Diagnostik der invasiven pulmonalen Aspergillose: FUNDICU-Kriterien verbessern Zuverlässigkeit auf der Intensivstation

Invasiv-pulmonale Aspergillose betrifft zunehmend auch intensivpflichtige Patienten ohne klassische Risikofaktoren. Die FUNDICU-Kriterien bieten in dieser Patientengruppe die höchste diagnostische Treffsicherheit.

Pulmonale Aspergillose

Die invasive pulmonale Aspergillose (IPA) galt lange als Erkrankung immunsupprimierter Patienten, insbesondere bei hämatologischen Grunderkrankungen oder nach Transplantationen. In den letzten Jahren mehren sich jedoch Hinweise, dass IPA zunehmend auch intensivpflichtige Patienten ohne klassische Risikokonstellationen betrifft. Studien zeigen eine IPA-Inzidenz von 6,9 % bei Intensivpatienten – wobei über 70 % keine der traditionellen Risikofaktoren aufweisen.

Zugleich bleibt die Diagnosestellung in dieser heterogenen Patientengruppe herausfordernd: Histopathologische Bestätigungen sind selten, klinische Zeichen unspezifisch, und die bestehenden Klassifikationssysteme wie EORTC-MSG greifen in der Realität häufig zu kurz. Um dem zu begegnen, wurden unter anderem FUNDICU-, Asp-ICU- sowie biomarkerbasierte Asp-ICU-BM-Kriterien entwickelt. Ihre diagnostische Aussagekraft in der klinischen Praxis war bisher jedoch unzureichend untersucht.

Vergleich und Validierung diagnostischer Klassifikationssysteme

Vor diesem Hintergrund untersuchte eine in 'Clinical Infectious Diseases' publizierte multizentrische retrospektive Kohortenstudie die diagnostische Leistung der gängigen IPA-Klassifikationssysteme bei insgesamt 202 Patienten mit klinisch gesicherter IPA. Dabei wurde die Übereinstimmung mit histopathologisch bestätigten Fällen sowie mit der klinischen Einschätzung durch infektiologische und intensivmedizinische Experten bewertet.

Die Klassifikation erfolgte gemäß den EORTC-MSG-Kriterien für Patienten mit klassischen Risikofaktoren. Für intensivmedizinisch betreute Patienten ohne diese Risikofaktoren wurden die FUNDICU-, Asp-ICU- und Asp-ICU-BM-Kriterien herangezogen. Zusätzlich identifizierten die Autoren eine Subgruppe unklassifizierbarer Fälle, die zwar Risikofaktoren, jedoch keine intensivmedizinische Behandlung aufwiesen.

Deutliche Leistungsunterschiede zwischen Klassifikationssystemen bei nicht immunsupprimierten Intensivpatienten

Unter den 202 untersuchten Patienten erfüllten 78 die klassischen EORTC-MSG-Hostfaktoren. In dieser Gruppe stimmten die EORTC-MSG-Kriterien mit der klinischen sowie der histopathologisch bestätigten Diagnose vollständig überein (100 %).

In der Gruppe der 112 Patienten ohne klassische Risikofaktoren und mit intensivmedizinischer Behandlung ergaben sich deutliche Unterschiede zwischen den angewendeten Klassifikationen:

  • FUNDICU: 53 % Übereinstimmung mit der klinischen Diagnose, Sensitivität 44 %, Spezifität 75 %
  • Asp-ICU: 4 % Übereinstimmung, Sensitivität 6 %, Spezifität 100 %
  • Asp-ICU-BM: 26 % Übereinstimmung, Sensitivität 28 %, Spezifität 63 %

Die Asp-ICU-Algorithmen wiesen somit zwar eine hohe Spezifität, jedoch eine unzureichende Sensitivität auf, was ihre Anwendbarkeit in der Breite einschränkt.

Erweiterung der FUNDICU-Kriterien verbessert diagnostische Leistung

Die Autoren erweiterten die FUNDICU-Hostfaktoren um zwei klinisch relevante Konstellationen:

  • Postoperative Komplikationen nach Herzchirurgie
  • Akutes Lungenversagen (ARDS)

Diese Anpassung führte zu einer signifikanten Verbesserung der diagnostischen Leistung:

  • Die Sensitivität stieg auf 97 %.
  • Die Spezifität betrug 63 %.
  • Der AUROC-Wert erhöhte sich von 0,59 auf 0,80.

Durch die Integration dieser Faktoren wurde die fundierte Einordnung kritisch kranker Patienten mit atypischen Risikoprofilen ermöglicht.

Relevanz bisher übersehener Patientengruppen

Ein weiteres Ergebnis der Studie war die Identifikation einer kleinen Gruppe (n = 12) unklassifizierbarer IPA-Fälle, die trotz Risikofaktoren außerhalb einer intensivmedizinischen Umgebung behandelt wurden. Diese Patienten fielen durch alle etablierten Klassifikationssysteme, was auf eine bislang unbeachtete Risikopopulation hinweist.

Fazit: FUNDICU bietet zuverlässige Grundlage für IPA-Diagnostik in der Intensivmedizin

Die Untersuchung belegt, dass die FUNDICU-Kriterien – insbesondere nach Ergänzung um ARDS und kardiochirurgische Komplikationen – derzeit die höchste diagnostische Zuverlässigkeit bei IPA auf der Intensivstation bieten. Die Asp-ICU-Kriterien zeigten in dieser Kohorte eine zu geringe Sensitivität.

Für die klinische Praxis bedeutet dies eine verbesserte Grundlage zur Diagnosestellung bei kritisch kranken Patienten ohne klassische Risikofaktoren. Eine prospektive Validierung der erweiterten Kriterien ist aus Sicht der Autoren der nächste Schritt.

Autor:
Stand:
19.09.2025
Quelle:

Hatzl, A. et al. (2025): Performance of Diagnostic Algorithms in Patients With Invasive Pulmonary Aspergillosis. Clinical Infectious Diseases, DOI: 10.1093/cid/ciae633.

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