Übersichtsarbeit: Therapieoptionen bei Nussallergie

Eine aktuelle Übersichtsarbeit evaluierte Alternativen zur derzeitigen Behandlungsstrategie von Nussallergien, der strikten Vermeidung. Die sublinguale und orale Immuntherapie stellen wirksame Möglichkeiten dar und können mit Omalizumab ergänzt werden, um das Risiko für allergische Reaktionen zu reduzieren.

Nussallergie

Meist lebenslange Bedrohung durch Nussallergie

Eine Nussallergie ist eine lebenslange vital bedrohliche Erkrankung. Allergische Manifestationen variieren stark und hängen von verschiedenen Faktoren, wie beispielsweise der betroffenen Nuss sowie der Sensibilisierung auf verschiedene Allergenkomponenten ab. Die Standardtherapie ist derzeit die strikte Vermeidung des Auslösers und falls notwendig die symptomatische Behandlung bei unbeabsichtigtem Kontakt mit dem Allergen.

Welche Alternativen stünden zur Allergiebehandlung zur Auswahl?

Als mögliche Behandlungsalternativen stünden beispielsweise eine sublinguale Immuntherapie (SLIT) sowie die orale Immuntherapie (OIT) zur Verfügung.

Bei der oralen Immuntherapie erhält der Patient während der Eskalationsphase eine minimale Dosis des auslösenden Allergens, welche sich unterhalb der symptomauslösenden Schwelle befindet.

Die Dosierung wird graduell gesteigert, bis eine kontrollierbare Erhaltungsdosis erreicht ist, die der Patient täglich einnimmt. Hierdurch wird eine Desensibilisierung erreicht, das heißt ein Ansteigen der Reaktionsschwelle.

Um eine Einführung des Lebensmittels in die Ernährung des Patienten zu erreichen, wird eine höhere Dosierung benötigt, während ein Schutz vor Reaktionen bei akzidenteller Allergenexposition bereits bei geringeren Dosen erreicht wird. Die induzierte Desensibilisierung ist vorrübergehend und benötigt die regelmäßige Fortführung der Therapie.

Ist strikte Vermeidung die beste Therapiestrategie bei Nussallergie?

Das Ziel dieser Therapien ist also die Entwicklung einer Toleranz oder Desensibilisierung und damit die Reduktion der Schwere von allergischen Reaktionen. Eine aktuelle Übersichtsarbeit hat sich daher zum Ziel gesetzt, die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Behandlungsoptionen bei Patienten mit IgE-vermittelter Walnuss-, Cashew-, Pistazien,- Haselnuss- oder Mandelallergie zu evaluieren. Insgesamt wurden in der Arbeit 19 Studien untersucht.

Sublinguale Immuntherapie: moderate Wirkung mit gutem Sicherheitsprofil

Die sublinguale Immuntherapie wurde nur bei einer kleinen Patientengruppe mit Haselnussallergie getestet. Die Studien zeigten, dass sie die Auslösedosis einer Reaktion erhöhen und immunologische Veränderungen induzieren kann. Die Wirksamkeit war moderat.

Bezüglich der Sicherheit war die Therapie hauptsächlich mit oralem Pruritus assoziiert, der vor allem in den frühen Behandlungsstadien auftrat. Eine Epinephrin-Behandlung war nicht notwendig.

Orale Immuntherapie

Gemäß den primären Studienoutcomes war die orale Immuntherapie bei den behandelten Haselnussallergikern in 41%, bei den Walnussallergikern 89% und bei den Cashewallergikern in 88% der Fälle als erfolgreich deklariert.

Die meisten Teilnehmer berichteten über mindestens eine unerwünschte allergische Reaktion. Die Benutzung von Epinephrin lag zwischen 0 und 20% in Abhängigkeit vom Protokoll. In den Studien mit geringerer Erhaltungsdosis musste kein Epinephrin genutzt werden.

Orale Immuntherapie bei multiplen Nussallergien

Eine Desensibilisierung konnte bei 88% der Nussallergiepatienten, bei 89% der Patienten die zusätzlich zur oralen Immuntherapie eine Omalizumab-Therapie erhielten und bei 86% bei den Patienten, die eine orale Immuntherapie auf mehrere Nussallergene bekamen, erreicht werden.

Die geringste Wirksamkeit wurde bei den Haselnussallergikern gefunden (70%), wohingegen die höchste bei der Pecannussallergie vorlag (100%). Dies war unabhängig von der Nutzung von Omalizumab.

Multi-orale Immuntherapie dauerte länger, war aber genauso sicher wie Single OIT

Die Durchführung einer oralen Immuntherapie (OIT) auf mehrere Nüsse benötigte mehr Zeit als die orale Immuntherapie auf nur ein Nussallergen. Die Wirksamkeit beider Therapien war vergleichbar. Ebenso wiesen sie ein ähnliches Sicherheitsprofil auf. Bei beiden Gruppen musste zweimal Epinephrin genutzt werden.

Omalizumab reduzierte Anzahl und Schwere unerwünschter Wirkungen

Der Einsatz von Omalizumab schien die Desensibilisierung zu beschleunigen. Zudem konnte durch den Einsatz von Omalizumab die Anzahl der unerwünschten Reaktionen gesenkt werden. Dies traf insbesondere auf die initiale Phase zu, beeinflusste aber nicht die Wirksamkeit der Therapie.

Im Gruppenvergleich erlitten die Patienten mit single-OIT ohne Omalizumab die häufigsten und schwersten unerwünschten Reaktionen im Vergleich zu Patienten, die eine multi-OIT mit oder ohne Omalizumab erhielten.

Kreuz-Desensibilisierung bei ähnlichen Nüssen am wahrscheinlichsten

Einige Studien untersuchten, ob eine Immuntherapie für eine Nussallergie zu einer Kreuz-Desensibilisierung einer anderen Nussallergie führen könnte. Sie konnten höhere Erfolgsraten bei Nüssen ähnlichen phytogenetiken Ursprungs finden (Cashew und Pistazie bzw. Walnuss und Pecan).

Ausblick in die Zukunft:

Die Durchführung von Immuntherapien mit geringeren Proteindosen (300mg) könnte gemäß den Studienautoren in die klinische Routinebehandlung von Nussallergikern eingeführt werden. Dadurch könnten auch simultane Desensibilisierungen gegenüber verschiedenen Nüssen erreicht werden.

Der Einsatz von Omalizumab könnte vorteilhaft für Patienten sein, die auf mehrere Nüsse allergisch sind, indem es ihr Risiko für allergische Reaktion bei akzidenteller Exposition reduziert.

Autor:
Stand:
29.07.2024
Quelle:

Pasioti et al. (2024): Current options in the management of tree nut allergy: A systematic review and narrative synthesis. Pediatric Allergy and Immunology. DOI: 10.1111/pai.14132

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