Schlafstörungen im Alter: Auswirkungen auf die Behandlungsergebnisse im Krankenhaus

Forscher haben herausgefunden, dass viele ältere Patienten während eines Krankenhausaufenthalts unter Schlafstörungen leiden. Diese Schlafunterbrechungen sind mit schlechteren Behandlungsergebnissen assoziiert. Schon kleine Anpassungen im Krankenhausalltag könnten jedoch helfen, die Schlafqualität zu verbessern.

Insomnie Krankenhaus

Schlafstörungen führen bei Senioren zu vielfältigen Problemen

Schlafstörungen sind bei älteren Erwachsenen mit einem erhöhten Risiko für schlechtere Kognition, Stürze oder verminderte Wundheilung assoziiert. Ein schlechter Schlaf während einem Krankenhausaufenthalt ist zudem mit einem erhöhten Risiko für ein Delir verbunden.

Beeinflusst der Schlaf die Behandlungsergebnisse bei hospitalisierten Senioren?

Schlaf im Krankenhausumfeld wurde bisher nur wenig in Studien untersucht. Eine aktuelle Untersuchung analysierte daher die Schlafcharakteristika älterer stationärer Patienten und deren Zusammenhang mit den Behandlungsergebnissen.

Insgesamt wurden 112 Patienten in die Studie eingeschlossen. Der Schlaf wurde subjektiv vor der stationären Einweisung mittels Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) sowie Epworth Sleepiness Scale (ESS) erfasst und während der Hospitalisation mittels Schlaftagebuch und objektiver Aktigraphie ermittelt.

Ergebnisparameter

Als Ergebnisparameter wurden Veränderungen der Kognition, Länge des Krankenhausaufenthaltes, Entlassung in eine Pflegeeinrichtung und erneute Einweisung ins Krankenhaus innerhalb von 30 Tagen nach der Entlassung festgelegt. Die Studienteilnehmer waren im Durchschnitt 68,7 Jahre alt und zu 55% Frauen.

Schlaf während Hospitalisation gestört

Der durchschnittliche prästationäre PSQI-Wert war hoch, was für eine schlechte Schlafqualität vor der stationären Einweisung spricht. Prästationär lag die durchschnittliche nächtliche Schlafzeit bei 5,8±2,0 Stunden.

Auch während dem Krankenhausaufenthalt war der Schlaf gestört. So betrug die durchschnittliche totale Schlafzeit nur 5,6±1,9 Stunden. Die durchschnittliche 24-Stunden-Gesamtschlafzeit betrug jedoch 9,6±3,1 Stunden, was bedeutet, dass die Probanden zusätzlich zum Nachtschlaf noch vier Stunden schliefen.

Fragmentierter Schlaf während des Krankenhausaufenthalts

71% der Teilnehmer berichteten über eine Unterbrechung des Schlafes während ihres Krankenhausaufenthalts. Die häufigsten Gründe hierfür waren beispielsweise Messung der Vitalparameter (23%) und Blutentnahmen (21%). Auch Umgebungsfaktoren spielten bei der Störung des Schlafes eine Rolle. So gaben 11% der Teilnehmer Geräusche, 16% Geräusche von Geräten und 5% Licht als Ursache für Schlafstörungen an.

Schlechtere kognitive Funktion bei fragmentiertem Schlaf

Die kognitive Funktion war zum Zeitpunkt des Studieneinschlusses niedrig. Die Kognition verbesserte sich aber zwischen der Einweisung und Entlassung klinisch signifikant. Die Patienten mit einer geringeren Schlafeffizienz zeigten eine höhere Abnahme der Kognition (p<0,005). Dies zeigt laut den Studienautoren die Wichtigkeit, den Schlaf während des Krankenhausaufenthaltes zu verbessern, um die kognitive Funktion bis zum Zeitpunkt der Entlassung wiederherzustellen.

Vermehrt Probleme bei instrumentellen Alltagsaktivitäten bei schlechtem Schlaf

Die Mehrheit der Studienteilnehmer wies Schwierigkeiten bei einer oder mehreren instrumentellen Alltagsaktivitäten auf, wie beispielsweise zwei bis drei Blöcke zu laufen (55%), zehn Treppenstufen zu steigen (56%) und schwere Hausarbeit zu machen (56%). Die von den Teilnehmern selbstberichtete Schlafqualität war mit einem erhöhten Risiko assoziiert, Schwierigkeiten bei einer oder mehreren instrumentellen Alltagsaktivitäten zu haben.

Längerer Krankenhausaufenthalt bei schlechterer Schlafqualität

Es fand sich keine Assoziation zwischen der Schlafqualität und der Wahrscheinlichkeit der Wiedereinweisung ins Krankenhaus. Aber es zeigte sich, dass die Studienteilnehmer, die eine schlechtere Schlafqualität im PSQI zeigten, einen etwas längeren (0,13 Tage) Krankenhausaufenthalt hatten (p<0,005). Tendenziell hatten Patienten mit Schlafstörungen (kürzere Gesamtschlafzeit und Schlafeffizienz) ferner eine höhere Wahrscheinlichkeit, in eine Pflegeeinrichtung entlassen zu werden.

Ausblick in die Zukunft

Die Studienautoren empfehlen, Schlafunterbrechungen bei älteren Menschen während einer Hospitalisation zu reduzieren. Dazu sollten beispielsweise Lichtexposition und Geräuschbelastung angepasst werden. Auch sollten Patienten nicht hyperhydriert werden, um nächtliche Toilettengänge zu reduzieren.

Diese Maßnahmen könnten nicht nur die Schlafqualität während des Krankenhausaufenthalts verbessern, sondern auch positive Effekte auf die kognitive Funktion und die Verkürzung der Aufenthaltsdauer im Krankenhaus haben.

Autor:
Stand:
08.06.2024
Quelle:

Blackwell et al. (2024): Objective and subjective sleep characteristics in hospitalized older adults and their associations to hospital outcomes. Frontiers in Sleep, DOI.

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