Kardiorespiratorische Fitness und kardiovaskuläre Risiken
Die kardiorespiratorische Fitness (cardiorespiratory fitness [CRF]) repräsentiert die Kapazität des kardiovaskulären und respiratorischen Systems, Sauerstoff in die Skelettmuskulatur und die Organe zu transportieren. Die CRF wird über die Messung des maximalen Sauerstoffverbrauchs (VO2max) bestimmt. Mit zunehmendem Alter kommt es zu einer beschleunigten Abnahme der CRF, der man mit regelmäßiger, ausreichend intensiver, aerober physischer Aktivität (PA) entgegenwirken kann.
Verschiedene Studien zeigten, dass die CRF u.a. unabhängig mit kardiovaskulären Erkrankungen (cardiovascular disease [CVD]), CV-bedingten Todesfällen und der Gesamtmortalität korreliert. Wenige Studien haben bisher die langfristigen Effekte einer Veränderung der CRF untersucht. Schwedische Wissenschaftler um Frida Griffin von der Universität Göteborg haben eine longitudinale Studie mit einer großen Kohorte durchgeführt, deren CRF wiederholt gemessen worden war, um festzustellen, welche Assoziationen zwischen der intraindividuellen Änderung der CRF und Hospitalisierungen aufgrund von CVD oder Gesamthospitalisierungen bestehen und ob diese Assoziationen abhängig von früheren Einweisungen, Baseline CRF, Geschlecht und Alter variieren.
Daten aus arbeitsmedizinischen Untersuchungen
Die Forscher nutzten das Register des schwedischen Health Profile Assessment (HPA). In die Studie flossen die Daten von insgesamt 91.140 Erwachsenen (41,5% Frauen) ein, die sich zwei Untersuchungen zur arbeitsmedizinischen Beurteilung ihres Gesundheitszustandes zwischen 1986 und 2019 unterzogen hatten. Der Abstand zwischen den beiden Untersuchungen betrug im Mittel 3,2 Jahre. Zur Feststellung von Hospitalisierungen wurden die Studienteilnehmer im Mittel über sieben Jahre nachverfolgt [1].
Einteilung in Decliner, Maintainer und Increaser
Die CRF wurde über den maximalen Sauerstoffverbrauch bei einem submaximalen Fahrradergometertest geschätzt. Die Änderung der CRF wurde als jährliche Änderung der relativen CRF (ml/min/kg) in Prozent definiert. Die Patienten wurden entsprechend ihrer CRF-Änderungen bei einem abnehmenden CRF (≤1%) als „Decliner“, bei CRF-Erhalt (-1% bis 1%) als „Maintainer“ und bei CRF-Steigerung (>1%) als „Increaser“ bezeichnet.
Zusätzlich zur Berechnung der Hospitalisierungsrisiken bei den Studienteilnehmern führten die Wissenschaftler auch Hochrechnungen unter Berücksichtigung von Störfaktoren wie Rauchen, Stress oder Ernährung dazu durch, wie sich eine Steigerung der CRF auf das Hospitalisierungsrisiko (CVD und allgemein) auf die Gesamtbevölkerung auswirken würde.
Steigerung der CRF reduziert Hospitalisierungen
Verglichen mit einer Abnahme der CRF war der Erhalt der CRF mit einem um 9% geringen Risiko einer Hospitalisierung aufgrund einer CVD assoziiert. Das Risiko einer Hospitalisierung allgemein war um 7% reduziert. Wenn die CRF beim zweiten Untersuchungstermin größer als initial war, nahm das Risiko einer CVD-Hospitalisierung um 13% und das einer Hospitalisierung allgemein um 11% ab. Am meisten profitierten Menschen, die zuvor hospitalisiert worden waren, von einer Steigerung ihrer CRF. Sie konnten ihr Risiko einer erneuten Hospitalisierung während des Follow-ups aufgrund einer CVD um 20% und einer Hospitalisierung allgemein um 14% verringern.
Die Hochrechnung der Studienergebnisse auf die schwedische Gesamtbevölkerung ergab, dass eine Steigerung der CRF etwa 5% der Hospitalisierungen aufgrund CVDs vorbeugen könnte, selbst der bloße Erhalt der CRF mit zunehmendem Alter könnte noch 1% der CVD-Hospitalisierungen vermeiden. Ähnliches galt für Hospitalisierungen allgemein. In konkreten Zahlen bedeutet das, dass in Schweden etwa 10.800 CVD-Hospitalisierungen und etwa 61.100 Hospitalisierungen allgemein durch eine steigende CRF vermieden werden könnten.
CRF sollte in Prävention einbezogen werden
Die Studie zeigt, dass der Erhalt oder die Verbesserung der CRF das Risiko von Hospitalisierungen deutlich verringern kann. Die Autoren sind der Ansicht, dass die Prävention der altersassoziierten Abnahme der CRF das Gesundheitswesen entlasten und die Gesundheitskosten senken kann und dass CRF-Messungen und Maßnahmen zur Verbesserung der CRF daher in die Krankheitspräventionsstrategien, unabhängig von anderen Lebensstilrisikofaktoren, einbezogen werden sollten.
In ihrem Editorial zur vorliegenden Studie zeigten sich Dr. Susana Sans Menéndez und Prof. Dr. Joan Bosch aus Barcelona beeindruckt vom Umfang der Daten und der neuen Evidenzen zu den Effekten einer verbesserten CRF auf die Hospitalisierungsraten. Sie empfehlen jedoch weitere Studien, um diese Ergebnisse zu replizieren [2].
Die Studie wurde von der Swedish Heart–Lung Foundation und der Regional ALF Founding gesponsort.








