Die Koronararterien-Bypass-Operation ist das am häufigsten durchgeführte herzchirurgische Verfahren und mit erheblichen Risiken verbunden. In den USA sind rund ein Drittel der Operierten weiblich. Seit Jahrzehnten zeigen Studien, dass Frauen nach einer Bypass-Operation eine signifikant höhere Sterblichkeit und schlechtere Langzeitergebnisse als Männer aufweisen.
Die genauen Gründe für die schlechteren Resultate bei Frauen sind nach wie vor unzureichend erforscht, was die Optimierung der klinischen Praxis erschwert. Aktuelle Daten dazu lieferte kürzlich die Studie von Dr. Sigrid Sandner und Kollegen.
Geschlechtsspezifische Unterschiede als mögliche Ursache für schlechtere Outcomes
Morphologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern, wie beispielsweise eine geringere Arteriengröße bei Frauen, könnten zu erhöhten Komplikationsraten führen. Unterschiede in der Art, wie sich die koronare Herzkrankheit (KHK) bei den verschiedenen Geschlechtern präsentiert, könnten zudem zu Verzögerungen bei der Diagnose und somit zu schlechteren Ergebnissen bei weiblichen Patientinnen beitragen. Auch geschlechtsspezifische Unterschiede in der Prävention und Behandlung der KHK könnten sich in den unterschiedlichen Behandlungsergebnissen widerspiegeln.
Qualität der Behandlungseinrichtung im Fokus
Ein US-amerikanisches Forscherteam um Dr. Catherine Wagner von der University of Michigan in Ann Arbor untersuchte in einer retrospektiven Kohortenstudie, wie geschlechtsspezifische Behandlungsergebnisse bei Bypass-Operationen mit den Qualitätsstandards der Behandlungseinrichtung in Zusammenhang stehen.
Die Wissenschaftler analysierten Daten von insgesamt 444.855 Medicare-Versicherten im Durchschnittsalter von 72 Jahren, wobei ein Drittel der Patienten Frauen waren. Die Kliniken wurden basierend auf ihren risikoadjustierten 30-Tage-Mortalitätsraten in fünf Qualitätsgruppen eingeteilt. Einrichtungen mit den geringsten Qualitätsstandards waren häufiger gewinnorientierte Krankenhäuser, die am wenigsten Pflegepersonal pro Patient aufwiesen. Diese Krankenhäuser hatten zudem die kleinste Bettengröße und das geringste Volumen an Koronararterien-Bypass-Operationen.
Frauen häufiger ungeplant und schlechter versorgt
Weibliche Patienten wurden öfter unvorhergesehen in ein Krankenhaus eingewiesen und zudem häufiger in Kliniken mit niedrigem Qualitätsstandard behandelt. Die Sterblichkeit innerhalb von 30 Tagen nach der Operation war bei Frauen insgesamt höher als bei Männern.
Diese Unterschiede traten sowohl in Krankenhäusern mit hohem als auch mit niedrigem Qualitätsstandard auf. Besonders auffällig war, dass die höhere Sterblichkeit bei weiblichen Patienten in Krankenhäusern mit niedrigem Qualitätsstandard doppelt so groß war wie in Krankenhäusern mit hohem Qualitätsstandard.
Optimierungspotenzial bei Kliniken und Zuweisung
Die Autoren der Publikation schlussfolgern, dass bei Frauen häufiger Akutsituationen und technisch anspruchsvollere Befunde vorliegen. Diese könnten von Krankenhäusern mit höherem Qualitätsstandard besser bewältigt werden, da mehr Erfahrung und Ressourcen zur Verfügung stehen, um eine moderne und leitliniengerechte Versorgung zu bieten.
Verbesserungen in der Qualität der Einrichtungen und eine gerechtere Überweisung von Patientinnen an Kliniken mit höherem Standard könnten die geschlechtsspezifischen Unterschiede in den Behandlungsergebnissen nach risikoreichen Koronararterien-Bypass-Operationen verringern.
Ebenso könnte die Einrichtung spezieller Kompetenzzentren die Behandlungsergebnisse von Frauen verbessern. Als Beispiel hierfür ist die Medizinische Universität Wien zu nennen, die bereits eine Spezialambulanz für Frauen vor Bypass-Operationen betreibt.








