Meist wird im Schlaflabor bei Frauen im mittleren Lebensalter gar nicht nach dem Menopausestatus gefragt, berichtete Dr. Sandhya Matthes vom Institut für Pneumologie an der Universität zu Köln mit Sitz am Krankenhaus Bethanien in Solingen. Dabei beginnt um diese Zeit herum die Prävalenz der obstruktiven Schlafapnoe (OSA) bei Frauen anzusteigen, um dann im Alter fast ebenso hoch zu sein wie bei Männern. Nicht nur der Menopausestatus spielt eine Rolle, auch der Zeitpunkt der Menopause: Das OSA-Risiko ist bei früher Menopause deutlicher höher als bei später. Zudem kann in den Wechseljahren der Schlaf deutlich beeinträchtigt sein.
AHI alleine sagt nichts aus
Matthes stellte anlässlich des 66. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin 2026 den Fall einer 50-jährigen, übergewichtigen Raucherin vor, die mit milder OSA bei einem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) von 7,4/h in der ambulanten Polygraphie schlafmedizinisch weiter abgeklärt werden sollte. Die Polysomnographie ist wichtig, um die OSA im REM-Schlaf und die Schlafarchitektur beurteilen zu können, betonte Matthes. Die Patientin wies, wie bei Frauen häufig, nur eine REM-Schlaf-Phase im Schlaflabor auf. Der REM-AHI betrug 18,2/h. Die OSA war fast vollständig auf die REM-Phase-beschränkt – ein Phänomen, was man ebenfalls bei Frauen häufiger als bei Männern beobachtet. Gleichzeitig zeigte sich eine reduzierte Schlafzeit und Schlafeffektivität und die Schlafarchitektur war beeinträchtigt: Parallel zur milden OSA lagen Insomnie-Zeichen vor. Periodische Beinbewegungen (periodic limb movement, PLM) wurden nicht beobachtet.
Fragebögen bei Frauen teilweise weniger spezifisch
Im Index des Schweregrads der Schlaflosigkeit (ISI, Insomnia Severity Index) erreichte die Patientin einen Wert von 17. Ab einem Wert von ≥ 15 spricht man von einer Insomnie. In der Fatigue Severity Scale ergaben die Angaben der Patientin keinen Hinweis auf eine ausgeprägte Fatigue (Mittelwert 3,55, eine deutliche Fatigue besteht ab 5 Punkten). Bei Verwendung von Fragebögen ist zu beachten, dass Frauen anders über Symptome berichten als Männer, betonte Matthes. Während die Ergebnisse nach der Epworth Sleepiness Scale in beiden Geschlechtern ähnlich ausfallen, fällt die Belastung von Frauen in STOP-Test, Berlin-Fragebogen, Athen-Insomnie-Skala und Fatigue-Skala häufig höher aus als bei Männern. Im Einzelnen geben Frauen häufiger als Männer Müdigkeit, Kopfschmerzen, Alpträume, Aufmerksamkeitsprobleme, Gedächtnisprobleme und nächtliches Erwachen an, Männer haben häufiger durch Bettpartner berichtete Apnoen.
COMISA bei Frauen häufig
Allgemein zeigen Frauen häufiger als Männer den durch Schlafstörungen gekennzeichneten OSA-Phänotyp COMISA. Dieser Phänotyp geht mit einem höheren Risiko für Mortalität und schwere kardiovaskuläre Ereignisse einher als eine OSA ohne Insomnie. Allerdings wurde in den entsprechenden Studien der menopausale Status bei Frauen nicht berücksichtigt. In einer kleineren Studie mit 38 Patientinnen nach der Menopause, die unter Insomnie litten, hatte jede Zweite auch eine OSA.
Therapieoptionen
Die CPAP-Therapie (CPAP, continuous positive airway pressure) als Standard bei OSA wird von Frauen weniger toleriert als von Männern. Das gilt für Frauen in den Wechseljahren auch – sie werden schon ohne CPAP immer wieder wach. Eine ergänzende Therapieoption im Hinblick auf die Insomnie ist die kognitive Verhaltenstherapie, die in mehreren randomisiert-kontrollierten Studien auch die CPAP-Anwendungsdauer verbessern konnte, berichtete Matthes. Eine Hormonersatztherapie ist nicht Therapie der ersten Wahl, ergänzte sie. Die Evidenz dazu ist gering, die Ergebnisse sind heterogen.












