Eine chronische Exposition gegenüber Feinstaub ist mit einer chronischen Rhinosinusitis assoziiert
Die chronische Rhinosinusitis (CRS) ist eine entzündliche Erkrankung der Nase und Nasennebenhöhlen. Ihre Prävalenz liegt in Europa zwischen 6,9 und 27,1% [1].
Studien konnten zeigen, dass eine chronische Exposition gegenüber Feinstaub, insbesondere PM2,5, mit der Entwicklung einer CRS assoziiert ist [2]. Dies unterstreicht die zunehmende Rolle von Umweltfaktoren bei der CRS-Entstehung. Mit der zunehmenden Erderwärmung rückt auch die Rolle der Umgebungstemperatur bei verschiedenen Krankheiten in den Mittelpunkt.
Erhöhte Umgebungstemperaturen führen zu einem Anstieg der Morbidität und Mortalität
So konnte gezeigt werden, dass eine Erhöhung von 1°C bereits mit einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität einhergeht. Auch die Morbidität von psychiatrischen Erkrankungen oder Asthma und COPD steigt bei einer Erhöhung um 1°C [3]. Eine erhöhte Umgebungstemperatur könnte auch zu einem Anstieg des PM2,5 Levels führen und damit sinunasale Symptome verstärken.
Die vorliegende Fall-Kontroll-Studie untersuchte die Assoziation zwischen hohen Umgebungstemperaturen und der CRS
In die Studie wurden insgesamt 4.752 Teilnehmer (2.376 CRS-Patienten und 2.376 Kontrollen) mit einem mittleren Alter von 51,8 ± 16,8 Jahren eingeschlossen [4]. 56,9% der Studienteilnehmer waren Frauen.
Die Umgebungstemperaturen und die tägliche relative Luftfeuchtigkeit wurden der zu jedem Teilnehmer nächstliegenden meteorologischen Messstation entnommen.
Extreme Hitze wurde als 35°C definiert (>95.Perzentile der maximalen Temperatur-Verteilung).
Anhand verschiedener Modelle schätzten die Forscher den Effekt der maximalen Umgebungstemperatur auf die CRS-Symptome und die Assoziation zwischen der extremen Hitze und dem CRS-Risiko ein.
Die mittlere maximale Tagestemperatur für die CRS-Gruppe lag bei 27,8°C versus 27,6°C für die Kontrollgruppe.
Exazerbation von CRS-Symptomen war assoziiert mit Temperaturen >35°C
Die Exposition gegenüber extremer Hitze war mit einem erhöhten Risiko der Exazerbation von CRS-Symptomen assoziiert (OR [Odds Ratio] 1,11; 95%-KI [Konfidenzintervall]: 1,03 bis 1,19).
Der kumulative Effekt von extremer Hitze zwischen 0 und 21 Tagen war signifikant (OR 2,37; 95%-KI: 1,60 bis 3,50) verglichen mit der Minimum Morbidity Temperature (MMT) von 25,3°C.
In der Regel erreichte der Effekt der hohen Temperaturen einen kleinen Peak nach drei Expositionstagen. Eine signifikante Erhöhung des Risikos einer Exazerbation der CRS sahen die Wissenschaftler nach ungefähr 2 Wochen.
Die Ursachen für die Exazerbation der CRS-Symptome bei großer Hitze vermuten die Forscher zum einen in einem erhöhten PM2,5-Level und zum anderen in einem hitzebedingten vermehrten Wachstum von Bakterien, Pilzen und Viren.
Interessanterweise trafen die von der Arbeitsgruppe gefundenen Assoziationen besonders bei jungen und mittelalten Patienten zu. Sie vermuteten, dass diese Personengruppen sich eher draußen aufhalten, und dadurch vermehrt der Hitze ausgesetzt sind.
Auch Patienten mit CRS ohne Nasenpolypen (CRS sine nasal polyps [CRSsNP]) und Patienten mit einem abnormalen Gewicht waren besonders betroffen. Hier könnte als Ursache sein, dass ein verändertes Körpergewicht bzw. Metabolismus die Assoziationen zwischen der Temperatur und CRS verändern.
Fazit:
Die Wissenschaftler sahen, dass eine kurzfristige Exposition gegenüber hohen Umgebungstemperaturen mit einer Exazerbation von CRS-Symptomen assoziiert war. Klimatische Änderungen haben einen potentiell schädlichen Effekt auf die Gesundheit der oberen Atemwege, was wiederum einen signifikanten Einfluss auf die öffentliche Gesundheit haben könnte.








