Kardiovaskuläre Erkrankungen (CVDs) stellen weltweit die Hauptursache für Morbidität beziehungsweise Mortalität dar und führen zu erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Kosten. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, die Gesamtlast der Krankheit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu bestimmen, um wirksame und zielgerichtete Präventionsstrategien entwickeln zu können.
Die vorliegende Studie – veröffentlicht in BMC Medicine - konzentrierte sich darauf, die Inzidenz, Prävalenz und Mortalitätsrate von CVDs und die damit verbundenen Risikofaktoren bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis 39 Jahren abzuschätzen. Darüber hinaus sollten die behinderungskorrigierten Lebensjahre (disability-adjusted life years, DALYs) ermittelt werden, die ein Maß für die verlorenen gesunden Lebensjahre sind und sich aus der Summe der Anzahl verlorener Jahre aufgrund von vorzeitigem Tod und der mit Behinderung gelebten Jahre bis zur Genesung oder zum Tod bilden.
Hintergrund
Laut den Daten der Global Burden of Disease Study (GBD) ist die Gesamtzahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen und DALYs zwischen 1990 und 2019 weltweit deutlich gestiegen. CVDs betreffen dabei sowohl Länder mit hohem als auch mit mittlerem und niedrigem Bruttonationaleinkommen. In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen fehlen jedoch angemessene Ressourcen zur Gesundheitsversorgung, um die Krankheitslast zu bewältigen.
Obwohl Herz-Kreislauf-Erkrankungen meist im mittleren und höheren Erwachsenenalter auftreten, ist in den letzten Jahrzehnten eine steigende Prävalenz in jüngeren Altersgruppen zu beobachten. Aktuelle Studien zeigen zudem, dass Jugendliche mit CVDs einen erheblichen Anteil der Sterblichkeitslast ausmachen.
Insbesondere wurde eine erhöhte Prävalenz von rheumatischen Herzerkrankungen und Arteriosklerose bei Personen im Alter zwischen 20 und 29 Jahren festgestellt. Darüber hinaus stiegen die mit der alkoholischen Kardiomyopathie verbundenen DALYs ab dem 25. Lebensjahr rapide an.
Studie und Zielgruppe
Basierend auf den Daten der GBD-Studie von 2019 wurden die epidemiologischen Trends der altersstandardisierten Inzidenz, Prävalenz, Mortalitätsrate und der mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbundenen DALYs bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 39 Jahren untersucht.
Die Analyse umfasste 204 Länder und Gebiete auf globaler, regionaler und nationaler Ebene für den Zeitraum von 1990 bis 2019. Die Inzidenz von CVDs bei Jugendlichen wurde unter Berücksichtigung des SDI, des Alters, des Geschlechts, der Region und des Landes geschätzt.
Rückgang der Mortalität, steigende Prävalenz
Die altersstandardisierten DALYs und die Mortalitätsrate für CVDs nahmen im Studienzeitraum ab. Im Gegensatz dazu wurde jedoch eine Zunahme der Prävalenz und Inzidenz von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Zielgruppe weltweit festgestellt.
Die höchste Prävalenzrate wurde in Ländern mit niedrigem sowie niedrig bis mittlerem SDI ermittelt. Die Gesamtbelastung der CVDs nahm vor allem in Ländern mit einem hohen und hohen bis mittleren SDI rapide zu.
Im Hinblick auf spezifische kardiovaskuläre Erkrankungen wurde ein Anstieg der Prävalenz- und Inzidenzraten von rheumatischer und koronarer Herzkrankheit und Endokarditis beobachtet.
Frauen wiesen eine höhere Prävalenzrate für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf als Männer, während diese eine höhere DALY- und Mortalitätsrate verzeichneten. Zudem identifizierte die Studie hohen systolischen Blutdruck, erhöhte Cholesterinspiegel und einen hohen Body-Mass-Index als die drei wichtigsten Faktoren für DALYs aufgrund von CVDs.
Bedeutung der Studie und Ausblick
Angesichts der Studienergebnisse besteht ein Bedarf an zielgerichteten Strategien und Maßnahmen zur Prävention und Behandlung von CVDs bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Die Autoren betonen daher, dass öffentliche Gesundheitsansätze wie die Implementierung digitaler klinischer Entscheidungshilfen, schulische Gesundheitsförderungsprogramme, die Förderung besserer Gesundheitsdienste durch interprofessionelle Zusammenarbeit und die Entwicklung bezahlbarer Rehabilitationseinrichtungen dazu beitragen könnten, die Belastung von CVDs erheblich zu verringern.








