Indigene Bevölkerungsgruppen leben weltweit unter herausfordernden Bedingungen. Soziale, kulturelle und wirtschaftliche Disparitäten begünstigen chronische Erkrankungen wie Demenz, eine Erkrankung, deren Prävalenz in den kommenden Jahrzehnten global ansteigen wird. Besonders in Ländern mit einem sehr hohen Index der menschlichen Entwicklung (HDI ≥0,8) zeigen sich Unterschiede zwischen indigenen und nicht-indigenen Bevölkerungsgruppen.
Untersuchung der Prävalenz und Risikofaktoren
Eine systematische Übersichtsarbeit analysierte Daten aus 23 Studien zu indigenen Bevölkerungen aus Australien, Neuseeland, Kanada, den USA, Singapur und Malaysia. Es wurden sowohl Punkt- als auch Periodenprävalenzen betrachtet. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Prävalenz von Demenz bei indigenen Bevölkerungen in jüngeren Altersgruppen deutlich höher ist. Zum Beispiel betrugen die altersstandardisierten Prävalenzraten in Australien das 2,5- bis 5,2-Fache der Vergleichsgruppe der Nicht-Indigenen. Ähnliche Trends fanden sich bei den Māori in Neuseeland sowie den malaysischen Melanau und singapurischen Malaien. Ein weiterer bemerkenswerter Befund: Während Demenz in höheren Altersgruppen bei indigenen und nicht-indigenen Bevölkerungen ähnlich häufig auftrat, war der Unterschied bei jüngeren Gruppen (<70 Jahre) am stärksten ausgeprägt.
Begrenzte indigene Perspektiven
Die Studienqualität wurde mittels JBI-Risiko-Bewertungstools und CONSIDER-Kriterien analysiert. Es zeigte sich ein moderates Bias-Risiko in 14 Studien. Trotz klarer Hinweise auf höhere Prävalenzen bei indigenen Gruppen blieb der Einbezug indigener Perspektiven begrenzt. Ein Drittel der Studien betonte den Mangel an kulturell angepassten Diagnoseverfahren und die unzureichende Einbindung indigener Forschender.
Kultursensitive Ansätze und Präventionsstrategien im Fokus
Die Ergebnisse dieser Übersichtsarbeit verdeutlichen die Notwendigkeit kultursensitiver Ansätze in Prävention, Diagnostik und Behandlung von Demenz. Gemeinschaftsorientierte Interventionen, die kulturelle Stärken indigener Bevölkerungen – etwa enge familiäre Bindungen und traditionelle Wissenssysteme – einbeziehen, könnten soziale Isolation und kognitive Risikofaktoren verringern. Zudem muss die strukturelle Integration indigener Perspektiven in Forschungsdesigns gewährleistet werden.





