Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) lobt die Schutzimpfungen gegen Grippe und Covid-19 in Apotheken. Diese könnten künftig sogar einen wachsenden Anteil der Regelversorgung ausmachen. Sabine Dittmar, Staatssekretärin im BMG, könne sich durchaus vorstellen, das Angebot auf weitere Impfungen auszuweiten, sagte sie auf dem Symposium der Bundesapothekerkammer (BAK) „Impfen in der Apotheke“ in Berlin. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie wichtig es sei, niedrigschwellige Impfangebote zu schaffen. Konkrete Pläne für die Erweiterung des Impfangebots gibt es aber noch nicht [1].
BMG-Staatssekretärin bestätigt wichtige Rolle der Apothekerschaft bei Impfungen
Dittmar bekräftigte ihr Ziel, die Impfquoten zu steigern, und hob dabei hervor, dass die Apothekerschaft einen wichtigen Beitrag dazu leisten könne. „Es geht hier nicht um eine Trennung der Zuständigkeiten zwischen Ärzteschaft und Apothekerschaft, sondern um ein Angebot für die Bevölkerung“, sagte die BMG-Staatssekretärin.
Die Praxisinfrastruktur in Deutschland sei bei der Grippeimpfung nicht niedrigschwellig genug, insbesondere aufgrund der begrenzten Praxis-Öffnungszeiten. Für arbeitstätige Menschen wäre es praktischer, wenn sie die Impfung ohne großen Aufwand morgens oder abends durchführen lassen könnten, so Dittmar.
Die Apothekerschaft ist in der Lage, solche Angebote schnell und unkompliziert bereitzustellen. Das konnte man vor allem an der Ausstellung der Impfzertifikate während der Coronapandemie sehen. „Da waren sie schneller als manche Praxis mit ihrem Praxisverwaltungssystem. Da muss man mal sagen, dass sie da technisch sehr gut aufgestellt sind“, lobte Dittmar die anwesenden ApothekerInnen.
Apothekenimpfungen erfolgreich gestartet: Potenzial noch nicht ausgeschöpft
Zwischen Februar 2022 bis März 2023 wurden in Apotheken 330.000 Impfungen durchgeführt, was ein positives Ergebnis darstellt. Dies solle aber nur der Beginn einer breiteren Initiative sein. „Wahrscheinlich ist bei der Zahl der impfenden Apotheker noch Luft nach oben“, sagte Dittmar. „Aber da muss man auch schauen, wo es vielleicht die eine oder andere Hürde noch aus dem Weg zu räumen gibt.“
Paula Piechotta, Berichterstatterin der Grünen für Arzneimittel und Apotheken im Bundestag, unterstützte Dittmars Standpunkt. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es gut, dass der Gesetzgeber den Apotheken diese zusätzliche Leistung unkompliziert ermöglicht hat“, sagte sie nach dem Symposium. Apotheken können in Ergänzung zu Arztpraxen dazu beitragen, die medizinische Grundversorgung besonders in unterversorgten Regionen abzusichern. Impfungen stellen hierbei ein gutes Beispiel dar.
Erweiterung der Impfleistungen denkbar
Dittmar betonte das Ziel, die Impfquoten durch Hilfe der Apotheken zu steigern. Sie könne sich eine Ausweitung auf andere Schutzimpfungen wie Tetanus oder Tollwut durchaus vorstellen, auch wenn dies derzeit noch nicht auf der politischen Agenda steht. Lediglich Mehrfachimpfungen bei Kindern sind potenziell nicht für Apotheken geeignet.
Konflikte zwischen Ärzte- und Apothekerschaft sieht sie nicht. Vielmehr habe sie den Eindruck, dass es vor Ort gut funktioniere. Das bestätige auch die von der ABDA durchgeführte Blitzumfrage, sagte BAK-Präsident Thomas Benkert in seinem Vortrag. Demnach sei der Widerstand, den Apotheken von Ärzten erfahren haben, geringer als erwartet [2].
Apotheken als niederschwellige Ergänzung ansehen
Matthias Bollinger, Kinderarzt in der Flughafenklinik in Frankfurt am Main, unterstützte Benkerts Position: „Covid hat es gezeigt und Grippe zeigt es jedes Jahr: Es geht darum, in einem engen zeitlichen Rahmen möglichst viele Menschen geimpft zu bekommen“. Das bestehende System aus Arztpraxen könne dies allein nicht leisten. Daher sei eine breitere Unterstützung notwendig, um diese gesellschaftliche Aufgabe zu bewältigen.
Er unterstrich noch einmal, dass Apotheken eine niederschwellige Ergänzung bieten und nicht im Hoheitsgebiet der Ärzteschaft wildern wollten.
Impfungen in Apotheken genauso effizient wie in Arztpraxen
Das Impfen an sich sei kein schwieriger Vorgang, so Bollinger. Mit etwas Planung und Überlegung könne es auch unter den aktuellen Regularien in Apotheken durchgeführt werden. Die Vorgabe von Raumbedingungen kritisierte er. Vielmehr sei eine klare Struktur ausreichend, damit das Impfen in Apotheken genauso effizient wie in Arztpraxen ablaufen könne.
Fachlich gebe es seiner Meinung nach keine Gründe, die gegen das Impfen in Apotheken sprechen würden, insbesondere nicht im Hinblick auf anaphylaktische Schocks, die oft als Gegenargument angeführt werden. „Die Versorgung von Notfällen ist in der Apotheke nicht dramatisch schlechter als in etlichen Arztpraxen. Aber sie stehen natürlich unter einer anderen Beobachtung“, erklärte der Kinderarzt.









