Albträume als Vorboten einer Demenz

Die MIDUS-Studie zeigte, dass Personen ein deutlich erhöhtes Demenzrisiko haben, wenn sie in mittleren Lebensjahren regelmäßig Albträume haben. Einen genetischen Zusammenhang gebe es dabei nicht. Inwiefern REM-Schlaf-Verhaltensstörungen dabei eine Rolle spielen, wurde in diesem Fall nicht geklärt.

Albtraeume

Beim 10. Kongress der European Academy of Neurology (EAN) wurde eine neue Studie vorgestellt, die zeigte, dass Albträume in mittleren Lebensjahren mit einem deutlich erhöhten Risiko für eine spätere Demenz assoziiert sind. Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen Patienten, die zu Studienbeginn wöchentlich Albträume angegeben hatten, ein vierfach höheres Risiko hatten, später an Demenz zu erkranken. Darüber hinaus hatten ältere Erwachsene, die über Albträume berichteten, ein zweifach erhöhtes Risiko für eine Demenz. Es bleibt unklar, ob diese Träume einen kausalen Risikofaktor darstellen, frühe Anzeichen einer beginnenden Demenz sind oder ob ein ganz anderer Mechanismus dahintersteckt.

Studienteilnehmer wurden bis zu 13 Jahren beobachtet

Das Risiko eines kognitiven Rückgangs wurde dabei zunächst bei 605 Erwachsenen mittleren Alters aus der Midlife in the United States (MIDUS)-Studie untersucht. Alle Teilnehmer wiesen zu Beginn der Studie einen normalen kognitiven Zustand auf und wurden über einen Zeitraum von bis zu 13 Jahren beobachtet. Ein kognitiver Rückgang wurde definiert als eine jährliche Abnahmerate der globalen kognitiven Funktion, die ≥1 Standardabweichung über der mittleren Abnahmerate vom Ausgangswert bis zur Nachuntersuchung lag. Die Häufigkeit beunruhigender Träume wurde in allen Kohorten zu Beginn der Studie anhand des Pittsburgh Sleep Quality Index erhoben.

Kein Zusammenhang zwischen Albträumen und genetischen Faktoren gefunden

Neu ist nun, dass auch genetische Daten einer Subgruppe analysiert worden sind. Dazu wurden Blut- und Speichelproben sowie Aufzeichnungen über Vorerkrankungen in der Familie ausgewertet. Auch hier blieb der Zusammenhang zwischen Albträumen und kognitivem Verfall sowie Demenz stabil. Außerdem wurde festgestellt, dass es in keiner der untersuchten Altersgruppen einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Häufigkeit belastender Träume und genetischen Faktoren gab.

Besteht ein Zusammenhang mit einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung?

In der aktuellen Studie wurde jedoch nicht untersucht, ob die Teilnehmer unter einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung litten. Prof. Dr. Sebastiaan Engelborghs, Lehrstuhlinhaber für Neurologie an der Vrije Universiteit Brussel, Brüssel, und Ko-Vorsitzender des EAN Scientific Panel on Dementia and Cognitive Disorders, kommentierte die Studie. Er erklärte, dass bekannt sei, dass REM-Schlaf-Verhaltensstörungen einer Demenz um viele Jahre vorausgehen können. Albträume oder beunruhigende Träume gehören dabei zu den Schlüsselsymptomen.

Behandlung von Schlafproblemen reduziert Demenzrisiko nicht

Engelborghs erklärt dazu weiter: „Das ist auch der Grund, warum wir kognitiv gesunde Personen, die sich mit Albträumen vorstellen, welche auf eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung hindeuten, zu Folgeterminen einladen: Wir wissen, dass sie ein erhöhtes Risiko haben, an Demenz zu erkranken, und wir teilen ihnen das mit.“ Außerdem weist er noch darauf hin, dass die Behandlung von Schlafsymptomen das Demenzrisiko nicht verringere. Hier müssten dann andere Maßnahmen ergriffen werden, die das Demenzrisiko senken bzw. den Verlauf verlangsamen können. 

Autor:
Stand:
10.09.2024
Quelle:
  1. 10. Kongress der European Academy of Neurology (EAN) 2024, 29. Juni bis 2. Juli 2024, Helsinki, Finnland
  2. Otaiku (2022): Distressing dreams, cognitive decline, and risk of dementia: A prospective study of three population-based cohorts. eClinicalMedicine, DOI: 10.1016/j.eclinm.2022.101640.
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