Präeklampsie und Koronareplaques: Neue Erkenntnisse aus quantitativer CCTA

Präeklampsie erhöht langfristig das kardiovaskuläre Risiko. Eine neue Analyse quantitativer CCTA-Daten liefert nun detaillierte Einblicke in Plaquezusammensetzung und mögliche Mechanismen.

Präeklampsie

Präeklampsie als geschlechtsspezifischer Risikofaktor für koronare Erkrankungen

Kardiovaskuläre Erkrankungen stellen eine führende Todesursache bei Frauen dar. Neben klassischen Risikofaktoren rücken zunehmend geschlechtsspezifische Determinanten in den Fokus – darunter hypertensive Schwangerschaftserkrankungen. Die Präeklampsie betrifft weltweit 2–5 % aller Schwangerschaften und ist nicht nur in der Akutsituation relevant: Sie geht mit einem mindestens zweifach erhöhten Risiko für spätere koronare Ereignisse einher.

Mehrere Kohortenstudien belegen einen früheren und ausgeprägteren Beginn koronarer Atherosklerose bei betroffenen Frauen. Trotz dieser Datenbasis blieb bislang unklar, welche Plaquecharakteristika mit diesem erhöhten Risiko verknüpft sind. Vor allem die Zusammensetzung nicht-verkalkter Plaques – häufig als vulnerabler eingestuft – wurde bisher selten systematisch untersucht.

Warum die Plaquezusammensetzung im Fokus steht

Nicht-verkalkte Plaques gelten als potenziell instabil und sind mit einem erhöhten Risiko für akute koronare Ereignisse assoziiert. Frühere Analysen nutzten überwiegend visuelle Koronar-CT-Angiographie (CCTA)-Bewertungen, welche die tatsächliche Plaquezusammensetzung nur begrenzt abbilden. Eine detaillierte quantitative Auswertung könnte jedoch helfen, die Mechanismen der erhöhten kardiovaskulären Gefährdung nach Präeklampsie besser zu verstehen.

Eine neue Studie von Mayra LL de Jonge et al., erschienen im European Journal of Preventive Cardiology, behandelt diese offene Frage, indem sie Frauen mit Präeklampsie-Anamnese mittels standardisierter quantitativer CCTA-Analyse mit Frauen ohne Präeklampsie vergleicht.

Studiendesign und Methodik: Quantitative Plaqueanalyse mittels CCTA

In dieser Querschnittsstudie wurden 138 Frauen mit Präeklampsie-Anamnese des CREw-IMAGO-Kollektivs mit 390 parösen Frauen ohne Präeklampsie aus der SCAPIS-Studie verglichen. Alle Teilnehmerinnen waren im mittleren Lebensalter (45–55 Jahre) und klinisch asymptomatisch.

Die Analyse umfasste die Erfassung sämtlicher koronarer Plaques mittels CCTA und deren halbautomatisierte volumetrische Quantifizierung. Anschließend wurde die Plaquestruktur detailliert nach ihren Komponenten – fibrös, fibrofettig, nekrotischer Kern und kalzifiziert – differenziert. Die statistische Auswertung erfolgte unter multivariabler Adjustierung für zentrale kardiovaskuläre Risikofaktoren. Frauen mit einem vorausgegangenen Myokardinfarkt wurden ausgeschlossen, sodass der Schwerpunkt auf der Untersuchung subklinischer Atherosklerose lag.

Ergebnisse: Höhere Prävalenz und größere Volumina nicht-verkalkter Plaques

Die Analyse zeigt ein konsistentes Muster:

Erhöhte Plaqueprävalenz:

  • 50 % der Frauen mit Präeklampsie-Anamnese hatten koronare Plaques.
  • In der Kontrollgruppe waren es lediglich 22 %.
  • Das adjustierte relative Risiko betrug 2,18.

Größere Volumina vulnerabler Plaques:

Unter den Frauen mit nachweisbarer Atherosklerose zeigten sich deutliche Unterschiede in der Plaquezusammensetzung:

  • Nicht-verkalkte Plaquevolumina waren signifikant höher, unabhängig von Alter, BMI, Dyslipidämie oder Rauchhistorie.
  • Die Unterschiede wurden primär durch fibröse und fibrofettige Plaques getragen.
  • Kalzifizierte Plaques oder der nekrotische Kern unterschieden sich dagegen nicht relevant zwischen den Gruppen.

Diese Befunde blieben auch in Sensitivitätsanalysen stabil, etwa bei Beschränkung auf hypertensive Frauen.

Einordnung der Ergebnisse im Kontext aktueller Daten

Die Ergebnisse ergänzen bisherige Arbeiten, die zwar eine erhöhte Plaqueprävalenz, jedoch keine detaillierte Differenzierung der Plaquezusammensetzung lieferten. Die Studie zeigt erstmals quantitativ, dass Frauen nach Präeklampsie nicht nur häufiger, sondern auch strukturell andersartige Plaques aufweisen. Dies unterstützt die Hypothese einer durch die Präeklampsie getriggerten, anhaltenden vaskulären Dysfunktion.

Die ausgeprägten nicht-verkalkten Komponenten könnten einen mechanistischen Beitrag zum erhöhten Risiko für spätere koronare Ereignisse liefern – unabhängig von klassischen Risikofaktoren.

Klinische Bedeutung und Ausblick

Die Studie macht deutlich, dass eine Präeklampsie-Anamnese konsequent als kardiovaskulärer Risikofaktor berücksichtigt werden sollte. Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass Frauen mit früher Präeklampsie besonders von gezielten Screeningstrategien zur verbesserten Risikostratifizierung profitieren könnten. Darüber hinaus besteht Forschungsbedarf hinsichtlich der Frage, ob spezifische Biomarker wie GDF-15 oder bestimmte therapeutische Interventionen die Vulnerabilität nicht-verkalkter Plaques beeinflussen und damit das langfristige kardiovaskuläre Risiko modifizieren können.

Fazit

Die quantitativen CCTA-Daten zeigen, dass Frauen nach Präeklampsie häufiger nicht-verkalkte und damit potenziell vulnerablere Koronarplaques aufweisen. Diese Erkenntnisse erweitern das Verständnis der pathophysiologischen Langzeitfolgen und betonen die Bedeutung einer geschlechtsspezifischen kardiovaskulären Prävention. Weitere Forschung sollte untersuchen, ob eine frühere Identifikation und Behandlung tatsächlich zu besseren klinischen Outcomes führt.

Autor:
Stand:
26.01.2026
Quelle:
  1. de Jonge, M. L. L. et al. (2025). Quantitative coronary CT analysis reveals non-calcified atherosclerotic plaques in women with a history of pre-eclampsia. European Journal of Preventive Cardiology. DOI: 10.1093/eurjpc/zwaf713


Dieser Artikel wurde unter Zuhilfenahme Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und anschließend redaktionell geprüft und freigegeben. Zur Gewährleistung inhaltlicher Richtigkeit und Aktualität wurden die angegebenen Quellen berücksichtigt. 

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