Typisches Cholesteatom geht mit Ohrsymptomen einher
Ein Cholesteatom ist eine chronische entzündliche Erkrankung des Mittelohrs. Obwohl die Erkrankung gutartig ist, breitet sie sich destruierend aus. Meist hat es seinen Ursprung im Mittelohr und Mastoid und kann sich auf die umliegenden Strukturen ausdehnen. Dadurch kann es zu vielfältigen Komplikationen, wie Labyrinthfisteln, intrakranieller Ausdehnung aber auch Fazialisparesen kommen. Obwohl Cholesteatome typischerweise mit Otorrhö, Hörminderung oder chronischer Otitis media assoziiert werden, kann der klinische Verlauf deutlich subtiler verlaufen.
Die isolierte periphere Fazialisparese stellt dabei eine seltene Erstpräsentation eines Cholesteatoms dar. Da die Otoskopie in solchen Fällen unauffällig sein kann, erfolgt initial häufig die Fehldeutung als idiopathische Fazialisparese. Verzögerungen in der Diagnosestellung bergen jedoch das Risiko irreversibler Nervenschäden sowie intrakranieller Komplikationen. Ein kürzlich publizierter Fallbericht greift diese Thematik auf.
Fallbericht: Persistierende Fazialisparese rechts ohne otologische Symptome
Die Studienautoren berichten über einen 72-jährigen Patienten mit einer seit acht Monaten bestehenden peripheren Fazialisparese rechtsseitig ohne otologische Leitsymptome, wie Otorrhö, Otalgie oder Vertigo. Die Parese war weder progredient, noch besserte sie sich. Die klinische Untersuchung ergab eine rechtsseitige Fazialisparese vom Grad House-Brackmann III bei unauffälligem otoskopischem Befund. Insbesondere die Trommelfelle waren beidseits intakt. Die Reintonaudiometrie ergab eine moderat-hochgradige gemischte Schwerhörigkeit rechtsseitig mit Schallleitungskomponente von circa 20 dB, während links ein altersentsprechender Befund vorlag. Der Patient berichtete über eine Tympanoplastik in seiner Jugend.
Die Bildgebung ermöglichte die korrekte Diagnose
Die Kollegen entschieden sich daraufhin für eine weiterführende Bildgebung. Die hochauflösende CT-Felsenbeinaufnahme zeigte eine Läsion im Bereich des rechten Os temporale /Mastoidregion mit assoziierten osteolytischen Veränderungen. Ergänzend bestätigte das diffusionsgewichteten (DWI)-MRT eine expansiv wachsende Läsion des rechten Os temporale mit typischer Diffusionsrestriktion. Die Befunde sprachen damit für ein Cholesteatom.
Radiologische Abgrenzung gegenüber Differenzialdiagnosen
Die radiologische Abgrenzung gegenüber kongenitalen Läsionen wie Epidermoidzysten kann klinisch herausfordernd sein. Weitere Differentialdiagnosen umfassen beispielsweise Cholesteringranulome, die typischerweise hyperintense Signale in T1- und T2-Sequenzen ohne Diffusionsrestriktion zeigen. Charakteristisch für Cholesteatome ist hingegen eine ausgeprägte Diffusionsrestriktion im DWI-MRT. Die Autoren betonen daher die Bedeutung des DWI-MRT in der Cholesteatom-Diagnose.
Fazit: Persistierende isolierte Fazialisparesen können frühzeitige Bildgebung erfordern
Für die klinische Praxis ergibt sich daraus die Empfehlung, bei persistierender Fazialisparese auch bei unauffälliger Otoskopie frühzeitig eine Bildgebung durchzuführen. Dies kann die Diagnosestellung beschleunigen und irreversible neurologische Schäden vermeiden.











