Herzinsuffizienz: Wem hilft adaptive Servoventilation?

Schlafbezogene Atmungsstörungen verschlechtern bei Herzinsuffizienz die Prognose. Die adaptive Servoventilation konnte in einer Studie insbesondere bei Patienten mit erhaltener linksventrikulärer Ejektionsfraktion und Hypoxie die Mortalität und Morbidität reduzieren.

cpap-therapie

Herzinsuffizienz ist ein heterogenes Krankheitsbild

Die Herzinsuffizienz ist eine heterogene Erkrankung mit unterschiedlichen Ätiologien, linksventrikulärer Funktion (reduzierter versus leicht reduzierter versus erhaltener linksventrikulärer Ejektionsfraktion) und Komorbiditäten.

Schlafbezogene Atmungsstörungen verschlechtern Prognose

Eine der Komorbiditäten bei Herzinsuffizienzpatienten sind schlafbezogene Atmungsstörungen. Diese sind mit einer schlechteren Prognose assoziiert. Bisher konnten randomisiert kontrollierte Studien keinen Benefit für eine Continuous positive aiway pressure (CPAP)-Therapie oder adaptive Servoventilation (ASV) bei Herzinsuffizienzpatienten zeigen.

FACE-Studie untersuchte ASV bei Herzinsuffizienz

Eine aktuelle Auswertung der prospektiven French Cohort Study of Chronic Heart Failure Patients with Central Sleep Apnea Eligible for Adaptive Servo-Ventilation (FACE)-Studie evaluierte die 2-Jahres-Effekte einer ASV-Behandlung auf die Morbidität und Mortalität einer großen Gruppe von Herzinsuffizienzpatienten mit schlafbezogenen Atmungsstörungen.

Auswertungsbasis war die Cluster-Einteilung der Patienten

Die 324 teilnehmenden Patienten wurden in die Gruppen ASV und Kontrollen eingeteilt. Die ASV-Gruppe nutzte das Gerät mehr als drei Stunden pro Nacht. Als Grundlage für die Analyse diente eine Dreimonatsauswertung der Studie, in der die Teilnehmer in Cluster eingeteilt wurden, die unterschiedliche Phänotypen aufwiesen: zentrale versus obstruktive Schlafapnoe, Hypoxie, erhaltene versus reduzierte linksventrikuläre Ejektionsfraktion, Komorbiditäten und Alter.

Der primäre Studienendpunkt war die Zeit bis zum Eintritt von Tod aller Ursachen, lebensrettende kardiovaskuläre Intervention oder ungeplante Hospitalisation aufgrund der Verschlechterung der Herzinsuffizienz.

Schwere Herzinsuffizienz zeigte schlechteste Prognose

Die Studienautoren demonstrierten, dass die Patienten mit den ausgeprägtesten Herzinsuffizienzschweregraden die schlechtesten Ergebnisse des ereignisfreien Überlebens hatten.

Die besten Ergebnisse in Bezug auf die ereignisfreien Endpunkte hatten die Patienten, die eher männlich und älter waren, sowie eine erhaltene oder leicht reduzierte linksventrikuläre Ejektionsfraktion aufwiesen. Ähnliche Ergebnisse ergaben sich für die Analyse der Mortalität oder Hospitalisation.

ASV vorteilhaft beim ereignisfreien 2-Jahres-Überleben

Bei der Evaluation der Wirksamkeit der ASV-Therapie zeigte sich, dass die ASV-Gruppe verglichen mit der Kontrollgruppe ein 1,67-fach höheres ereignisfreies 2-Jahres-Überleben hatte (p=0,01). Zudem wiesen die Patienten mit ASV-Therapie eine signifikante Reduktion der Mortalität und Hospitalisation verglichen mit den Kontrollen auf.

Wer profitierte von ASV-Therapie?

Die Studie zeigte, dass mehr als die Hälfte der Herzinsuffizienzpatienten von einer ASV-Therapie profitierte. Insbesondere bei Patienten, die männlich und älter waren, ein größeres Hypoxieleiden aufwiesen und eine erhaltene linksventrikuläre Ejektionsfraktion hatten, reduzierte die ASV-Therapie die Morbidität und Mortalität.

Häufig wiesen diese Patienten auch eine obstruktive Schlafapnoe auf. Jedoch konnte eine CPAP-Therapie bei ihnen nicht effizient die zentralen Apnoen reduzieren. Bei einer ASV-Nutzung von mehr als drei Stunden pro Nacht verbesserte sich hingegen ihre Prognose. Die Patienten, die von der ASV-Behandlung am meisten profitierten, zeigten zudem die höchsten Akzeptanzraten der Therapie (>90%).

Schwer Herzinsuffiziente profitierten kaum

Interessanterweise zeigte sich, dass insbesondere die Patienten mit hoher NYHA-Klasse, reduzierter linksventrikulärer Ejektionsfraktion und milder schlafbezogener Atmungsstörung keine verbesserte Prognose durch die ASV-Therapie hatten.

Bei wem ist ASV indiziert?

Die Studie zeigte die Wichtigkeit, die Patienten nach ihren Phänotypen zu selektieren, um sicher zu gehen, dass die ASV-Therapie den Patienten verschrieben wird, die am ehesten von der Behandlung profitieren.

Insbesondere bei Patienten mit einer schweren Hypoxie (also mit einer zentralen Schlafapnoe oder unkontrollierten obstruktiven Schlafapnoe) und einer erhaltenen Ejektionsfraktion konnte die ASV-Therapie kardiovaskuläre Ereignisse und die Mortalität signifikant reduzieren.

Die Studie ist unter der Nummer NCT01831128 bei ClinicalTrials.gov registriert.

Autor:
Stand:
11.09.2023
Quelle:

Tamisier et al. (2023):  FACE study: 2-year follow-up of adaptive servo-ventilation for sleep-disordered breathing in a chronic heart failure cohort. Sleep Medicine, DOI: https://doi.org/10.1016/j.sleep.2023.07.014

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