Die Erkrankung ist mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität sowie einem erhöhten Risiko für Asthmaentwicklung assoziiert. Die allergenspezifische Immuntherapie stellt bislang die einzige kausale Behandlungsoption dar. Sie wird häufig als subkutane Immuntherapie (SCIT) durchgeführt.
Aufdosierungsphase der SCIT benötigt mehrere Injektionen des Allergens
Die Durchführung erfolgt klassischerweise in zwei Phasen: einer initialen Aufdosierungs- und einer anschließenden Erhaltungsphase. Die Aufdosierungsphase erfordert mehrere Injektionen über Wochen hinweg, was die Therapieadhärenz negativ beeinflussen kann.
Vor diesem Hintergrund wurden in den letzten Jahren Schemata mit verkürzter Aufdosierungsphase entwickelt. Ziel ist es, die Behandlungsdauer zu reduzieren, ohne Kompromisse bei Sicherheit und Verträglichkeit einzugehen.
Studien fokussierten sich bisher meist auf Erwachsene
Die Wirksamkeit und Sicherheit der SCIT für die Behandlung der Birkenpollenallergie wurde bereits in zahlreichen Studien belegt. Real-World Studien zeigten zudem, dass der Schutz der Therapie bis zu sechs Jahre anhält. Limitationen der vorliegenden Arbeiten sind, dass die meisten nur Erwachsene betrafen und schon älter sind.
Vergleich: Verkürzte und Standard Aufdosierung bei Birkenpollen SCIT
Daher setzten sich die Wissenschaftler einer im renommierten Journal „Allergy“ publizierten Studie zum Ziel, ein beschleunigtes Aufdosierungs-Regimen im Vergleich zum Standardschema einer Birkenpollen SCIT für verschiedene Altersgruppen zu evaluieren.
Eingeschlossen wurden 201 Patienten im Alter von 5 bis 65 Jahren, darunter Kinder (n= 62), Jugendliche (n= 52) und Erwachsene (n= 87).
Die Aufdosierungsphase des verkürzten Schemas umfasste lediglich drei Injektionen mit einer höheren Wirkstärke, während die des Standardregimes sieben Injektionen mit zwei Konzentrationsstufen vorsah.
Studienendpunkte waren die Sicherheit und Verträglichkeit der SCIT.
Mehr Nebenwirkungen unter beschleunigtem Schema – überwiegend mild und lokal
Insgesamt traten bei 40,5 % der Studienteilnehmer therapieassoziierte Nebenwirkungen auf.
Dabei zeigte sich eine
- höhere Nebenwirkungsrate im verkürzten Schema (48,5 %) vs. Standard (32,0 %)
- überwiegend lokale (93,3 %) und milde (95,8 %) Reaktionen
Systemische Reaktionen waren selten und ausschließlich leicht bis moderat. Die Nebenwirkungen traten in der Mehrheit der Fälle innerhalb von 24 Stunden nach der Injektion auf. Zudem sahen die Forscher, dass die meisten der Reaktionen während der Aufdosierungsphase vorkamen - in dem beschleunigten Regime zwischen der ersten und zweiten Injektion.
Die Ergebnisse stehen im Einklang mit früheren Untersuchungen zu beschleunigten Aufdosierungsregimen bei anderen Allergenen. Auch dort zeigte sich eine erhöhte Rate lokaler Reaktionen, jedoch ohne Zunahme schwerer systemischer Ereignisse.
Asthmatiker und Nicht Asthmatiker: Gleiche Nebenwirkungsrate
27 % der Patienten litten unter einem Asthma bronchiale. Die Anzahl an lokalen oder systemischen unerwünschten Reaktionen unterschied sich nicht signifikant zwischen den Patienten mit und ohne Asthma.
Anstieg des spezifisches IgG4 vergleichbar bei beiden Regimen
Bei allen drei Altersgruppen stieg der Wert des Birkenpollen-spezifischen IgG4 im Verlauf der Behandlung signifikant an (p<0,0001). Zwischen den beiden Aufdosierungsschemata fand sich kein signifikanter Unterschied.
Verträglichkeit der beiden Aufdosierungsschemata vergleichbar
96 % der Studienteilnehmer bewerteten die Verträglichkeit der SCIT als „sehr gut“ oder „gut“. Die Ergebnisse waren vergleichbar für alle drei Altersgruppen. Zudem zeigen die Daten:
- Vergleichbares Sicherheitsprofil bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
- Tendenziell geringere Anzahl an lokalen Nebenwirkungen bei Kindern im verkürzten Aufdosierungsschema
Fazit: Verbesserung der Adhärenz durch verkürzte Aufdosierung möglich
Die Studie zeigt, dass eine beschleunigte Aufdosierung bei Birkenpollen-SCIT eine praktikable Alternative zum Standardregime darstellt.
Für die klinische Praxis ergeben sich mehrere Implikationen:
- Einsatz über alle Altersgruppen hinweg möglich
- Sicherheitsprofil insgesamt vergleichbar.
Dennoch bestehen weiterhin offene Fragen, insbesondere hinsichtlich langfristiger Wirksamkeit und Adhärenz im Versorgungsalltag. Größere Studien und Real-World-Daten sind erforderlich, um den klinischen Nutzen abschließend zu bewerten.












