Geriatrischer Ernährungsrisiko-Index als Prädiktor für Therapieintoleranz und Überleben bei HNSCC

Malnutrition ist bei Kopf- und Hals-Karzinomen häufig und verschlechtert die Prognose. Eine aktuelle Studie belegt, dass der geriatrische Ernährungsrisiko-Index ein einfacher prädiktiver Parameter für postoperative Risiken ist.

Ernaehrungsberatung

Malnutrition verschlechtert Outcome bei Kopf-Hals-Karzinomen

Kopf-Hals-Karzinome (Head and Neck Squamous Cell Carcinoma [HNSCC]) gehören zu den malignen Erkrankungen mit komplexer Therapie und hoher Morbidität. Ein erheblicher Anteil dieser Patienten leidet bereits zu Beginn der Therapie unter Malnutrition. Studien zeigten bereits in der Vergangenheit, dass ein schlechter Ernährungszustand präoperativ zu einer erhöhten Rate von postoperativen Komplikationen und einem geringeren Überleben führt.

Geriatrischer Ernährungsrisiko-Index zur Bewertung des Ernährungszustandes 

Dennoch fehlt in vielen klinischen Routinen eine standardisierte, valide prätherapeutische Ernährungsbewertung. Traditionell werden zum Beispiel Serumalbumin, BMI oder subjektive Scores zur Ernährungsbeurteilung herangezogen. Diese Parameter sind jedoch isoliert oft unspezifisch oder schwer vergleichbar. Eine Alternative stellt der Geriatrische Ernährungsrisiko-Index dar. Dieser kombiniert Albumin und den Gewichtsverlust und wurde ursprünglich für geriatrische Patienten konzipiert. Eine Metaanalyse bestätigte kürzlich seine Assoziation mit einem geringeren Überleben bei HNSCC-Patienten. Ob der Index bei HNSCC zuverlässig auch postoperative Risiken vorhersagt, war bislang unzureichend untersucht. 

Studie evaluierte: Kann Geriatrischer Ernährungsrisiko-Index Therapieintoleranz bei HNSCC vorhersagen?

Eine ambispektive Kohortenstudie schloss zur Beantwortung dieser Fragestellung daher 312 therapienaive Patienten mit kurativ operablem HPV-negativen HNSCC ein. Präoperativ wurde der geriatrische Ernährungsrisikoindex (GNRI) erhoben und die Patienten anhand dessen in drei Ernährungs-Risikogruppen eingeteilt: kein Risiko (GNRI >98), niedriges Risiko (GNRI 92–98) und moderat bis hohes Risiko (GNRI <92). Primäre Studienendpunkte waren die 90-Tage-Mortalität und Therapieintoleranz. Letztere wurde als Nichtbeendigung der empfohlenen adjuvanten Therapie bzw. das Auftreten von schweren therapiebezogenen Komplikationen während der adjuvanten Therapiedauer definiert. Sekundäre Studienendpunkte umfassten das Gesamt- und krankheitsfreie Überleben. 

Geriatrischer Ernährungsrisikoindex korrelierte mit postoperativen Risiken 

79 % der Patienten befanden sich in der Nicht-Risiko-Gruppe, 8 % der Patienten in der niedrig-Risiko-Gruppe, während 13 % zur moderates-hohes-Risiko-Gruppe zugeteilt waren. Patienten mit moderat bis hohem Ernährungs-Risiko zeigten deutlich höhere Raten schwerer unerwünschter Ereignisse gegenüber Patienten ohne Risiko (57 % vs. 36 %). 

Patienten mit moderat-hohem Ernährungsrisiko litten häufiger an Infektionen

So traten auch postoperative Infektionen häufiger bei Patienten mit niedrigem GNRI (also moderatem-hohen Risiko) auf. Dieses Ergebnis erreichte keine statistische Signifikanz. Als mögliche Erklärung führen die Studienautoren an, dass ein schlechter Ernährungsstatus das Immunsystem negativ beeinflusst und dadurch eine geringere Immunität gegenüber Infektionen resultiert. 

GNRI zeigte sich als unabhängiger Prädiktor für Therapieintoleranz

Auch die Therapieintoleranz war signifikant häufiger in der Gruppe mit moderat bis hohem Ernährungs-Risiko (61 % vs. 41 %). Zudem zeigte sich bei ihnen ein Trend zu erhöhter 90-Tage-Mortalität (11 % vs. 4 %). Auch nach multivariater Adjustierung blieb ein niedriger GNRI-Score ein unabhängiger Faktor für Therapieintoleranz (p = 0,012) und eine erhöhte 90-Tage-Mortalität (p = 0,048). 

Niedriger GNRI war mit erhöhter Mortalität assoziiert

Die Zuteilung zur moderat-hohes Risiko GNRI-Kategorie war ebenfalls mit kürzerem Gesamtüberleben (p<0,001) und krankheitsfreiem Überleben assoziiert (p=0,005). Die vorliegende Analyse untermauert daher die prognostische Relevanz des Geriatrischen Ernährungsrisikoindex für HNSCC-Patienten.  

Standardisierte Ernährungsbewertung vor onkologischer Therapie z.B. mit GNRI könnte Outcome der Patienten positiv beeinflussen

Der Geriatrische Ernährungsrisikoindex zeigte sich damitt als robuster unabhängiger Prädiktor für postoperative und langfristige Outcomes beim HNSCC. Es spricht vieles dafür, Ernährungsbewertungen wie den GNRI standardisiert vor größeren onkologischen Eingriffen einzusetzen. Dies würde eine individualisierte Ernährungsberatung und -intervention bereits vor der Operation ermöglichen. Zudem könnten Hochrisikopatienten eine intensivere Betreuung, engmaschige Supportmaßnahmen und gezielte Rehabilitationsprogramme erhalten. Eine robuste Risikoeinschätzung könnte zudem Entscheidungsgespräche bezüglich Therapieintensität und -planung unterstützen. Zukünftige prospektive Studien sollten evaluieren, ob gezielte ernährungstherapeutische Interventionen bei Patienten mit hohem GNRI-Risiko klinisch relevante Verbesserungen erzielen können.

Quelle:

Chowdhury et al. (2025): Geriatric Nutritional Risk Index Predicts Treatment Intolerance and Survival in Head and Neck Cancer. Head & Neck. DOI:10.1002/hed.70101.  

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