Das Raynaud-Phänomen tritt mit 95% bei einem Großteil der Patienten mit systemischer Sklerose auf. Es zeichnet sich durch vasospastische Episoden mit einem symmetrischen Erblassen der Finger und Zehen aus, welche häufig von Schmerzen und irreversiblen Gewebeschädigungen begleitet werden. Die Episoden können neben emotionalem Stress insbesondere von Kälte getriggert werden.
Einige kleine Studien zeigten bereits eine Assoziation zwischen saisonalen Veränderungen und der Ausprägung des Raynaud-Phänomens. In einer 2024 publizierten Studie wurde der Zusammenhang zwischen Temperaturveränderungen und dem Schweregrad des sekundären Raynaud-Phänomens bei Patienten mit systemischer Sklerose an einer großen internationalen Kohorte untersucht.
Beobachtungsstudie auf Basis der SPIN-Kohorte
Die Studienteilnehmer stammten aus der Scleroderma Patient-centered Intervention Network (SPIN-) Kohorte. Diese besteht aus erwachsenen Patienten aus dem englisch-, spanisch- und französischsprachigen Raum, die anhand der Kriterien der American College of Rheumatology - European Alliance of Associations for Rheumatology mit systemischer Sklerose diagnostiziert wurden und deren Krankheitsverlauf über längere Zeiträume beobachtet wird.
Die Studie von Virgili-Gervais et al. fand im Zeitraum April 2014 bis August 2023 an 44 Zentren statt. Aufgenommen wurden SPIN-Kohorten-Patienten mit Raynaud-Phänomen, wobei folgende diagnostische Kriterien erfüllt sein mussten: Blässe und Zyanose an einem oder mehreren Fingern und Zehen oder reaktive Hyperämie bei Kälte oder emotionalem Stress.
Zu Studienbeginn und in dreimonatigen Intervallen dokumentierten die Patienten ihre Symptomlast in der vorangegangenen Woche anhand einer numerischen Bewertungsskala von null bis zehn. Die mittleren täglichen Außentemperaturen sowie gefühlte Außentemperaturen in der Woche vor Symptom-Bewertung wurden erhoben. Dazu wurden Daten aus Wetterplattformen in der Nähe des jeweiligen Rekrutierungszentrums des Patienten verwendet.
Anschließend wurden mit Hilfe linearer gemischter Modelle erwartete Raynaud-Phänomen-Schweregrad-Werte unter verschiedenen Temperaturbedingungen berechnet.
Kälte und Hitze führen zur Symptom-Zunahme
Es wurden 2.243 Patienten in die Studie aufgenommen, von denen 88% weiblich waren. Das mittlere Alter lag bei 54 Jahren. Die durchschnittliche Zeit seit Erstdiagnose des Raynaud-Phänomens lag bei 14,5 Jahren. Insgesamt wurden 20.233 Symptom-Bewertungen erfasst bei einer mittleren Anzahl an Bewertungen pro Person von neun. Daten zur Außentemperatur lagen bei 94,2% vor.
Der höchste ermittelte erwartete Raynaud-Phänomen-Schweregrad-Wert lag bei 6,8 Punkten (95%-Konfidenzintervall [KI] 5,6 - 8,1) und trat bei einer Außentemperatur von -25°C auf. Geringe Abnahmen von 0,05 bis 0,21 Punkten pro 5°C Temperaturveränderung wurden bei Temperaturen zwischen -15°C und 5°C beobachtet. Zwischen 5°C und 25°C nahm der Schweregrad in größeren Schritten von 0,37 bis 0,54 pro 5°C Temperaturveränderung ab.
Der minimale erwartete Raynaud-Phänomen-Schweregrad-Wert lag bei einer Außentemperatur von 25°C vor und belief sich auf 2,6 (95%-KI 2,5 - 2,7). Bei höheren Außentemperaturen kam es erneut zum Anstieg des Schweregrad-Scores. Bei 35°C betrug die Punktzahl 3,5, während sie bei 40°C bei 5,6 lag.
Analysen der Schweregrad-Werte bei gefühlter Außentemperatur ergaben keine wesentlichen Trend-Unterschiede.
Hinweise für zukünftige Studien
Die Zunahme der Symptome bei hohen Außentemperaturen könnte laut Autoren mit der ausgeprägten Anwendung von Klimaanlagen und den damit verbundenen Temperaturschwankungen zusammenhängen.
Die Autoren verweisen allerdings auf einige Studienlimitationen. Beispielsweise konnten bei der Temperaturerfassung mögliche Reisen der Patienten und damit Außentemperaturen, die von den durch Wetterstationen nahe der Rekrutierungszentren erfassten Temperaturen abwichen, nicht berücksichtigt werden. Weiterhin handelte es sich um subjektive Symptom-Bewertungen durch die Patienten. Zur besseren Objektivierung verweisen die Autoren auf die Möglichkeit der Anwendung von Kapillaroskopien oder Laser-Speckel-Kontrastanalysen in zukünftigen Studien.
Temperaturmuster sollten bei Therapien berücksichtigt werden
Die Studienergebnisse zeigen, dass sowohl Kälte als auch hohe Temperaturen zu einer Zunahme der Symptome des Raynaud-Phänomens führen. Diese Erkenntnisse sollten, so die Autoren, sowohl in der Therapie des Raynaud-Phänomens als auch bei der Planung klinischer Studien zur Evaluierung möglicher Interventionen berücksichtigt werden. In diesem Rahmen könnten realitätsnähere Studienbedingungen geschaffen werden.









