Ende der Zulassung für Vaxzevria in der EU

Der Covid-19-Impfstoff Vaxzevria von AstraZeneca hat seine Zulassung in der Europäischen Union verloren. Dieser Schritt wurde vom Pharmaunternehmen selbst beantragt und wird mit einer geringen Nachfrage begründet.

Widerruf Zulassung

Der vektorbasierte Covid-19-Impfstoff Vaxzevria von AstraZeneca wurde während der Covid-19-Pandemie mehr als drei Milliarden Mal verabreicht. Jetzt ist er nicht mehr für den Einsatz in der Europäischen Union zugelassen. Diese Entscheidung, die bereits im März getroffen wurde, trat am 07. Mai 2024 offiziell in Kraft, heißt es in einer Mitteilung der EU-Kommission. AstraZeneca hat diesen Schritt aus wirtschaftlichen Gründen selbst beantragt, wie das Unternehmen auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Die Entscheidung basiert auf einer geringen Nachfrage nach dem Impfstoff.

Seit dem Ende der Pandemie wurden mehrere Varianten von Covid-19-Impfstoffen entwickelt und die Zunahme neuer SARS-CoV-2-Varianten hat zu einer Verschiebung der Nachfrage nach aktualisierten Impfstoffen geführt. Infolgedessen ist der Bedarf an Vaxzevria zurückgegangen, so AstraZeneca. Dennoch ist das Unternehmen „unglaublich stolz auf die Rolle, die Vaxzevria bei der Beendigung der globalen Pandemie gespielt“ habe.

Klage gegen AstraZeneca: Erstmals Eingeständnis zu Thrombose-Risiko

Der Ruf von Vaxzevria wurde jedoch durch eine Reihe unerwünschter Ereignisse wie das Auftreten von Thrombosen getrübt, die mehrere Länder dazu veranlassten, nach Alternativen zur Bekämpfung von Covid-19 zu suchen. Der Pharmakonzern AstraZeneca hat vor einem britischen Gericht erstmals eingeräumt, dass sein Covid-19-Impfstoff in seltenen Fällen zu Blutgerinnungsproblemen führen kann, wie der britische 'The Telegraph' berichtet.

Im Rahmen einer Sammelklage beim Londoner High Court wurden im Februar Dokumente eingereicht, die vom Konzern aus Cambridge stammen. In diesen wird erwähnt, dass der Impfstoff „in sehr seltenen Fällen TTS verursachen kann“. Die als Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) oder als Vakzin-induzierte immunthrombotische Thrombozytopenie (VITT) bezeichnete Erkrankung ist eine inzwischen bekannte mögliche Komplikation nach der Impfung mit SARS-CoV-2-Impfstoffen auf Basis viraler Vektoren.

Dieses Eingeständnis könnte AstraZeneca dazu verpflichten, Schadenersatzforderungen auf Einzelfallbasis zu erfüllen. Derzeit sind 51 Fälle beim High Court anhängig, insgesamt könnte das Unternehmen etwa 100 Millionen Pfund an Zahlungen leisten müssen.

Zeitliche Entwicklung der Vaxzevria-Empfehlungen

Am 29. November 2021 erhielt Vaxzevria in der EU eine Notfallzulassung. Zu dieser Zeit war er noch unter dem Kürzel ChAdOx1 oder dem Namen "Covid-19 Vaccine AstraZeneca" bekannt. Bis zum Widerruf der Zulassung am 27. März 2024 gab es eine uneingeschränkte Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA). In Deutschland empfahl die Ständige Impfkommission (STIKO) ab Ende März 2021, die Vakzine nur noch an Personen über 60 Jahre zu verimpfen. Seit dem 01. Dezember 2021 wird Vaxzevria hierzulande gar nicht mehr verwendet.

Autor:
Stand:
17.05.2024
Quelle:
  1. Europäische Arzneimittelagentur (EMA), Vaxzevria Überblick, Stand 07. Mai 2024.
  2. Europäische Kommission, Durchführungsbeschluss, 27. März 2024.
  3. The Telegraph, Artikel, 28. April 2024.
  4. Robert Koch-Institut, Pressemitteilung, 30. März 2021.
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