Das obstruktive Schlafapnoesyndrom (OSAS) ist durch wiederholte nächtliche Obstruktionen der oberen Atemwege gekennzeichnet. Die dabei entstehenden Hypoxiephasen, Weckreaktionen und Schwankungen des intrathorakalen Drucks führen zu einer Aktivierung des sympathischen Nervensystems mit einer konsekutiven Beeinträchtigung der Blutdruckregulation.
Obstruktives Schlafapnoesyndrom als kardiovaskulärer Risikofaktor
Diese Sympathikus-Aktivierung kann zur Entwicklung einer nächtlichen Hypertonie oder zum Verlust des physiologischen zirkadianen Blutdruckmusters führen. Beides gilt als unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse und sollte vermieden werden.
Die kontinuierliche Überdruckbeatmung (continuous positive airway pressure, CPAP) gilt als Standardtherapie zur Stabilisierung der oberen Atemwege bei symptomatischer obstruktiver Schlafapnoe. Auch bei Patienten mit gleichzeitiger arterieller Hypertonie ist die Therapie mit einer signifikanten Blutdrucksenkung assoziiert. Unklar war bislang, ob auch normotensive Patienten mit schwerem obstruktivem Schlafapnoesyndrom und einem physiologischen nächtlichen Blutdruckabfall von einer CPAP-Therapie im Sinne einer Blutdruckprävention profitieren. Dies untersuchte nun eine randomisierte Studie aus Spanien.
Der Einfluss der CPAP-Therapie auf den Blutdruck
Die randomisierte und kontrollierte Interventionsstudie untersuchte, ob eine dreimonatige CPAP-Therapie den Blutdruck normotensiver Patienten mit schwerem OSAS und Dipper-Blutdruckmuster stabilisieren kann. Eingeschlossen wurden Patienten ab 18 Jahren mit einem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) ≥30 (entsprechend einer schweren OSAS), einem mittleren 24-Stunden-Blutdruck <130/80 mmHg und einem nächtlichen Blutdruckabfall ≥10 %. Nach Randomisierung erhielten die Teilnehmer entweder eine CPAP-Therapie oder eine Standardversorgung (Schlafhygiene, Ernährungsberatung). Primärer Endpunkt war die Veränderung ambulanter 24-Stunden-Blutdruckparameter.
Nach Randomisierung wurden 33 Patienten der CPAP-Gruppe und 31 der Kontrollgruppe zugeteilt. Nach zwölf Wochen lagen vollständige Daten von 60 Patienten vor. Das Studienkollektiv war überwiegend männlich (66,7 %), im Mittel 52 Jahre alt und zeigte mit einem mittleren AHI von 44,6 Ereignissen pro Stunde eine schwere OSAS.
Protektive Effekte auf den Blutdruck zu erkennen
In der Intention-to-treat-Analyse, die alle randomisierten Patienten unabhängig von der tatsächlichen CPAP-Nutzung einschloss, zeigten sich nach drei Monaten in der CPAP-Gruppe keine signifikanten Veränderungen der 24-Stunden-Blutdruckparameter. In der Per-Protokoll-Analyse, die nur Patienten mit ausreichender Adhärenz berücksichtigte, kam es hingegen zu signifikanten Blutdrucksenkungen gegenüber der Kontrollgruppe. So sank der 24-Stunden-systolische Blutdruck unter Therapie im Mittel um 4 mmHg, der nächtliche systolische um 6 mmHg und der nächtliche diastolische Blutdruck um etwa 5 mmHg. Auch weitere Parameter wie der maximale nächtliche Blutdruck und die nächtliche Herzfrequenz waren in der CPAP-Gruppe niedriger ausgeprägt.
Neben der Blutdruckentwicklung konnte unter CPAP eine signifikante Reduktion der Tagesschläfrigkeit beobachtet werden. Anthropometrische Parameter, biochemische Marker und der Praxisblutdruck blieben unbeeinflusst.
Adhärenz als entscheidender Faktor
In der Analyse erwies sich eine kontinuierliche Therapieadhärenz als entscheidender Faktor. Die durchschnittliche Nutzungsdauer der CPAP-Therapie lag bei 5,7 Stunden pro Nacht und etwa drei Viertel der Patienten erreichten eine Adhärenz von mindestens vier Stunden pro Nacht. Bei diesen Patienten ließ sich eine signifikante Senkung des 24-Stunden- und Tagesblutdrucks beobachten, insbesondere des diastolischen Drucks. Im Gegensatz dazu kam es bei Patienten mit unzureichender Adhärenz (<4 h/Nacht) zu einem deutlichen Anstieg der nächtlichen Blutdruckwerte.
Insgesamt zeigten sich zwischen beiden Gruppen signifikante Unterschiede in mehreren Parametern, darunter der mittlere nächtliche systolische Blutdruck. Eine dosisabhängige Beziehung zwischen Nutzungsdauer und Blutdrucksenkung wurde vor allem für den nächtlichen systolischen Blutdruck sowie den diastolischen 24-Stunden-Blutdruck festgestellt.
CPAP auch als protektive Maßnahme bei normotensiven Patienten wertvoll
Die Ergebnisse dieser Studie sprechen für eine protektive Wirkung der CPAP-Therapie in einer bislang wenig beachteten Patientengruppe. Bei normotensiven Patienten mit schwerem OSAS und Dipper-Blutdruckprofil kann eine frühzeitige CPAP-Behandlung einen Anstieg des Blutdrucks verhindern, vorausgesetzt, die Therapie wird ausreichend und regelmäßig angewendet.
Diese Daten sollten bei der Indikationsstellung berücksichtigt werden, auch wenn weder eine klassische Hypertonie noch eine Tagesschläfrigkeit vorliegt. Weitere Studien mit größeren Kollektiven und längerer Nachbeobachtungsdauer sind notwendig, um den Einfluss auf klinische Endpunkte wie die Entstehung einer Hypertonie oder kardiovaskulärer Ereignisse zu evaluieren.
Die Studie ist bei ClinicalTrials.gov registriert unter NCT03948373.








