Epinephrin

Epinephrin (Adrenalin) gehört zur Wirkstoffgruppe der Katecholamine und ist ein natürliches Hormon des Nebennierenmarks. Als Arzneimittel wird Epinephrin zur Behandlung einer Anaphylaxie (anaphylaktischer Schock), Asthma, zur Blutstillung und für die Reanimation angewendet.

Epinephrin

Anwendung

Epinephrin wird hauptsächlich bei akuten Notfällen wie Reanimation oder schweren allergischen Reaktionen (z. B. anaphylaktischer Schock) eingesetzt.

Weitere Anwendungsgebiete sind:

Anwendungsart

Epinephrin wird in Arzneimitteln vorwiegend als Hydrochlorid- oder Hydrogentartrat-Salz verwendet. Es ist als Injektionslösung, Adrenalin-Autoinjektor oder Nasenspray von verschiedenen Herstellern verfügbar.

Wirkmechanismus

Pharmakodynamik (Wirkung)

Epinephrin ist ein sympathomimetisches Amin, das ein starkes Stimulans sowohl der Alpha- als auch der Beta-Rezeptoren ist. Über die Stimulation der Alpha-Rezeptoren hat Epinephrin eine stark gefäßverengende Wirkung, was einer Vasodilatation und der erhöhten Gefäßpermeabilität entgegenwirkt, die zu einem Verlust an intravaskulärer Flüssigkeit und anschließender Hypotonie führen kann, den wichtigsten pharmakotoxikologischen Merkmalen eines anaphylaktischen Schocks.

Durch Stimulation der bronchialen Beta-Rezeptoren wirkt Epinephrin zudem stark bronchodilatatorisch.

Epinephrin übt im Organismus folgende Wirkungen aus:

α1- und α2-RezeptorenErregung glatter Muskulatur (Vasokonstriktion)
α2-RezeptorenHemmung der Noradrenalin-Freisetzung undzentrale Effekte (Analgesie, Hypotonie, Sedierung)
β1-RezeptorenStimulation des Herzens (positiv inotrop, bathmotrop, chronotrop)
β2-RezeptorenErschlaffung der glatten Muskulatur (Bronchien, Uterus)
β3-RezeptorenBlasenerschlaffung

 

Pharmakokinetik

Epinephrin wird im Körper schnell inaktiviert und vor allem in der Leber durch die Enzyme Catechol-O-Methyl-Transferase (COMT) und Monoaminoxidase (MAO) abgebaut. Der Großteil einer Dosis Epinephrin wird als Metabolit im Urin ausgeschieden. Die Plasma-Halbwertszeit beträgt etwa 2 bis 3 Minuten. Bei subkutaner oder intramuskulärer Injektion kann jedoch die lokale Vasokonstriktion die Absorption verzögern, so dass die Wirkungen länger anhalten können, als nach der Halbwertszeit anzunehmen wäre.

Dosierung

Die Dosierungsempfehlungen unterscheiden sich je nach Indikation und können der jeweiligen Fachinformation entnommen werden.

Die wirksame Dosis bei der Behandlung des anaphylaktischen Schocks liegt normalerweise in einem Bereich von 0,005 – 0,01 mg/kg Körpergewicht, es können aber in einigen Fällen auch höhere Dosen notwendig sein.

Bei der nasalen Anwendung im Falle einer schweren allergischen Reaktion vom Typ I wird als Anfangsdosis eine einmalige Gabe von 2 mg Adrenalin empfohlen. Wenn sich 10 Minuten nach der Applikation keine klinische Besserung zeigt, sollte eine zweite Dosis in dasselbe Nasenloch gegeben werden. Die Höchstdosis liegt bei 4 mg.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen von Epinephrin ergeben sich aus der starken zentralen Wirkung und sind überaus vielfältig. Angesichts des lebensrettenden Einsatzes überwiegt der Nutzen mögliche Risiken deutlich.

Zu den häufigen unerwünschten Wirkungen, die auch bei niedrigen Dosierungen von Adrenalin (Epinephrin) auftreten können, gehören:

  • Palpitationen, Tachykardie, erhöhter Blutdruck
  • Schwitzen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Atembeschwerden, Hautblässe
  • Schwindel, Schwäche, Tremor
  • Kopfschmerzen
  • Beklommenheit, Nervosität, Angstgefühle
  • Kältegefühl an den Extremitäten

Häufige Nebenwirkungen, die speziell bei der nasalen Anwendung zusätzlich auftreten können, sind:

  • Nasenbeschwerden
  • Halsschmerzen
  • Rhinorrhö
  • Nasenödeme
  • Rhinalgie
  • Nasenverstopfung

Das Auftreten von Nebenwirkungen ist allerdings abhängig von der individuellen Empfindlichkeit des einzelnen Patienten und der angewendeten Dosis.

