Die chronische Rhinosinusitis ist eine häufig auftretende Erkrankung, bei der die Nasennebenhöhlen und die Nasenschleimhaut über einen längeren Zeitraum chronisch entzündet sind. Sie kann unter anderem zu Nasenausfluss und anhaltender Verstopfung der Nase führen.
„Rhinitis“ bezeichnet eine entzündliche Veränderung der Nasenschleimhaut, während „Sinusitis“ ähnliche Veränderungen in den Schleimhäuten der Nasennebenhöhlen beschreibt. Bei einer chronischen Rhinosinusitis sind die Schleimhäute von Nase und Nasennebenhöhlen in der Regel gemeinsam betroffen und die Entzündung dauert länger als 12 Wochen an. Es wird weiterhin zwischen einer chronischen Rhinosinusitis mit und ohne Nasenpolypen, sowie einer allergischen pilzbedingten Rhinosinusitis unterschieden.
Epidemiologie
Die chronische Rhinosinusitis (CRS) ist eine der häufigsten chronischen medizinischen Erkrankungen weltweit, die alle Altersgruppen betrifft. Die geschätzte Inzidenz beträgt 12,3% in den USA, 10,9% in Europa und 13% in China.
Ursachen
Viren und Bakterien sind die häufigsten Ursachen für eine Rhinosinusitis. Streptokokken, Pneumokokken, Haemophilus und Moraxella sind die häufigsten bakteriellen Auslöser. Ein bei CRS-Patienten ebenfalls häufig vorkommendes Bakterium ist Staphylococcus aureus (S. aureus).
CRS ist multifaktoriell und kann infektiöse, entzündliche oder strukturelle Faktoren umfassen. Daher sollten auch andere Ursachen wie allergische Rhinitis (Hausstaubmilben, Schimmelpilze), Expositionen (Luftreizstoffe, Zigarettenrauch oder andere Toxine), strukturelle Ursachen (Nasenpolypen, abweichendes Nasenseptum), Funktionsstörungen der Flimmerhärchen, Immundefekte und Pilzinfektionen in Betracht gezogen werden.
Es gibt vier gepaarte Nasennebenhöhlen: Die Siebbeinzellen, Keilbeinhöhlen, Stirnhöhlen und Kieferhöhlen. Sie ermöglichen es, dass die Luft während des Einatmens gefiltert wird. Damit die Antigene gefiltert und ausgestoßen werden können, müssen die Nebenhöhlen abfließen können. Chronische Entzündungen können die Nasenpassage blockieren, den Abfluss behindern und zu einer niedrigeren Sauerstoffsättigung führen. Dies schafft das Milieu für eine Ansiedlung und Vermehrung von Bakterien. Flimmerhärchen-Dysfunktion oder strukturelle Abnormalitäten können diesen Prozess weiter verschlimmern.
Symptome
Die drei Hauptsymptome bei chronischer Rhinosinusitis sind eitriger, grüner oder gelber Nasenausfluss, Gesichts-, oder Zahnschmerzen und Verstopfung der Nase. Weitere Symptome umfassen:
Hyposmie
Kopfschmerzen
Ohrenschmerzen
Mundgeruch
Zahnschmerzen
Husten
Müdigkeit
Fieber ist ein unspezifisches Symptom, jedoch ein wichtiger Faktor zur Bestimmung der Schwere der Rhinosinusitis. Die Dauer der Symptome ist der Schlüsselfaktor bei der Diagnose einer CRS. Die Symptome sollten über einen Zeitraum von mindestens 12 Wochen vorliegen.
Diagnostik
Bei der Erfassung der Krankengeschichte ist es sinnvoll, speziell relevante Vorerkrankungen einzuschließen, wie beispielsweise allergische Rhinitis, vorangegangene Operationen an Nase oder Nasennebenhöhlen, Medikamenteneinnahme und -unverträglichkeiten, zahnärztliche oder kieferchirurgische Maßnahmen sowie vorherige Therapieversuche und ihre Wirksamkeit.
Für die Einschätzung von möglichen gefährlichen Verläufen oder Komplikationen sollten zudem anhaltendes Fieber und anhaltende Müdigkeit berücksichtigt werden.
Die Diagnose einer chronischen Rhinosinusitis erfolgt, wenn mindestens zwei der folgenden vier Symptome vorliegen und über einen Zeitraum von mehr als 12 Wochen auftreten:
Eitriger Ausfluss aus der Nase
Gesichts- und/oder Zahnschmerzen
Nasenverstopfung
Vermindertes Riechvermögen
Während der Anamnese und körperlichen Untersuchung sollte der Patient auch auf andere Ursachen, wie Nasenpolypen untersucht werden.
