Bis März 2023 wurden für die Europäische Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 2,2 Millionen Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 dokumentiert. Das WHO European Respiratory Surveillance Network hat nun untersucht, wie viele Leben durch die Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe in dieser Region bis zu diesem Zeitpunkt gerettet werden konnten. Die Ergebnisse der Analyse wurden in der Fachzeitschrift 'The Lancet Respiratory Medicine' veröffentlicht
Datenquellen und Altersgruppenanalyse
Die Studie basierte hauptsächlich auf Daten des Europäischen Überwachungssystems (TESSy), das wöchentlich Informationen zur Sterblichkeit durch Covid-19, Infektionsraten und Impfbereitschaft sammelt. Darüber hinaus wurden Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Literatur zur Impfstoffwirksamkeit in die Analyse einbezogen.
Die Forschenden führten eine separate Analyse für die Altersgruppen 25–49 Jahre, 50–59 Jahre, 60–69 Jahre, 70–79 Jahre und über 80 Jahre durch. Berücksichtigt wurden dabei nur die Regionen, die kontinuierlich sowohl Impf- als auch Mortalitätsdaten für mindestens eine der vier älteren Altersgruppen bereitgestellt hatten.
Covid-19-Impfungen senkten Sterblichkeit um 59%
Zwischen Dezember 2020 und März 2023 konnte die Sterblichkeit durch Covid-19-Impfungen um mindestens 59% reduziert werden. Dies bedeutet konkret, dass etwa 1,6 Millionen Menschen ab 25 Jahren durch die Impfungen vor einem tödlichen Verlauf von Covid-19 geschützt wurden. Etwa 96% der geretteten Leben entfielen dabei auf Menschen über 60 Jahre, wobei circa die Hälfte davon Personen ab 80 Jahren waren.
Diese Zahlen verdeutlichen eindrucksvoll die Bedeutung der Impfkampagne: Ohne die Impfungen hätte die Zahl der Covid-19-Todesfälle in Europa von derzeit 2,2 Millionen auf bis zu 4 Millionen ansteigen können.
Erste Auffrischungsdosen besonders effektiv
Als besonders effektiv erwiesen sich die ersten Auffrischungsdosen und waren für etwa die Hälfte der insgesamt geretteten Leben verantwortlich. Die größte Reduktion der Covid-19-bedingten Sterblichkeit wurde während der Phase beobachtet, in der die Omikron-Varianten vorherrschten. In diesem Zeitraum konnten 60% der geretteten Leben erzielt werden.
Höchste Sterblichkeitsreduktion in Ländern mit hoher Impfquote
Die Sterblichkeit wurde am stärksten in den Ländern reduziert, die zu Beginn der Delta-Welle eine hohe Impfquote bei älteren Erwachsenen aufwiesen. Dazu zählten Israel, das Vereinigte Königreich (England und Schottland), Finnland, Malta und Dänemark. Im Gegensatz dazu war die Senkung der Todesfälle in Ländern mit niedrigerer Impfabdeckung, wie Rumänien, Moldawien und dem Kosovo, weniger ausgeprägt.
Studie unterstreicht positive Auswirkungen der Covid-19-Impfung
Die Studie, die von der Hauptautorin Margaux Meslé vom regionalen WHO-Büro für Europa geleitet wurde, unterstreicht die positiven Auswirkungen der Impfung. „Die Covid-19-Impfung rettet Leben. Unsere Ergebnisse erinnern uns daran, dass Impfstoffe wesentlich dazu beitragen, dass die Menschen in allen Arbeits- und Freizeitbereichen zu einem Leben wie vor der Pandemie zurückkehren. Ohne die massiven Impfanstrengungen wären noch viel mehr Existenzen betroffen gewesen und Familien hätten die Schwächsten verloren“, sagt Meslé.
Einschränkungen der Studie
Diese Studie weist einige Einschränkungen auf. Potenzielle Störfaktoren, die die Ergebnisse beeinflussen könnten, sind die Kapazitäten des Gesundheitssystems, soziodemografische Faktoren sowie die Verwendung von antiviralen Medikamenten, die nicht vollständig berücksichtigt wurden.









