Hörverlust ist mit erhöhtem Demenzrisiko assoziiert
Hörverlust zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im höheren Lebensalter und ist mit einem erhöhten Demenzrisiko assoziiert. Pathophysiologisch werden mehrere Mechanismen diskutiert, darunter reduzierte sensorische Stimulation, soziale Isolation sowie eine erhöhte kognitive Belastung durch kompensatorische Höranstrengung.
Vor diesem Hintergrund gilt Hörverlust als potenziell modifizierbarer Risikofaktor für Demenz, was therapeutische Interventionen wie Hörgeräte besonders relevant macht.
Es gibt Hinweise darauf, dass die Behandlung des Hörverlustes mit Hörgeräten das Risiko des kognitiven Abfalls reduzieren könnte.
Können Hörgeräte die kognitive Gesundheit verbessern?
Obwohl Hörgeräte die auditive Funktion verbessern, bleibt unklar, ob sie auch den kognitiven Abbau bei älteren Menschen verlangsamen oder Demenz verhindern können.
Dieser Fragestellung ging kürzlich ein australisches Forscherteam nach.
Grundlage ihrer im Journal Neurology veröffentlichten Studie waren die Daten aus der ASPREE Studie bzw. dem 7-Jahres Follow-up ASPREE-eXTension. So konnten 2.777 Über-70-Jährige mit moderater Hörminderung (>30dBHL und <70 dBHL) untersucht werden. Von diesen erhielten im Median 664 eine neue Hörgeräteverschreibung. Die Studienautoren verglichen dann die Daten der Personen mit und ohne neu berichtete Hörgeräteverschreibung miteinander und berücksichtigten, wie oft diese tatsächlich genutzt wurden.
Studienendpunkte waren die Gesamt-kognitive Funktion, Demenz und kognitive Beeinträchtigungen.
Hörgeräte beeinflussten kognitive Alterung nicht
Die Auswertung der Studiendaten lieferte vergleichbare Scores der Gesamtkognition bei den Hörgerätenutzern versus Nicht-Nutzern. Damit ergab sich kein klinisch bedeutsamer Unterschied zwischen diesen beiden Personengruppen.
Demenzrisiko bei Patienten mit Hörgerätenutzung geringer
Anders zeigten die Ergebnisse zum geschätzten 7-Jahres Demenzrisiko, dass dieses bei den Menschen der Hörgerätegruppe um 33 % niedriger im Vergleich zu denen ohne Hörgeräte war. Zudem sank das Demenzrisiko proportional zur Häufigkeit der Hörgerätenutzung.
Patienten mit Hörgerätenutzung zeigten geringere kognitive Beeinträchtigung
Auch die kognitive Beeinträchtigung war mit Hörgerätenutzung 15 % geringer im Vergleich zu der ohne Hörgeräte. Die Wissenschaftler sahen zudem, dass das Risiko für kognitive Beeinträchtigung ähnlich wie für das Demenzrisiko invers mit der Häufigkeit der Hörgerätenutzung assoziiert war.
Besonders profitierten Menschen mit schlechterer Ausgangsfunktion des Gehörs und der kognitiven Leistung
In Subgruppenanalysen zeigte sich, dass insbesondere die Menschen profitieren, die bereits eine schlechtere Ausgangsfunktion des Hörens und der Kognition hatten.
Das Forscherteam schlussfolgert aus ihren Studienergebnissen, dass die Behandlung der Hörminderung mit Hörgeräten das Demenzrisiko senken kann, auch wenn sie nur einen limitierten Einfluss auf altersbedingte kognitive Veränderungen bei älteren Menschen mit Hörbeeinträchtigung zu haben scheint.
Mögliche Erklärungen der Studienergebnisse
Als Erklärung dafür, dass Hörgeräte das Demenzrisiko reduzieren, aber keine signifikante Reduktion des kognitiven Abfalls im Alter herbeiführen, geben die Forscher insbesondere die Verbindung zwischen fehlendem sensorischem Input und dem Demenzrisiko an. So kann die Hörminderung zu veränderter neuronaler Aktivität führen. Diese könnte wiederum bereits bestehende Pathologien wie Morbus Alzheimer verschlechtern.
Ein weiterer möglicher Mechanismus ist der Einfluss sensorischer Deprivation auf das regionale Gehirnvolumen. Zudem wiesen die meisten Studienteilnehmer zu Studienbeginn eine relativ gute kognitive Funktion auf, sodass nur begrenzte Verbesserungen möglich waren. Auch die Heterogenität möglicher Ursachen kognitiver Einschränkungen – etwa Medikamente, hormonelle Dysbalancen oder Vitaminmängel – ist zu berücksichtigen.
Limitationen und zukünftiger Forschungsbedarf
Wichtige Einschränkungen der Studie betreffen die Erfassung der Hörminderung, die nur für etwa zehn Prozent der Studienteilnehmer objektive audiometrische Daten lieferte – der Rest basierte auf Selbstauskünften.
Zudem fehlen Längsschnittdaten zur Therapieadhärenz. Somit bleibt unklar, zu welchem Ergebnis eine konsequente anhaltende Hörgerätenutzung geführt hätte.
Die Forscher empfehlen daher randomisierte Langzeitstudien und Beobachtungsstudien bei Hochrisikogruppen für kognitiven Abfall mit dem Endpunkt Demenz.












