WHO: Influenza-Impfstoffzusammensetzung für 2026/27 veröffentlicht

Die WHO hat Empfehlungen für die Zusammensetzung der Influenzaimpfstoffe der Saison 2026/27 bekanntgegeben. Grundlage sind globale Überwachungsdaten zu zirkulierenden Virusstämmen. Die Impfstoffe bleiben trivalent.

Grippe Impfstoff Wirksamkeit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die empfohlene Zusammensetzung der Influenzaimpfstoffe für die Saison 2026/2027 auf der Nordhalbkugel mitgeteilt. Grundlage der Entscheidung ist eine viertägige Expertenkonsultation, bei der internationale Surveillance-Daten zur aktuellen Entwicklung der Influenzaviren ausgewertet wurden.

Die Zusammensetzung von Grippeimpfstoffen muss regelmäßig angepasst werden, da sich Influenzaviren kontinuierlich verändern. Die Empfehlungen der WHO dienen weltweit als Grundlage für nationale Zulassungsbehörden und Impfstoffhersteller bei der Entwicklung und Produktion der Impfstoffe für die kommende Saison. Ziel ist es, die Vakzinen möglichst gut an die erwarteten zirkulierenden Viren anzupassen und so einen optimalen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen zu gewährleisten.

Globale Überwachung als Grundlage

Die Empfehlungen entstehen im Rahmen halbjährlicher Konsultationen. Diese erfolgen jeweils getrennt für Nord- und Südhalbkugel. Dabei analysieren Experten aus den WHO-Kollaborationszentren und regulatorischen Referenzlaboren Daten des internationalen Überwachungsnetzwerks Global Influenza Surveillance and Response System (GISRS).

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus betonte die Bedeutung dieser Zusammenarbeit. Influenzaviren entwickelten sich weltweit kontinuierlich weiter und zeigten damit die enge Vernetzung der globalen Gesundheit. Die jährliche Aktualisierung der Impfstoffzusammensetzung basiere auf der kontinuierlichen Arbeit des globalen Überwachungssystems.

Neue H3N2-Variante prägt die Saison

Im August 2025 wurde eine genetisch veränderte Variante des Influenzavirus A(H3N2) identifiziert. Der als J.2.4.1 klassifizierte Virusstamm – auch „Subclade K“ genannt – breitete sich weltweit rasch aus. In vielen Ländern begann die Grippesaison dadurch früher als üblich und erreichte teilweise höhere Aktivitätsniveaus. Insgesamt dominierten Influenza-A-Viren das Infektionsgeschehen, darunter Varianten von H3N2 und H1N1. Influenzaviren des Typs B wurden dagegen nur in niedrigen Zahlen nachgewiesen. Dabei handelte es sich ausschließlich um Viren der B/Victoria-Linie.

Empfohlene Virusstämme für die Saison 2026/27

Für Impfstoffe auf Hühnereibasis empfiehlt die WHO nun die folgenden Viruskomponenten, die sich komplett von denen der Vorsaison unterscheiden:

  • A/Missouri/11/2025 (H1N1)pdm09-ähnlicher Stamm
  • A/Darwin/1454/2025 (H3N2)-ähnlicher Stamm
  • B/Tokyo/EIS13-175/2025 (B/Victoria-Linie)-ähnlicher Stamm

Für zellkulturbasierte, rekombinante oder nukleinsäurebasierte Impfstoffe werden folgende, ebenfalls komplett aktualisierte Viren empfohlen:

  • A/Missouri/11/2025 (H1N1)pdm09-ähnlicher Stamm
  • A/Darwin/1415/2025 (H3N2)-ähnlicher Stamm
  • B/Pennsylvania/14/2025 (B/Victoria-Linie)-ähnlicher Stamm

Die empfohlenen Impfstoffe sind alle trivalent. Quadrivalente Impfstoffe mit einer zusätzlichen B/Yamagata-Komponente werden nicht mehr benötigt, da Viren dieser Linie seit März 2020 nicht mehr registriert worden sind. 

Zoonotische Influenzaviren weiter im Blick

Neben den saisonalen Viren bewerteten die Experten auch Influenzaviren aus Tierpopulationen, die gelegentlich auf den Menschen überspringen können. Solche zoonotischen Influenzaviren gelten als potenzielle Auslöser zukünftiger Pandemien. Seit der letzten Konsultation im September 2025 wurden der WHO aus sechs Ländern insgesamt 25 Infektionen beim Menschen gemeldet. In den meisten Fällen bestand Kontakt zu infizierten Tieren oder zu kontaminierten Umgebungen. Hinweise auf eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung gab es nicht. Im Rahmen der Risikoanalyse empfahlen die Fachleute außerdem die Entwicklung eines neuen Kandidaten-Impfvirus für einen A(H9N2)-Stamm, der im Fall einer pandemischen Bedrohung rasch für die Impfstoffproduktion genutzt werden könnte.

Globale Gesundheitslast

Die saisonale Influenza ist eine akute Atemwegserkrankung, die weltweit auftritt. Schätzungen zufolge kommt es jährlich zu rund einer Milliarde Infektionen. Etwa drei bis fünf Millionen Fälle verlaufen schwer, und zwischen 290.000 und 650.000 Menschen sterben jedes Jahr an influenzaassoziierten Atemwegserkrankungen. Das globale Überwachungssystem GISRS koordiniert die internationale Influenzabeobachtung bereits seit 1952 und gilt damit als eines der ältesten kontinuierlich arbeitenden Netzwerke zur Krankheitsüberwachung.

Autor:
Stand:
19.03.2026
Quelle:

Weltgesundheitsorganisation (WHO): Pressemitteilung, 27.02.2026

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