Digitale Tools in der Allergologie: Mehrwert für Praxis und Patienten – mit klaren Grenzen

Digitale Tools und KI-basierte Anwendungen gewinnen auch in der allergologischen Versorgung zunehmend an Bedeutung. Auf dem 97. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie wurde deutlich: Ihr Potenzial liegt vor allem in der Unterstützung von Diagnostik und Therapie – vorausgesetzt, sie werden gezielt eingesetzt und kritisch bewertet.

Pollenapp

Digitale Anwendungen im allergologischen Alltag

Digitale Werkzeuge werden zunehmend als ergänzende Instrumente in der allergologischen Versorgung eingesetzt. Ziel ist sowohl eine Entlastung ärztlicher Abläufe als auch eine bessere Einbindung von Patienten in das Krankheitsmanagement.

Der Vortrag auf dem HNO-Kongress machte deutlich: Akzeptanz entsteht nur, wenn ein klarer klinischer Mehrwert erkennbar ist.

Dabei unterscheiden sich die Perspektiven:

  • Ärzte: Arbeitserleichterung, strukturierte Datenerhebung, Zeitersparnis
  • Patienten: besseres Symptomverständnis, höhere Adhärenz, verbesserte Kommunikation

Apps: Mehr als Symptomtagebücher

Zu den etablierten Anwendungen gehören digitale Symptomtagebücher und Allergie-Apps wie MASK-air oder die App des Polleninformationsdienstes. 

Diese ermöglichen:

  • Dokumentation von Symptomen, Medikation und Umweltfaktoren
  • Verlaufskontrolle über längere Zeiträume
  • Unterstützung der Therapiebegleitung

Praxisrelevant: Studien zeigen, dass Apps mit kombinierten Funktionen (z. B. Pollenvorhersage, Symptomtracking, Medikationsdokumentation) die Therapieadhärenz verbessern. Patienten nehmen Medikamente häufiger prophylaktisch ein und berichten über geringere Symptomlast. 

Zusätzlicher Nutzen: Die Visualisierung des Symptomverlaufs kann die Motivation zur Fortführung einer Allergen-Immuntherapie erhöhen. 

KI in der Diagnostik: Potenzial und konkrete Anwendungen

Neben klassischen Apps wurden im Vortrag mehrere KI-basierte Anwendungen vorgestellt:

  • Automatisches Pollenmonitoring: KI-gestützte Bilderkennung ersetzt manuelle Pollenzählung und liefert schneller verfügbare Daten.
  • Automatisierte Auswertung von Prick-Tests: Smartphone-basierte Bildanalyse vermisst Quaddeln und dokumentiert Ergebnisse.
  • Endoskopische Bildanalyse: KI-Systeme können Nasenpolypen oder seltene Tumoren erkennen und unterstützen die Diagnostik.

Einordnung: Diese Anwendungen können diagnostische Prozesse beschleunigen und standardisieren, ersetzen jedoch keine ärztliche Bewertung.

Grenzen der KI: Fehlerquellen berücksichtigen

Im Vortrag wurde ausdrücklich auf Limitationen hingewiesen:

  • Abhängigkeit von Trainingsdaten
  • Fehleranfälligkeit unter realen Bedingungen
  • Risiko falsch-positiver oder falsch-negativer Ergebnisse

Konkret können bei der Auswertung von Hauttests beispielsweise

  • Narben,
  • Behaarung
  • und Hautpigmentierung

die Ergebnisse verfälschen. 

Kernaussage: KI ist ein unterstützendes Werkzeug – die klinische Einordnung bleibt ärztliche Aufgabe.

Neue Nomenklatur und Endotypisierung

Ein weiterer Schwerpunkt war die neue EAACI-Nomenklatur, die zwischen immunologischen und nicht-immunologischen Mechanismen unterscheidet. 

Für die Praxis relevant:

Bedeutung: Die Endotypisierung ermöglicht eine präzisere Einordnung komplexer Krankheitsbilder und unterstützt Therapieentscheidungen.

Therapeutische Implikationen: personalisierte Ansätze

Durch die bessere Charakterisierung der zugrunde liegenden Mechanismen können Therapien gezielter eingesetzt werden.

Beispiel:

  • Bei Komorbidität von allergischer Rhinitis und CRSwNP: Einsatz von Biologika (z. B. Anti-IgE) kann beide Krankheitsbilder gleichzeitig beeinflussen. 

Praxisrelevant: Die Kombination aus klinischer Diagnostik und Endotypisierung bildet die Grundlage für personalisierte Therapieentscheidungen.

Register und strukturierte Datenerhebung

Im Vortrag wurde zur Teilnahme am Deutschen CRS-Register aufgerufen, um Daten zur chronischen Rhinosinusitis systematisch zu erfassen und die Evidenzbasis zu verbessern. 

Bedeutung für den Alltag: Strukturierte Datenerhebung ist Voraussetzung für valide digitale Anwendungen und zukünftige KI-Modelle.

Relevanz für die klinische Praxis

Digitale Tools und KI bieten reale Chancen für eine effizientere und datenbasierte Versorgung.

Für den Einsatz entscheidend:

  • klar definierter klinischer Nutzen
  • evidenzbasierte Anwendung
  • kritische Bewertung der Ergebnisse
  • Integration in bestehende Prozesse

Fazit: Digitale Systeme erweitern die Allergologie – sie ersetzen jedoch weder diagnostische Sorgfalt noch klinische Entscheidungsprozesse.

Autor:
Stand:
28.05.2026
Quelle:

Bärhold F.: Digitale Tools für die Allergologie in der Hals-Nase-Ohren-Heilkunde. Kongressvortrag, HNO-Kongress 2026, Ulm, 14.05.2026.

Hinweis: Der vorliegende Text wurde von der Autorin auf Basis der Kongressinhalte unter Nutzung KI-gestützter Textassistenz redaktionell weiterbearbeitet.

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