Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten und führen weltweit zu erheblicher Morbidität und Mortalität. Trotz der Verfügbarkeit einer hochwirksamen Zweifachimpfung bleibt die Erkrankung eine Herausforderung für die öffentliche Gesundheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verfolgt das Ziel, Masern bis 2030 in mindestens fünf von sechs Weltregionen zu eliminieren. Voraussetzung dafür ist eine Durchimpfungsrate von mindestens 95 % mit zwei Dosen des Masern-Impfstoffs.
Die Covid-19-Pandemie hat vielerorts zu Unterbrechungen in Routine-Impfprogrammen geführt und Fortschritte bei der Masernelimination verlangsamt. Eine aktuelle Studie aus 'Vaccines' zeigt nun, dass die Impfquoten weiterhin unter dem Vorkrisenniveau liegen und das Eliminationsziel zunehmend in Gefahr gerät.
Alarmierende Entwicklung der Masern-Impfquote
Die Untersuchung analysierte Daten der WHO und UNICEF aus 68 Ländern von 2019 bis 2023. Die zentralen Ergebnisse:
- Die weltweite Zwei-Dosen-Impfquote sank auf durchschnittlich 65,3 %.
- Keine WHO-Region erreichte die erforderlichen 95 % Zwei-Dosen-Abdeckung.
- Die Anzahl der ungeimpften Kinder ("Zero-Dose-Kinder") stieg global um 7,8 %, in der afrikanischen Region sogar um 24,9 %.
- Nur die westpazifische Region erfüllte die Anforderungen zur Blockade der Masern-Transmission bei hochinfektiösen Virusstämmen.
Besonders betroffen sind ländliche Gebiete mit begrenztem Zugang zu Impfprogrammen sowie sozioökonomisch benachteiligte Bevölkerungsgruppen.
Herdenimmunität in Gefahr
Masern können nur eliminiert werden, wenn mindestens 95 % der Bevölkerung immunisiert sind. Derzeit liegt die Immunitätsrate jedoch nur bei 87,6 % – ein Wert, der nicht ausreicht, um die Virusübertragung effektiv zu unterbrechen. Besonders kritisch ist die Situation in Afrika, wo die Impfquote am niedrigsten ist und die Zahl ungeimpfter Kinder besonders hoch bleibt.
Experten warnen, dass die unzureichende Immunisierung zu einem Anstieg schwerer Krankheitsverläufe und vermeidbarer Todesfälle führen könnte.
Regionale Unterschiede und Herausforderungen
In der Untersuchung wurde deutlich, dass insbesondere Regionen mit ohnehin niedriger Durchimpfungsrate weiter zurückfielen:
- Afrika: Zwei-Dosen-Quote nur 48 %, höchste Rate ungeimpfter Kinder.
- Ostasien & Pazifik: Beste Durchimpfungsrate mit 86-93 %, jedoch unter dem WHO-Ziel.
- Europa: 92,5 % Durchimpfungsrate, aber nicht ausreichend für stabile Herdenimmunität.
- Amerika & Südostasien: Beide Regionen mit Impfquoten zwischen 53-72 %, weit unter den nötigen Werten zur Eindämmung.
Maßnahmen zur Steigerung der Impfquote
Um die Masernelimination voranzutreiben, fordern Experten gezielte Maßnahmen:
- Ausbau von Impfprogrammen – Besonders in unterversorgten Regionen müssen Routineimpfungen gestärkt und Impfkampagnen intensiviert werden.
- Bekämpfung von Fehlinformationen – Durch gezielte Aufklärung soll das Vertrauen in die Sicherheit und Wirksamkeit von Impfstoffen gestärkt werden.
- Verbesserung der Impfversorgung – Mobile Impfteams können in abgelegenen Gebieten dazu beitragen, die Impfquote zu erhöhen.
- Pflichtimpfungen in Hochrisikogebieten – In Regionen mit häufigen Krankheitsausbrüchen könnte eine verpflichtende Impfung notwendig sein.
- Schulung von Fachkräften – Medizinisches Personal sollte gezielt weitergebildet werden, um impfskeptische Eltern besser beraten zu können.
Globale Impfstrategie entscheidend für Masernelimination
Die sinkende Impfquote gefährdet nicht nur die Herdenimmunität, sondern auch die WHO-Ziele zur Masernelimination. Besonders in Regionen mit niedrigen Impfraten sind nachhaltige Strategien notwendig, um Impfprogramme zu stärken und das Vertrauen in die Impfung wiederherzustellen.
Ohne gezielte Maßnahmen wird sich der Negativtrend fortsetzen – mit einer steigenden Zahl an Krankheitsfällen und einem erhöhten Sterberisiko. Nur durch koordinierte internationale Anstrengungen lässt sich die Herdenimmunität stabilisieren und die globale Eliminierung der Masern vorantreiben.










