Gräser-SLIT als Tropfen bei Erwachsenen mit allergischer Rhinokonjunktivitis – sicher und wirksam

Die allergische Rhinokonjunktivitis ist ein häufiges Krankheitsbild. Die einzige kausale Behandlung ist die spezifische Immuntherapie, die häufig subkutan verabreicht wird. Eine Alternative stellen Tropfen dar. Aktuelle Daten zeigen nun ihre Wirksamkeit und Sicherheit bei Erwachsenen.

Pollenallergie

Spezifische Immuntherapie einzige kausale Behandlung bei Gräserallergie

Die allergische Rhinokonjunktivitis zählt zu den häufigsten IgE-vermittelten Erkrankungen des respiratorischen Systems. Die Prävalenz der Erkrankung liegt in Europa bei etwa 19 %. Besonders häufig sind Allergien auf Gräser. Die Betroffenen leiden unter anderem an Beeinträchtigungen der Lebensqualität, Schlafqualität und Produktivität. Derzeitige Therapiemöglichkeiten umfassen neben der Allergenvermeidung symptomlindernde Medikamente, wie beispielsweise Antihistaminika und intranasale Kortikosteroide. Die allergenspezifische Immuntherapie stellt die einzige kausale Behandlung dar.

Sublinguale Immuntherapie als Tropfen bieten Vorteil der flexiblen Dosierung

Diese kann subkutan oder sublingual verabreicht werden. Die sublinguale Applikation erfolgt derzeit mittels Tabletten, die lyophilisierte Allergenextrakte enthalten. Eine Alternative stellt die Verabreichung mittels Tropfen dar. Diese können für verschiedene Allergenextrakte eingesetzt werden und erlauben eine flexible Dosierung. Klinische Daten zu ihrer Wirksamkeit und Sicherheit sind nur begrenzt vorhanden.

Studie untersuchte Wirksamkeit und Sicherheit von SLIT-Tropfen bei Gräserallergie

Daher untersuchte eine aktuelle Phase-III-Studie die Effektivität und Sicherheit einer kontinuierlichen sublingualen Immuntherapie (SLIT) mit 5-Gräser-Pollen-Tropfen über 26 Monate bei 445 Erwachsenen mit moderater bis schwerer allergischer Rhinokonjunktivitis mit und ohne Asthma bronchiale. Die Teilnehmer wurden 1:1 auf SLIT-Tropfen oder Placebo randomisiert und über 26 Monate kontinuierlich behandelt. Die Dosierung der SLIT-Tropfen betrug 50 standardised reactivity units (SRU) für fünf Tage, gefolgt von 150 SRU/Tag für weitere fünf Tage. Die Erhaltungsdosis betrug 300 SRU ab Tag elf. Als primären Studienendpunkt legten die Forscher den durchschnittlichen täglichen Kombinationsscore allergische Rhinokonjunktivitis (Total Combined Score [TCS]) während des zweiten Peaks der Pollensaison fest. Der Score ergab sich aus der Summe des täglichen allergischen Rhinokonjunktivitis Symptomscores und dem täglichen Medikationsscore.

Score verbesserte sich mit der SLIT-Therapie gegenüber dem Placebo

Die SLIT-Gruppe zeigte einen signifikant niedrigeren durchschnittlichen täglichen Kombinationsscore (TCS) verglichen mit Placebo. Dies entspricht einer relativen Verbesserung von 26,5 % gegenüber dem Placebo. Die verbesserten TCS-Werte beruhten hauptsächlich auf einer reduzierten Nutzung von Bedarfstherapeutika in der SLIT-Gruppe.

Lebensqualität verbesserte sich durch SLIT-Tropfen

Die Wissenschaftler zeigten zudem einen besseren Rhinitis Quality of Life Questionnaire Score bei den Patienten, die die SLIT-Tropfen erhielten, im Vergleich zur Placebogruppe. Der beobachtete Unterschied zeigte klinische Relevanz, verfehlte jedoch die statistische Signifikanz (p=0,1111). Zudem verbesserte sich durch die SLIT-Tropfen-Behandlung der patientenberichtete Behandlungszufriedenheits-Score. Die Wahrscheinlichkeit, eine Verbesserung zu erzielen, lag um 81 % höher im Vergleich zur Placebogruppe. (p=0,0101).

Die meisten Nebenwirkungen waren leicht und lokal

Insgesamt zeigten die SLIT-Tropfen ein günstiges Sicherheitsprofil, was nach EInschätzung der Autoren eine häusliche Anwendung der Tropfen unterstützt. Die meisten Nebenwirkungen waren lokal und leicht. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen umfassten oralen Pruritus, Halsirritationen und Schwellungen im Mundbereich. 

Alternative in der Praxis: SLIT in Tropfenform?

Die vorliegenden Phase-III-Daten unterstreichen die Wirksamkeit und Verträglichkeit langfristiger SLIT-Behandlung mit 5-Gräser-Pollen-Tropfen bei moderater bis schwerer allergischer Rhinokonjunktivitis. Die Verbesserung des kombinierten Scores durch Reduktion des Medikamentenbedarfs unterstreicht zudem die Therapieeffizienz im realen klinischen Setting.

Die Studie ist bei ClinicalTrials gov unter NCT04881461 registriert.

Quelle:

Didier et al. (2026): Five-Grass-Pollen Sublingual Immunotherapy Drops Are Efficacious and Well Tolerated in Adults: The RHAPSODY Phase III Trial. Allergy. doi:10.1111/all.70191

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