Schlafbezogene Atmungsstörungen hoch prävalent bei Patienten mit Herzinsuffizienz
Terminale Herzinsuffizienz führt weltweit zu einer hohen Morbiditäts- und Mortalitätslast. Trotz therapeutischer Fortschritte bleibt das Management der Erkrankung herausfordernd. Die Herztransplantation stellt für Patienten im Endstadium die effektivste Intervention zur Lebensverlängerung dar. Das Outcome nach dem Eingriff wird maßgeblich von den Komorbiditäten der Patienten beeinflusst. Ein Beispiel hierfür sind schlafbezogene Atmungsstörungen.
AHI zeigt nur begrenzten prädiktiven Wert für Mortalität
Diese können zu wiederholten Sauerstoffdesaturationen und einer hämodynamischer Belastung führen. Hierdurch kann sich die kardiale Dysfunktion weiter verschlechtern. Die bisher in der klinischen Praxis gebräuchliche Quantifizierung mittels Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) zeigt nur einen begrenzten prädiktiven Wert für die Mortalität. Die kumulative nächtliche Hypoxämie-Last, also die Zeit in Minuten mit einer Sauerstoffsättigung (SpO₂) < 90 %, zunehmend als relevanter prognostischer Marker diskutiert wird.
Studie untersucht, ob nächtliche Hypoxämie-Last Prädiktor für Mortalität bzw. Notwendigkeit Implantation LVAD ist
Ob und in welchem Ausmaß diese als Prädiktor für die 5-Jahres-Mortalität bzw. die Notwendigkeit der Implantation eines linksventrikulären Unterstützungssystems (Left Ventricular Assist Device, LVAD) bei Patienten mit terminaler Herzinsuffizienz dient, war bislang unklar. Eine aktuelle Studie adressiert genau diese Lücke.
Insgesamt wurden 101 Patienten, die für eine Herztransplantation gelistet waren, in die prospektive Studie eingeschlossen. Polygraphien erfassten neben dem AHI u.a. die Zeit mit Sauerstoffsättigungen < 90 % (t90) als Parameter für das Ausmaß der nächtlichen Hypoxämie-Last. Als primären kombinierten Studienendpunkt wählten die Wissenschaftler die Gesamtmortalität bzw. die Implantation eines LVAD innerhalb von fünf Jahren.
Nächtliche Hypoxämie-Last als unabhängiger Prädiktor für Mortalität bzw. LVAD-Implantation
Während der fünfjährigen Beobachtungszeit erreichten 24 Patienten den primären Endpunkt. Der mittlere AHI der Patienten betrug 15,9, was einer schweren schlafbezogenen Atmungsstörung entsprach. Primär lag eine zentrale Atmungsstörung vor. Es zeigte sich eine signifikante, dosisabhängige Beziehung zwischen der t90 und dem Erreichen des kombinierten Endpunkts (p < 0,001). Zudem fanden die Forscher in multivariablen Analysen heraus, dass jede 30-minütige Zunahme der t90 zu einem signifikanten Anstieg des Risikos um 29 % führte (p < 0,001). Sie identifizierten einen klinischen Schwellenwert von t90 ≥ 180 Minuten für ein >5-fach erhöhtes Risiko für Tod oder LVAD-Implantation (p = 0,004).
Zukünftige Fragestellung: Könnte Reduktion der nächtlichen Hypoxämie-Last das Überleben verbessern?
Eine Frage, die sich nun stellen könnte, wäre, ob gezielte Interventionen zur Reduktion des t90 das Überleben der gelisteten Patienten verbessern könnte. Dies empfehlen die Studienautoren in weiteren klinischen Studien zu überprüfen.
t90 könnte zukünftig als prognostischer Parameter genutzt werden
Traditionelle Parameter wie der AHI, ODI oder die mittlere Sauerstoffsättigung waren nicht signifikant mit dem 5-Jahres Endpunkt assoziiert. Laut den Wissenschaftlern mehren sich daher die Hinweise darauf, dass der AHI als prognostischer Parameter für die Mortalität bzw. Implantation einer LVAD unzureichend ist. Die Ergebnisse unterstreichen, dass die t90 zukünftig eine überlegene prognostische Rolle gegenüber traditionellen Parametern bei dieser Hochrisikogruppe einnehmen könnte.
Zukünftig Routinescreening für schlafbezogene Atmungsstörungen bei Patienten mit terminaler Herzinsuffizienz mit Fokus auf t90?
Die Wissenschaftler empfehlen als Konsequenz ihrer Studienergebnisse ein Routinescreening für schlafbezogene Atmungsstörungen bei Patienten, die für eine Herztransplantation in Frage kommen, in Betracht zu ziehen. Das Screening sollte den Fokus insbesondere auf die Hypoxämie-Last (t90) legen, um eine verbesserte Risikostratifikation zu ermöglichen.
Die Studie ist bei ClinicalTrial.gov unter NCT03026634 registriert.









