Menschen, die an Multipler Sklerose (MS) leiden, können durch regelmäßige Bewegung und Sport eine verbesserte Lebensqualität erlangen. Doch ob Bewegung auch tatsächlich die Krankheitsaktivität und den Krankheitsverlauf beeinflusst, war bislang nicht eindeutig geklärt. In einer aktuellen Studie wurde systematisch untersucht, ob Bewegungsinterventionen bei MS-Patienten den Krankheitsverlauf (z.B. EDSS, Rückfallrate, Läsionslast, Hirnvolumen, MSFC) beeinflussen können und wie die körperliche Aktivität und Fitnesslevel mit diesen Maßnahmen interagieren.
Im Rahmen der Studie wurden 43 wissenschaftliche Artikel ausgewertet, die sich mit Bewegungsinterventionen bei MS beschäftigten. Die Qualität der Evidenz wurde dabei anhand der Standards der American Academy of Neurology bewertet.
Verbesserung des MSFC-Scores, kein eindeutiger Effekt auf EDSS
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Bewegung wahrscheinlich den MSFC-Score verbessert, während der EDSS-Score, die Läsionslast und das Hirnvolumen während der Interventionszeit unverändert bleiben. Möglicherweise kann Bewegung die Rückfallrate reduzieren. Es ist jedoch zu beachten, dass die Qualität der Beweise für die Auswirkungen von körperlicher Aktivität und Fitness auf klinische Maßnahmen nicht sehr hoch ist.
Niedrige Evidenzqualität der vorhandenen Studien
Die Autoren betonen, dass der Beweis für einen (unterstützenden) krankheitsmodifizierenden Effekt von Bewegung bei MS noch nicht ausreichend ist. Die relativ niedrige Qualität der Beweise in den bestehenden randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) unterstreicht die Notwendigkeit, mehr gut konzipierte Studien durchzuführen, die verschiedene Maßnahmen zur Erfassung der Krankheitsaktivität oder des Krankheitsverlaufs als primäre Endpunkte untersuchen.
Eine weitere Einschränkung der Studie ist die kurze Interventionsdauer in den bestehenden Studien, die sinnvolle Bewegungseffekte auf die meisten Behinderungsmaße begrenzt. Die Ergebnisse von Querschnittsstudien sind aufgrund ihres ausschließlich assoziativen Charakters und der niedrigen Evidenzqualität schwer einzuordnen.
Fazit
Zusammenfassend zeigt die Studie, dass Bewegung bei MS-Patient:innen eine positive Wirkung auf den MSFC-Score haben kann, während es keinen eindeutigen Effekt auf den EDSS-Score, die Läsionslast und das Hirnvolumen gibt. Die Beweise für eine unterstützende Wirkung von Bewegung auf die Krankheitsaktivität und den Krankheitsverlauf bei MS sind jedoch begrenzt. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, weitere Studien durchzuführen, um die Wirkung von Bewegung bei MS genauer zu untersuchen und die Evidenz zu stärken.








