Kriterien für Lungenkrebsscreening vereinfachen

In Deutschland ist das Lungenkrebsscreening gerade erst angelaufen, da kommt aus den USA ein Vorschlag für die Änderung der Rauch-Kriterien, um mehr Menschen mit hohem Risiko zu erfassen und gleichzeitig den Einschluss ins Screening zu vereinfachen.

Lungenkrebs Screening

Die Jahre mit Rauchen sind im Vergleich zu der Zahl der Packungsjahre ein vereinfachter und dabei sensitiver Ansatz, um Patienten mit hohem Risiko für ein Lungenkarzinom für das Screening zu identifizieren, erklärte Professor Dr. Brendan T. Heiden von der chirurgischen Abteilung der Washington University School of Medicine in St. Louis anlässlich der ASCO-Jahrestagung 2026. Aktuell gilt in Deutschland, dass Patienten am Lungenkrebsscreening teilnehmen können, wenn sie zwischen 50 und 75 Jahren alt sind, mindestens 25 Jahre ohne lange Unterbrechung geraucht haben und einen Zigarettenkonsum von mindestens 15 sogenannten „Packungsjahren“ (Zahl der pro Tag gerauchten Zigarettenpackungen multipliziert mit der Zahl der Raucherjahre) aufweisen. In den USA können nach den Empfehlungen von 2021 Patienten im Alter von 50 bis 80 Jahren teilnehmen, wenn sie über 20 Packungsjahre geraucht haben und aktuell rauchen oder innerhalb der letzten 15 Jahre aufgehört haben zu rauchen.

Screeningkriterien und Folgen

Die täglich gerauchten Zigaretten über die bisherige Lebensspanne werden von den Befragten oft nicht genau erinnert und die Rauchintensität kann schwanken. Außerdem sind mit den bisherigen Kriterien Menschen schwarzer Hautfarbe und Frauen im Screening unterrepräsentiert, berichtete Heiden. Deshalb genügt es nicht, nur die Teilnahme der derzeit Berechtigten am Screening zu erhöhen, um häufiger Lungenkrebs in frühen Stadien zu diagnostizieren. Die Kriterien müssen auch auf Hochrisikopersonen angewendet werden, die bisher nicht erfasst werden, ist er überzeugt. Aktuell wird ein Lungenkrebs in den USA am häufigsten bei Personen entdeckt, die nicht den Screeningkriterien entsprechen.

Vergleich verschiedener Kriterien in Veteranendatenbank

In einer Kohorte von 980.399 US-Veteranen im Alter von 50 bis 80 Jahren überprüfte die von ihm vorgestellte Studie, ob das Kriterium der Rauchdauer ≥ 20 Jahre vergleichbar gut Personen mit erhöhtem Lungenkrebsrisiko identifizieren kann wie die Packungsjahre gemäß der US-Kriterien von 2021. Die zugrunde liegenden Daten waren prospektiv erhoben worden. Endpunkt war die 5-Jahres-Inzidenz von Lungenkrebs in der Kohorte über die Jahre 2021–2025 hinweg. In der Kohorte lag der Anteil der aktuellen Raucher bei 35 %, der Exraucher bei 32,2 % und der Nieraucher bei 33,0 %. 88 % waren weiblich, 20,8 % hatten eine schwarze Hautfarbe.

Größere Screeningpopulation

Das Kriterium Rauchdauer ≥ 20 Jahre statt der 20 Packungsjahre führte zu einer Zunahme der Screeningpopulation in der Kohorte von etwa 445.000 auf etwa 570.000 Personen. Der Anteil jüngerer Menschen war gegenüber den bisherigen Screeningkriterien höher (medianes Alter 59,7 Jahre vs. 65,8 Jahre) und der Anteil von Frauen größer (11,6 % vs. 6,7 %). Auch der Anteil von Personen schwarzer Hautfarbe, die den Screeningkriterien entsprachen, war höher, wenn die Rauchdauer für das Screening zugrunde gelegt wurde (30,2 % vs. 16,5 %).

Risikopersonen identifiziert

Mit der Verbreiterung der Screeningpopulation kann es zu einer Verdünnung kommen, wenn mehr Personen mit relativ niedrigem Risiko miterfasst werden. Das war aber hier kaum der Fall, betonte Heiden. Die 5-Jahres-Inzidenz von Lungenkrebsdiagnosen lag mit dem Kriterium der Rauchdauer von mindestens 20 Jahren bei 1,59 %. Das sei elfmal höher als bei Nierauchern (0,14 %), berichtet er. In der Screeningpopulation nach den bisherigen Kriterien lag die 5-Jahres-Inzidenz bei 1,85 %. Eine Analyse der Lungenkrebsinzidenz nach den Faktoren Alter und Rauchdauer nach Jahren zeigte eine ähnlich gute Risikoprognose wie bei Risikoberechnung nach Alter und Packungsjahren.

Weniger verpasste Lungenkrebsdiagnosen

Seinen Analysen zufolge wurden mit den vereinfachten Kriterien in der Veteranenkohorte deutlich weniger Lungenkrebserkrankungen verpasst als mit den Kriterien von 2021 (3,9 % vs. 13,3 %). Das galt auch für Frauen (6,7 % vs. 22,3 %) und für Menschen mit schwarzer Hautfarbe (5,9 % vs. 24,9 %). Damit bedeute das einfachere Kriterium der Rauchdauer zum Screeningeinschluss auch eine bessere Gleichstellung von Frauen und Minderheiten, betonte Heiden. Das Screeningangebot nach Alter und Rauchdauer sollte weiter untersucht werden, ist sein Plädoyer.

Autor:
Stand:
12.06.2026
Quelle:

Prof. Dr. Brendan T. Heiden: „Redefining lung cancer screening eligibility: Smoking duration vs. pack-years in a national VA cohort of nearly 1 million patients“, Vortrag und Abstract #8004, 2026 ASCO Annual Meeting, 28. Mai 2026 – 2. Juni 2026. DOI: 10.1200/JCO.2026.44.16_suppl.8004.

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