Bürokratische Hürden auf dem Weg zum AID

Menschen mit Typ-1-Diabetes wenden häufig Diabetes-Technologien an. Einen CGM-Sensor nutzten Ende 2025 über 80 %, der Anteil der Anwender von AID-System wurde auf 47 % geschätzt. Doch im Alltag gibt es Hürden auf dem Weg zum AID-System.

Antrag abgelehnt

Nach dem dt-report 2026 liegt der Anteil derjenigen, die in Deutschland direkt die Bewilligung für ein System zur automatisierten Insulinabgabe (engl. Automated Insulin Delivery, AID) erhalten, signifikant niedriger als in Österreich und der Schweiz, berichtete Professor Dr. Dominic Ehrmann, Diplompsychologe am Forschungsinstitut Diabetes Akademie Mergentheim (FIDAM) in Bad Mergentheim anlässlich des Diabetes-Kongresses der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Berlin. Die Befragung zum dt-report 2026 fand von November bis Dezember 2025 statt. Insgesamt wurden Angaben von 1.724 AID-Nutzern ausgewertet (87,2 % Typ-1-Diabetes, 10,6 % Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes, 2,2 % anderer Diabetes-Typ).

Bewilligung klappt bei 30 % im ersten Anlauf nicht

Eine direkte Bewilligung des AID-Systems gaben 69,8 % der AID-Nutzer aus Deutschland an. In Österreich lag der Anteil der direkten AID-Bewilligung bei 90,3 %, in der Schweiz bei 83,3 %. Der Unterschied zwischen Deutschland und Österreich beziehungsweise der Schweiz war signifikant (p < 0,001). Bei Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes lag die direkte AID-Bewilligung in Deutschland nur wenig über der von Menschen mit Typ-1-Diabetes (75 % vs. 72 %; p = 0,302). Es deutete sich auch ein Unterschied in den verschiedenen Bundesländern an. So erfolgte die direkte Bewilligung in Bayern nur bei 62 %, in Sachsen-Anhalt bei 77 % der Befragten.

Bedingungen für AID-Bewilligung

Für die Bewilligung in Deutschland hatten 22 % der AID-Nutzenden dokumentieren müssen, dass Therapieziele ohne AID nicht erreicht worden waren (Österreich: 10 %, Schweiz: 13 %). Bei 10 % war eine AID-Probezeit Bedingung für die Bewilligung (Österreich und Schweiz je 4 %). 9 % erhielten die Bewilligung eines AID nach einmaligem Widerspruch (Österreich: 1 %, Schweiz: 6 %), 3 % nach mehrmaligem Widerspruch nach Ablehnung der Kostenübernahme (Österreich: 1 %, Schweiz: 2 %).

Art der Krankenversicherung macht einen Unterschied

In Deutschland berichteten AID-Nutzer, die privat krankenversichert waren, signifikant häufiger eine direkte Bewilligung als gesetzlich Versicherte (87,4 % vs. 67,7 %; p < 0,001). Privat Krankenversicherte mussten auch signifikant weniger häufig dokumentieren, dass Therapieziele ohne AID nicht erreicht wurden (9,3 % vs. 23,8 %; p < 0,001). GKV-Versicherte hatten signifikant häufiger Widerspruch gegen eine Ablehnung durch die Krankenkasse eingelegt als Privatversicherte (13,6 % vs. 4,6 %; p < 0,001).

Ärztebefragung bestätigt Länderunterschiede

Im dt-report 2026 wurden auch 1.078 Vertreter aus Gesundheitsberufen befragt. Danach wird auch eine kontinuierliche Blutzuckermessung (engl. continuous glucose monitoring, CGM) bei Menschen mit Typ-1-Diabetes in Deutschland etwas weniger häufig direkt bei Erstantrag genehmigt als in Österreich und der Schweiz (85 % vs. 92 % und 91 %). Die Genehmigung von Erstanträgen bei der Umstellung von Insulinpumpe auf AID erfolgte in Deutschland laut der Befragung der Gesundheitsprofis in 75 % der Fälle, in Österreich bei 92 % und in der Schweiz bei 90 % der Anträge. Bei der Umstellung von Pen auf AID war der Unterschied in der Rate der genehmigten Erstanträge in den drei Ländern ähnlich ausgeprägt (Deutschland: 70 %, Österreich: 94 %, Schweiz: 89 %). Als häufigste Barrieren nannten die Gesundheitsprofis in Deutschland das strenge Genehmigungsverfahren (54 %) und die Kostenerstattung/den Versicherungsstatus (47 %).

Fazit

Trotz überzeugender Evidenz gibt es für Menschen mit Typ-1-Diabetes in Deutschland größere Hürden bei der Bewilligung für AID-Systeme als in Österreich und der Schweiz. Insgesamt zeigen sich insbesondere bürokratische Hürden bei der Beantragung von AID-Systemen – sowohl für Praxen als auch für Menschen mit Diabetes, fasste Ehrmann die Ergebnisse zusammen.

Autor:
Stand:
05.06.2026
Quelle:
  1. Prof. Dr. Dominic Ehrmann: „Automatisiert versorgt, manuell genehmigt: Aufwand bei der Bewilligung von AID-Systemen für Menschen mit Diabetes in Deutschland, Österreich und der Schweiz“, 15. Mai 2026, 60. Diabetes Kongress vom 13.–16. Mai 2026 in Berlin/hybrid.
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