Einteilung der Synkopen
Synkopen werden nach ihrer Ursache in kardiale (primäre Arrhythmien oder Koronarobstruktionen) und Reflexsynkopen (vasovagale oder autonome Synkopen) unterteilt. An der Entstehung der Reflexsynkopen sind Mechanismen des autonomen Nervensystems beteiligt. Man unterscheidet bei der Reflexsynkope einen bradykarden und einen hypotonen Phänotyp.
Reflexsynkopen kommen in der Allgemeinbevölkerung häufig vor. Sie sind mit einem hohen Rezidiv- und Verletzungsrisiko verbunden. Die Unberechenbarkeit des Auftretens der Reflexsynkopen löst bei den Betroffenen ein Unsicherheitsgefühl, Ängste und Vermeidungsverhalten aus. Die Lebensqualität ist hierdurch eingeschränkt.
Diagnostische Herausforderung
Die Behandlung der Reflexsynkope besteht in der Vorbeugung dieses Ereignisses. Die Identifikation des für die Synkope verantwortlichen hämodynamischen Mechanismus ist die Voraussetzung für eine effektive und personalisierte Behandlung. Die derzeit üblichen diagnostischen Herangehensweisen sind heterogen. Die Verfügbarkeit oder der hohe finanzielle oder zeitliche Aufwand für verschiedene Tests können die Diagnostik limitieren.
Wissenschaftler um die Kardiologin Antonella Groppelli vom San Luca Hospital in Mailand haben eine Studie durchgeführt, die zeigen sollte, ob ein neues Zwei-Stufen-Protokoll als vereinfachter, kosteneffizienter diagnostischen Ansatz zur Identifikation des Phänotyps der Reflexsynkopen geeignet ist. Das Zwei-Stufen-Protokoll kombiniert ein ambulantes 24-Stunden-Blutdruckmonitoring und ein Short Cardiovascular Autonomic Function Assessment (SCAFA). Das SCAFA umfasst einen passiven Stehtest und eine beschleunigte Kipptischuntersuchung sowie bei Patienten im Alter von 40 Jahren oder älter einen Karotisdruckversuch. Die Studie wurde im European Heart Journal veröffentlicht.
Primäre und sekundäre Endpunkte
Die prospektive, multizentrische Studie schloss 333 Patienten (102 im Alter unter 40 Jahren; 231 im Alter von 40 Jahren und darüber) mit schweren oder rezidivierenden autonomen Synkopen ein. Die Teilnehmer durchliefen ein 24-Stunden-Blutdruckmonitoring zur Identifikation von persistierender Hypotonie oder episodischen Blutdruckabfällen sowie die Untersuchungen im Rahmen der SCAFA. Der primäre Endpunkt der Studie war die diagnostische Effektivität des Zwei-Stufen-Protokolls bei der Identifizierung der Synkopen-Phänotypen. Zu den sekundären Endpunkten gehörten die diagnostische Effektivität des Blutdruckmonitorings und der SCAFA-Komponenten, die proportionalen Anteile der ätiologischen Diagnosen bzw. der Phänotypen in der Studienpopulation und der Gesamtzeitaufwand für die SCAFA-Untersuchungen.
Identifikation der Phänotypen
Mithilfe des Zwei-Stufen-Protokolls konnten die Wissenschaftler in 89 % der Fälle die Phänotypen der Synkopen identifizieren. In 68 % der Fälle handelte es sich um hypotone, bei 6 % um bradykarde und bei 15 % um gemischte Phänotypen.
Alter und Geschlecht hatten einen signifikanten Effekt auf ein positives Ergebnis beim Karotisdruckversuch. Darüber hinaus zeigte die Studie, dass 11 % der bradykarden Phänotypen eine Neigung zur Hypotonie hatten. Die SCAFA dauerte im Durchschnitt 25 Minuten und wurde als zeiteffizient eingestuft.
Bewertung des Zwei-Stufen-Protokolls
Das Zwei-Stufen-Protokoll integriert zwei bereits etablierte Methoden der Diagnostik bei Reflexsynkopen in ein kohärentes System. Nach Ansicht der Autoren kann dieses System im Vergleich zu isolierten Untersuchungen bessere diagnostische Ergebnisse mit geringerem Aufwand erzielen. Es ist für die breite Anwendung geeignet und unterstützt eine zielgerichtete Therapie der verschiedenen Phänotypen.
Die positive Bewertung des Zwei-Stufen-Protokolls wird einem Editorial von Prof. Dr. Peter Mitro an der Pavol Jozef Šafárik University in Košice im European Heart Journal prinzipiell unterstützt, weitere Studien seien jedoch erforderlich.