Wechselwirkungen

Mit folgenden Arzneimitteln kann es bei der Anwendung von Epinephrin zu Wechselwirkungen  kommen:

  • Trizyklische Antidepressiva, kombinierte Serotonin-Noradrenalin-Antidepressiva wie Venlafaxin, Sibutramin oder Milnacipran und Monoaminooxidase-Hemmer können bei gleichzeitiger Anwendung zu einem plötzlichen Blutdruckanstieg und Herzrhythmusstörungen führen.
  • COMT-Hemmer, Schilddrüsenhormone, Theophyllin, Oxytocin, Parasympatholytika, bestimmte Antihistaminika (Diphenhydramin, Chlorpheniramin), Levodopa und Alkohol können die Wirkungen von Adrenalin verstärken.
  • Nicht-selektive Beta-Rezeptorenblocker können in Kombination mit Epinephrin schwere Hypertonie und Bradykardie auslösen.
  • Sympathomimetika können bei gleichzeitiger Behandlung die Wirkungen von Epinephrin verstärken.
  • Arzneimittel, die das Herz für Arrhythmien sensibilisieren können, wie z. B. Digitalis, Chinidin und halogenierte Anästhetika → Vorsicht ist geboten.
  • Vasodilatatoren oder Alpha-Rezeptorenblocker können der pressorischen Wirkung von Epinephrin entgegenwirken.
  • Durch Beta-Rezeptorenblocker, insbesondere nicht-selektive Beta-Rezeptorenblocker, können die anti-anaphylaktischen Wirkungen des Epinephrins antagonisiert werden.
  • Epinephrin hemmt die Insulinsekretion. Daher kann bei Diabetikern eine Erhöhung der Insulindosis oder die Erhöhung der Dosis einer anderen blutzuckersenkenden Therapie erforderlich sein.

Kontraindikationen

Epinephrin darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen Adrenalin/ Epinephrin oder einen der sonstigen Bestandteile des jeweiligen Arzneimittels. Für die Verwendung von Epinephrin während eines allergischen Notfalls gibt es keine absoluten Kontraindikationen.

Schwangerschaft

Es liegen keine adäquaten oder ausreichend kontrollierten Studien über die Anwendung von Epinephrin an schwangeren Frauen vor. Epinephrin darf während der Schwangerschaft nur verwendet werden, wenn der mögliche Nutzen das potentielle Risiko für das Ungeborene rechtfertigt. Epinephrin kann zu einer dramatischen Verringerung der Durchblutung der Plazenta führen, allerdings geschieht dies auch bei einem anaphylaktischen Schock.

Stillzeit

Epinephrin ist nicht oral verfügbar; von dem gegebenenfalls in die Muttermilch übergetretenen Epinephrin werden keine Auswirkungen auf den gestillten Säugling erwartet.

Verkehrstüchtigkeit

Nach der Gabe von Epinephrin wird den Patienten empfohlen, kein Fahrzeug zu führen und keine Maschine zu bedienen, da sie gegebenenfalls noch unter Symptomen des anaphylaktischen Schocks leiden.

Anwendungshinweise

Bei der Anwendung von Epinephrin sind folgende Warnhinweise zu beachten:

  • Aufklärung bei Verordnung: Patienten müssen umfassend über die Indikation und richtige Anwendung des Adrenalin-Präparats informiert werden. 
  • Nasale Anwendung bei Kindern: Kinder unter 12 Jahren sollten das Arzneimittel nur durch eine Betreuungsperson erhalten oder nachweislich selbstständig und korrekt anwenden können.
  • Nasale Anwendung bei verstopfter Nase: Das Arzneimittel kann auch bei Schnupfen verwendet werden, wobei sich das pharmakokinetische Profil ändern kann.
  • Hinweise zur Anaphylaxie: Patienten müssen über typische Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion (z. B. Atemnot, Hautausschlag, Schwellungen, Kreislaufprobleme) aufgeklärt werden. Bei Asthmatikern besteht ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe. Epinephrin ist beim ersten Auftreten schwerer allergischer Symptome sofort anzuwenden. Patienten sollen das Arzneimittel jederzeit mitführen.
  • Biphasische Reaktionen: Patienten und Angehörige müssen wissen, dass eine Anaphylaxie erneut auftreten kann, auch wenn die Symptome vorübergehend verschwunden sind. Deshalb ist nach jeder schweren Reaktion unverzüglich medizinische Hilfe erforderlich.

Vorsicht bei bestimmten Vorerkrankungen

  • Bei Herzerkrankungen ist Epinephrin mit besonderer Vorsicht anzuwenden.
  • Kombination mit arrhythmieauslösenden Medikamenten (z. B. Digoxin, Chinidin) wird nicht empfohlen.
  • Mögliche Nebenwirkungen bei Glaukom, Nierenfunktionsstörung, Prostataadenom, Hyperkalzämie, Hypokaliämie oder Parkinson.

Besonders empfindliche Patientengruppen

Patienten mit Hyperthyreose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes, Schwangere und ältere Personen tragen ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen. Für diese Risikogruppen ist eine gezielte Schulung besonders wichtig.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
183.2 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 0.2 H
Q0-Wert:
0.7
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