Fünf Jahre Masern-Impfpflicht: Ein kritischer Rückblick

Seit Einführung der Masernimpfpflicht in Deutschland zeigen aktuelle Daten eine gemischte Bilanz. Erfahren Sie, warum trotz steigender Impfquoten die Masernfälle zunehmen und welche Maßnahmen Experten jetzt fordern.

Masern-Impfung

Nach fünf Jahren Masernimpfflicht in Deutschland hat das Robert Koch-Institut (RKI) in einem umfassenden Bericht und einem Workshop Bilanz gezogen. Wie das RKI mitteilt, hat das Masernschutzgesetz Fortschritte ermöglicht. Die erhoffte vollständige Kontrolle über die Infektionskrankheit sei aber noch nicht erreicht.

Impfquoten steigen: WHO-Zielvorgabe ist aber weiterhin nicht erreicht

Die aktuellen Masern-Impfquoten bei Grundschulkindern in Deutschland zeigen eine positive Entwicklung, erreichen jedoch noch nicht das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Niveau von 95 Prozent, das für eine effektive Eindämmung der Krankheit erforderlich ist. Wie aus dem Epidemiologischen Bulletin 10/2025 des RKI hervorgeht, sind die Impfquoten in den vergangenen Jahren gestiegen – besonders bei Kindern. So liegt die Quote der zweimal gegen Masern geimpften Einschulkinder bundesweit inzwischen bei 92 Prozent. 2019 waren es noch 89 Prozent. Der Anteil zweifach geimpfter Kinder im Alter von 24 Monaten erhöhte sich von 70 Prozent im Jahr 2019 auf 77 Prozent 2023. Regional bestehen jedoch erhebliche Unterschiede: In manchen Kreisen liegt die Quote deutlich unter dem angestrebten Niveau.

Zahl der Masern-Infektionen schnellt 2024 trotz besserer Impfquoten in die Höhe

Trotz gestiegener Impfquoten verzeichnete Deutschland im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg der Maserninfektionen. In den Pandemie-Jahren waren die Fallzahlen – maßgeblich infolge der Kontaktbeschränkungen und der Hygiene-Maßnahmen – auf einem historischen Tiefststand. Nach Fallzahlen von deutlich unter 100 pro Jahr schnellte die Zahl im vergangenen Jahr auf mehr als 560 Fälle (RKI-Angaben mit Stand September 2024). 

RKI-Experten ziehen positive Bilanz der Impfpflicht – und fordern Verbesserungen

Nach Einschätzung der RKI-Experten hat die Masernimpfpflicht in Deutschland wichtige Impulse gesetzt. Das öffentliche Bewusstsein für die Gefahren von Masern sei geschärft worden. Dennoch machten die jüngsten Ausbrüche deutlich: Es bedürfe kontinuierlicher Anstrengungen, gesellschaftlicher Aufklärung und politischer Begleitung, um das Ziel der Masernelimination in Deutschland und Europa zu erreichen.

Die Masernimpfpflicht sei dabei ein sinnvolles Instrument, aber sie brauche ein starkes Fundament aus Infrastruktur, Kommunikation und Vertrauen. Es sei Konsens unter den Workshop-Teilnehmenden, dass die Impfpflicht nicht abgeschafft, sondern weiterentwickelt werden müsse. Zu den Verbesserungsvorschlägen zählen nach Angaben des RKI die digitale Erfassung des Impfstatus, zielgruppenspezifische Informationskampagnen und niedrigschwellige Impfangebote auch außerhalb medizinischer Einrichtungen. Denn noch trügen Impfgegner, Impfskepsis in der Bevölkerung sowie unvollständige Dokumentationen dazu bei, dass der Schutzschild gegen die Masern durchlässig bleibe. 

Das Masernschutzgesetz kurz zusammengefasst

Das Masernschutzgesetz verpflichtet seit März 2020 alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr sowie nach 1970 geborene Mitarbeitende in Gemeinschafts- und Gesundheitseinrichtungen zum Nachweis eines ausreichenden Masernschutzes – entweder durch zwei dokumentierte Impfungen oder einen Immunitätsnachweis. Bei fehlendem Nachweis drohen Bußgelder und der Ausschluss aus Einrichtungen.

Autor:
Stand:
11.04.2025
Quelle:

Robert Koch Institut: Epidemiologisches Bulletin 10/2025, zuletzt abgerufen am 1. April 2025
 

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