DGK 2024: Versorgung bei chronischer Herzinsuffizienz

Die chronische Herzinsuffizienz ist eine komplexe Erkrankung, die eine kontinuierliche und strukturierte Versorgung der Patienten erfordert. Heart Failure Networks können den Anforderungen gerecht werden. Eine besondere Rolle spielen dabei nicht-ärztliche Spezialisten.

Herzinsuffizienz Herz

Komplexe Behandlung

Mit 423.000 Hospitalisierungen im Jahr ist die Herzinsuffizienz (HI) die häufigste Hospitalisierungsdiagnose in Deutschland. Die Behandlung der chronischen HI ist aufgrund des Fortschreitens der Erkrankung, verschiedener Komorbiditäten, des fortgeschrittenen Alters der meisten Patienten und auch der vielfältigen Therapieoptionen äußerst komplex. Wie das „Kontinuum der Versorgung bei chronischer Herzinsuffizienz“ gewährleistet werden kann, wurde auf der 90. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), 3.-6. April 2024 in Mannheim in der gleichnamigen Session aus der Perspektive von Krankenhäusern und niedergelassenen Praxen diskutiert.

Dabei stellte die Struktur der HI-Netzwerke (Heart Failure Networks [HF-NETs]) einen roten Faden durch die Vorträge und Diskussionen dar. Die HF-Nets bestehen aus drei unterschiedlichen HI-Einheiten (Heart Failure Units [HFUs]):

  • HFU-Schwerpunktpraxis
  • HFU-Schwerpunktklinik
  • Überregionales HFU-Zentrum

Im März 2024 gab es 51 überregionale HFU-Zentren, 90 HFU-Schwerpunktkliniken, 85 HFU-Schwerpunktpraxen in Deutschland.

Vulnerable Phase nach der Entlassung

Dr. med. Philipp Schlegel, Oberarzt an der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie des Universitätsklinikums Heidelberg berichtete, dass mit der Klinikentlassung nach der Behandlung einer akuten HI eine vulnerable Phase beginnt, bei der 10-30% der Patienten sterben oder nach einem bis drei Monaten erneut hospitalisiert werden müssen. Nach drei Monaten bis fünf Jahren nach der Entlassung liegt die Mortalität von Patienten mit chronischer HI in ambulanter Versorgung bei 40-50%. Mehrere Studien belegen, dass eine rasche Therapieeinleitung der kompletten oralen Medikation in niedriger Dosis bereits im Krankenhaus hilft, diese vulnerable Phase zu überwinden.

Kommunikation in alle Richtungen

Die Auftritration der Medikation zur Zieldosis erfolgt in der Regel in der ambulanten Versorgung. Bei der Dosisoptimierung ergab ein gegenüber Standardverfahren beschleunigtes Vorgehen (Auftritration auf 100% innerhalb von zwei Wochen unter engmaschiger Kontrolle) ein geringeres Risiko für HI-Hospitalisierung und Tod.

Prof. Dr. Christian Zugck, niedergelassen in der kardiologischen Praxis im Steiner Thor in Straubing, ging in seinem Vortrag auf die Fortführung der Therapie in der ambulanten Versorgung ein. Von zentraler Bedeutung für einen guten Übergang von der klinischen in die ambulante Versorgung ist das Entlassmanagement, das dem Patienten bei nächsten Schritten hilft, z. B. den Kontakt zu den geeigneten ambulanten Versorgern knüpft. Eine gute Kommunikation ist gerade bei einer komplexen Krankheit wie der HI der Schlüssel zum Erfolg. Sie muss sowohl zwischen Klinik und Arzt, Arzt und Arzt und vor allem auch zwischen Arzt und Patient stimmen.

Dabei sollte man sich als Arzt die andere Perspektive des Patienten bewusst machen, erklärte Zugck: „Nicht die Hospitalisierungsrate, sondern seine Lebensqualität ist der entscheidende Endpunkt für den Patienten“. Viele Patienten haben häufig auch Angst vor Nebenwirkungen, angesichts der „vielen Tabletten“, die sie häufig noch zusätzlich zu den Tabletten gegen Komorbiditäten einnehmen müssen. Diese Ängste sollte man im Interesse der Therapieadhärenz direkt ansprechen, ernstnehmen und mit dem Patienten eingehend besprechen.

Die Rolle nicht-ärztlichen Spezialisten

Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter der Ambulanz am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz in Würzburg bestätigte, wie wichtig die kommunikative, zwischenmenschliche Komponente bei der Versorgung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz ist: „Die gute Betreuung eines HI-Patienten kann so wirksam sein wie ein modernes Medikament!“

Die gute Betreuung HI-Patienten umfasst unter vielem anderen die Überleitung in die ambulante Nachbetreuung, die Koordination medizinischer Maßnahmen, eine kontinuierliche Schulung zur Förderung des Selbstmanagement und der Therapieadhärenz, die strukturierte Telefonbetreuung und/oder Telemonitoring, kardiologisch-palliative Pflege und die Dokumentation der erbrachten Leistungen.

Dieses umfassende Betreuungsprogramm ist von Ärzten allein nicht zu leisten. Daher müssen die HFUs in den HF-NETs nicht-ärztliche Spezialisten beschäftigen, die für diese komplexen Aufgaben ausgebildet sind. In Deutschland gibt es eine Reihe verschiedener Fort- und Weiterbildungen die MFAs und medizinische Berufsgruppen für die spezifischen Anforderungen bei der Versorgung von Patienten mit HI qualifizieren, wie z. B. die spezialisierte Herzinsuffizienz Assistenz, Herzinsuffizienz-MFA oder Herzinsuffizienzpfleger.

Autor:
Stand:
11.04.2024
Quelle:
  1. Dr. med. Philipp Schlegel „Klinische Versorgungsstrukturen – Diagnostik und Therapieinitiierung“, 90. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Mannheim, 5. April 2024
  2. Prof. Dr. Christian Zugck „Ambulante Versorgung – Fortführung und Intensivierung der Therapie“, 90. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Mannheim, 5. April 2024
  3. Prof. Dr. Stefan Störk „Die Rolle der Heart Failure Nurse“ 90. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Mannheim, 5. April 2024
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