STIKO empfiehlt Dengue-Impfung nach vorheriger Infektion

Die Ständige Impfkommission hat sich erstmals für eine Impfung gegen Dengue-Fieber ausgesprochen. Der Impfstoff Qdenga wird für Personen ab vier Jahre empfohlen, die bereits eine labordiagnostisch bestätigte Infektion mit Dengue-Viren durchgemacht haben.

Stechmücke

Das Dengue-Virus (DENV) ist weltweit das am häufigsten durch Stechmücken übertragene Virus beim Menschen. Etwa 99% der in Europa gemeldeten Fälle betreffen Reisende aus Endemiegebieten. Nun hat die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) erstmals eine Impfempfehlung gegen Dengue-Fieber ausgesprochen [1].

STIKO-Empfehlungen: Qdenga nur nach vorheriger Dengue-Infektion

Der attenuierte tetravalente Lebendimpfstoff Qdenga® ist seit Dezember 2022 in der Europäischen Union (EU) zugelassen. Laut Fachinformation kann die Vakzine bei entsprechender Indikation auch bei Personen ohne vorherige Dengue-Virus-Infektion angewendet werden. Die STIKO empfiehlt den Impfstoff derzeit nur für Personen ab vier Jahre, die bereits eine labordiagnostisch bestätigte Infektion mit Dengue-Viren durchgemacht haben.

Die Impfung kann als Reiseimpfung vor Aufenthalten in Dengue-Endemiegebieten mit erhöhtem Ansteckungsrisiko (zum Beispiel bei längerem Aufenthalt oder aktuellem Ausbruchsgeschehen) oder bei gezielten Tätigkeiten mit DENV (etwa in Forschungseinrichtungen oder Laboratorien) außerhalb von Endemiegebieten erfolgen.

Ein schriftlicher Nachweis über die Labordiagnostik einer früheren Infektion ist nicht notwendig; anamnestische Angaben genügen. Eine Bestimmung des Serostatus vor der Impfung wird von der STIKO nicht empfohlen, da eine ausreichend zuverlässige Diagnostik nicht überall möglich ist.

Grundimmunisierung mit zwei Impfstoffdosen

Die Grundimmunisierung erfordert zwei Impfstoffdosen, die subkutan im Mindestabstand von drei Monaten verabreicht werden. Die Impfserie sollte vor Reiseantritt abgeschlossen sein.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen

Qdenga ist ein Lebendimpfstoff und darf deshalb nicht bei Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz sowie bei Schwangeren und Stillenden angewendet werden.

Gemäß der STIKO kann die Qdenga-Impfung parallel zur Reiseimpfung gegen Hepatitis A oder Gelbfieber durchgeführt werden. Die Injektionen sollten dabei aber an verschiedenen Körperstellen erfolgen.

Impfung nur nach vorheriger Dengue-Infektion

Die Impfung mit dem Dengue-Impfstoff wird ausschließlich nach einer vorherigen Dengue-Virus-Infektion empfohlen. In der Regel verläuft die erste Dengue-Virusinfektion asymptomatisch oder mild; schwere Verläufe sind äußerst selten.

Bei Zweitinfektionen ist das Risiko für einen schweren Verlauf deutlich erhöht. Da anhand der bisherigen Studienlage nicht ausgeschlossen werden kann, dass Menschen ohne vorangegangene Dengue-Erkrankung (Dengue-Naive) nach der Impfung eine schwere Dengue-Erstinfektion erleiden könnten, gibt die STIKO vorerst keine generelle Impfempfehlung ab.

Falls nach ausführlicher ärztlicher Beratung dennoch eine Impfung für Dengue-Naive in Betracht gezogen wird, sollte die zu impfende Person umfassend über das Risiko einer Infektionsverstärkung bei einer nachfolgenden DENV-Infektion informiert werden. Wird die Impfung trotzdem durchgeführt, ist die Grundimmunisierung (bestehend aus zwei Impfstoffdosen im Mindestabstand von drei Monaten) vor der Ausreise abzuschließen.

Offene Fragen zu Auffrischimpfungen

Die Frage, ob Auffrischimpfungen erforderlich sein werden, lässt sich momentan nicht abschließend beurteilen. Entsprechende Studien sind noch nicht abgeschlossen. Die STIKO wird gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) diese Thematik evaluieren und ihre Empfehlung gegebenenfalls aktualisieren, sobald weitere Erkenntnisse vorliegen.

Klimawandel: Dengue breitet sich aus

Dengue war über viele Jahrzehnte hauptsächlich in tropischen und subtropischen Regionen verbreitet. Das Virus wird vor allem von Gelbfiebermücken, gelegentlich auch von Asiatischen Tigermücken, übertragen.

Aufgrund des Klimawandels mit ansteigenden Temperaturen, häufigeren Hitzewellen und vermehrten Überflutungsereignissen breiten sich die Mücken und das Dengue-Virus mittlerweile auch außerhalb der bekannten tropischen und subtropischen Endemiegebiete aus. Eine Karte mit den entsprechenden Risikogebieten kann beim Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (European Centre for Disease Prevention and Control [ECDC]) abgerufen werden.

Autor:
Stand:
18.12.2023
Quelle:
  1. Robert Koch-Institut (RKI), Pressemitteilung, 30. November 2023.
  2. Europäische Arzneimittelagentur (EMA), Qdenga, Stand 12. April 2023.
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