Niedrige HPV‑Impfquoten trotz klarer Empfehlung
Humane Papillomviren sind eine wesentliche Ursache verschiedener malignomassoziierter Erkrankungen. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die HPV‑Impfung seit 2007 für alle Kinder und Jugendlichen im Alter von neun bis vierzehn Jahren mit einer Nachholmöglichkeit bis zum achtzehnten Lebensjahr.
Dennoch waren zum Projektstart des Forschungsprojekts INVEST HPV, dessen Ergebnisse auf der Nationalen Impfkonferenz 2026 vorgestellt wurden, lediglich etwa die Hälfte der fünfzehnjährigen Mädchen und rund ein Drittel der gleichaltrigen Jungen vollständig geimpft.
Da HPV‑Impfungen in Deutschland nahezu ausschließlich in Arztpraxen durchgeführt werden, kommt der ärztlichen Empfehlung sowie der Gesprächsführung eine zentrale Rolle für die Impfentscheidung zu.
INVEST HPV: Studienansatz und Zielsetzung
Das Forschungsprojekt INVEST HPV untersuchte, ob gezielte Schulungen für medizinisches Fachpersonal die HPV‑Impfquote nachhaltig steigern können. Entwickelt wurden zwei Interventionsansätze:
- eine Wissensschulung zur HPV‑Infektion und ‑Impfung
- eine Schulung zur Motivierenden Gesprächsführung (Motivational Interviewing, MI)
Beide Interventionen zielten darauf ab, Unsicherheiten in Impfgesprächen abzubauen und die Selbstwirksamkeit der beteiligten Berufsgruppen zu stärken.
Die Schulungen wurden in pädiatrischen Praxen in Bremen und Bayern durchgeführt. Die Praxen wurden randomisiert entweder einer der beiden Schulungsformen oder einer Kontrollgruppe ohne Schulung zugeteilt. Insgesamt nahmen 237 Ärzte und medizinische Fachangestellte an 28 Schulungen teil.
Ergebnisse der Wissens‑ und Kommunikationsinterventionen
Die Evaluation zeigte, dass beide Schulungsformen die jeweils adressierten Zielkompetenzen signifikant verbesserten.
Die HPV‑Wissensschulung führte zu einem nachhaltigen Wissenszuwachs zu Infektionswegen, Krebsrisiken und Impfempfehlungen, insbesondere bei medizinischen Fachangestellten. Die MI‑Schulung verbesserte das Verständnis sowie die praktische Anwendung kommunikativer Techniken zur Bearbeitung elterlicher Ambivalenzen.
Entscheidend war der Effekt auf die Impfzahlen
In den geschulten Praxen stieg die Zahl der durchgeführten HPV‑Impfungen signifikant an. Die Wissensschulung führte während der Interventionsphase zu einer Zunahme um etwa zehn Prozent, in den folgenden sechs Monaten zu einer Steigerung um rund zwanzig Prozent. Die MI‑Schulung zeigte einen noch stärkeren Effekt mit einer Zunahme von bis zu 26 Prozent während der Interventionsphase.
Bedeutung für die ärztliche Praxis
Die Ergebnisse belegen, dass strukturierte Schulungen ein wirksamer Hebel zur Verbesserung der HPV‑Impfquote sind. Besonders relevant ist der Ansatz der Motivierenden Gesprächsführung, da ein erheblicher Anteil der Eltern als impfzögerlich gilt und auf klassische Beratung nicht adäquat anspricht.
MI ermöglicht eine wertfreie, autonomieerhaltende Kommunikation, die Ambivalenzen aufgreift und informierte Entscheidungen fördert. Für die Versorgungspraxis ergibt sich daraus ein klarer Handlungsansatz: Neben fachlicher Information sollten kommunikative Kompetenzen systematisch geschult werden, um Impfgespräche wirksamer zu gestalten und vorhandene Impfpotenziale besser zu nutzen.












