Sarkopenie bei Herzinsuffizienz
Eine chronische Herzinsuffizienz (chronic heart failure [CHF]) geht häufig mit einer Sarkopenie einher. Die Sarkopenie ist gekennzeichnet durch eine pathologische Atrophie der Skelettmuskulatur und eine zunehmende Muskelschwäche. Die Abnahme der Muskulatur ist dabei mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse und Gesamtmortalität verbunden.
Prädiktoren der CHF gesucht
Wenn das Auftreten und die Prognose einer CHF im Einzelfall vorausgesagt werden könnten, wäre es eventuell möglich die Progression der Erkrankung zu verlangsamen. Eine Arbeitsgruppe um Professor Qiming Dai vom Zhongda Hospital, Southeast University Nanjing untersuchte in einer Studie, ob die Muskelmasse bzw. die Sarkopenie von Patienten mit CHF solch ein Prädiktor sein könnte. Konkretes Ziel der Studie war, herauszufinden, ob die Muskelmasse des langen Rückenstrecker (erector spinae muscle [ESM]) mit dem Auftreten einer CHF und deren Schwere assoziiert ist [1].
Kardiologie-Patienten ohne und mit CHF
Die Forscher rekrutierten 652 Patienten der Kardiologie des Hospitals der Yangzhou Universität. Von diesen kardiologischen Patienten waren 384 an einer CHF erkrankt; bei 256 davon handelte es sich um eine Herzinsuffizienz (HF) mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF / linksventrikuläre Ejektionsfraktion [LVEF] ≥50%) und 68 Teilnehmern wiesen eine reduzierte Ejektionsfraktion auf (HFrEF / LVEF≤40%). Die Kontrollgruppe umfasste 268 kardiologische Patienten ohne CHF. Alle Patienten durchliefen ein umfangreiches kardiologisches Untersuchungsprogramm. Darüber hinaus wurden weitere klassische Risikofaktoren und Prädiktoren, wie z. B. Rauchverhalten und Komorbiditäten zur Bereinigung der Ergebnisse erhoben.
Da es bislang keine etablierte Methode der Muskelmessung gab, bzw. die Fehleranfälligkeit verschiedener Methoden der Muskelmessung hoch war, entwickelte die Gruppe ihre eigene Methode und entschied sich für die Vermessung des ESM auf Höhe des 12. Brustwirbels. Die Muskelmasse wurde mittels Computertomographie ermittelt. Hierzu wurde auf einem CT-Bild in Höhe des 12. Brustwirbels die Querschnittsflächen der beiden Stränge des ESM ausgemessen und addiert. Für die Ermittlung eines Werts für die relative Muskelmasse im Einzelfall wurde die Summe der gemessenen Muskelflächen ins Verhältnis zur Körperoberfläche des Patienten gesetzt.
Signifikant schwächere Muskulatur bei HFrEF
Gegenüber der Kontrollgruppe wies der ESM von CHF-Patienten signifikant weniger Muskelmasse auf (Odds Ratio [OR] 0,713; 95%-KI 0,626 bis 0,811; p<0,001). CHF-Patienten mit HFrEF hatten signifikant weniger Muskelmasse als Patienten mit HFpEF (OR 0,514; 95%-KI 0,418 bis 0,633; p<0,05). Die Receiver Operating Curve (ROC) zur Bestimmung von Sensitivität und Spezifität erbrachte eine Sensitivität von 65,6% und Spezifität von 71,6% für die Diagnose CHF und war zu 47,1% sensitiv und 89,1% spezifisch hinsichtlich der Schwere der Erkrankung.
Stärke des ESM als Prädiktor
Die Autoren weisen der Masse des ESM einen hohen unabhängigen prädiktiven Wert für das Auftreten und die Schwere eines CHFs zu. Allerdings wurde der prädiktive Wert der ESM-Masse nicht direkt mit anderen Prädiktoren der Herzinsuffizienz verglichen. Basierend auf ihre Ergebnisse glauben die Autoren, dass ein entsprechendes ESM-Screening bei Patienten mit CHF in einem frühen Stadium dabei helfen kann, die Risiken der Erkrankung zu stratifizieren und das individuelle Management und damit auch die Prognose der CHF zu verbessern. Sie spekulieren beispielsweise, ob die kardiale Funktion über einen Aufbau des ESM, z. B. über Training, Ernährung und Medikamente, verbessert werden könnte und planen dieser Frage in zukünftigen Studien nachzugehen.
Die Studie wurde von der National Natural Science Foundation of China gesponsort.