Um die Diagnose einer CRS zu bestätigen, muss entweder eine CT-Untersuchung oder eine Nasenendoskopie durchgeführt werden, um das Vorhandensein von Entzündungen zu dokumentieren. Die anteriore Rhinoskopie bietet eine begrenzte Sicht und geringere Sensitivität und sollte nicht zur Bestätigung einer CRS verwendet werden. Die sogenannte Cone-Beam-CT-Untersuchung hat sich als Alternative für die Bildgebung am Point of Care etabliert.
Routine-Laboruntersuchungen sind zur Diagnose einer chronischen Rhinosinusitis nicht erforderlich. Kulturen sind nicht zwingend notwendig, können aber in der Behandlung hilfreich sein. Allergietests sind im Allgemeinen hilfreich und sollten als Option in Erwägung gezogen werden.
Therapie
Die Behandlung der CRS sollte darauf abzielen, Auslöser zu modulieren, Entzündungen zu reduzieren und die Infektion zu beseitigen.
Umweltauslöser können durch Allergietests identifiziert werden und sollten dann von Patienten gemieden werden.
Medikamentöse Therapie
Zur Behandlung einer chronischen Rhinosinusitis sollten nasale Kortikosteroide, wie Mometason, zur Anwendung kommen. Bei ordnungsgemäßer Anwendung sollte die Behandlung mindestens acht bis zwölf Wochen andauern. Nasale Spülungen mit Kochsalzlösung können als nützliche Ergänzung dienen. Nur bei Verdacht auf eine allergische Komponente sollten Antihistaminika verwendet werden. Abschwellende Nasentropfen, wie Naphazolin und Xylometazolin können zur symptomatischen Linderung verwendet werden.
Antibiotika können über einen Zeitraum von drei Wochen verabreicht werden. Es gibt jedoch keinen Konsens über ihre routinemäßige Anwendung bei chronischer Rhinosinusitis.
Eine empirische Antimykotika-Therapie sollte nicht verabreicht werden.
Nasenpolypen
Chronische Rhinosinusitis mit Polypen sollte mit topischen nasalen Steroiden behandelt werden. In schweren Fällen oder wenn die Therapie auch nach zwölf Wochen nicht anspricht, kann eine kurze Behandlung mit oralen Kortikosteroiden in Betracht gezogen werden.
Operative Therapie
Die funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenchirurgie kann für Patienten in Betracht gezogen werden, bei denen die medikamentöse Therapie versagt. In komplizierten Fällen kann sie als Ergänzung zur medikamentösen Therapie dienen. Das Ziel dieser Operation ist es, Obstruktionen zu beseitigen, die Drainage und den mukoziliären Abtransport wiederherzustellen und die Nebenhöhlen zu belüften.
Bei einer zugrundeliegenden Erkrankung sollte die Therapie auf diese Erkrankung abzielen. Dies kann chirurgische und medikamentöse Ansätze bei fungaler CRS oder intravenöse Immunglobuline bei Immundefizienz umfassen.
Auch weitere, mit CRS in Verbindung stehende und prädisponierende Erkrankungen sollten behandelt werden. Dazu gehören Asthma, Mittelohrentzündungen und zystische Fibrose.
Prognose
Chronische Rhinosinusitis mag zwar eine gutartige Erkrankung sein, hat jedoch eine signifikante Morbidität. Wenn sie nicht behandelt wird, ist die Lebensqualität gering. CRS kann Asthma verschlimmern und sogar zu Meningitis oder Hirnabszessen führen, was die Morbidität und Mortalität erhöht.
Patienten mit CRS unter Behandlung haben in der Regel eine gute Lebensqualität. Eine Linderung der Symptome kann, bei Patienten, die nicht auf eine medikamentöse Behandlung ansprechen, in 75% der Fälle durch eine funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenoperation erreicht werden. In seltenen Fällen kann eine CRS zu orbitalen und intrakraniellen Infektionen führen, die zu Seh- und neurologischen Defiziten führen.
Prophylaxe
Zur Vorbeugung einer chronischen Rhinosinusitis sollten die Schleimhäute von Nase und Atemtrakt vor dem Austrocknen geschützt werden. Es sollte auf eine angemessene Luftfeuchtigkeit und ausreichende Trinkmenge geachtet werden.
Die Förderung einer starken Immunabwehr ist im Allgemeinen ein hilfreicher Schritt zur Vorbeugung von Infektionen und chronischen Entzündungen. Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, körperlicher Aktivität und regelmäßigem Sport kann das Immunsystem unterstützen.
Schädliche Einflüsse und Faktoren, die die Immunabwehr beeinträchtigen, sollten vermieden werden. Stressabbau und ausreichender Schlaf sind dabei von großer Bedeutung. Rauchen sollte unbedingt vermieden werden, da es die Schleimhäute langanhaltend reizt.