Rund ein 20 bis 30 % der pädiatrischen Epilepsien sprechen nicht ausreichend auf Antiepileptika an. Die ketogene Diät ist seit Jahrzehnten eine etablierte Therapieoption bei Kindern mit therapieresistenter Epilepsie. Die Einhaltung der Diät erfordert eine regelmäßige Kontrolle der Ketonkörper, insbesondere des Beta-Hydroxybutyrats (BHB). Urintests sind zwar leicht durchzuführen, liefern jedoch unzuverlässige Ergebnisse. Blutentnahmen liefern verlässlichere Ergebnisse, bedeuten für Kinder und Eltern jedoch eine erhebliche Belastung.
Vergleich von Blut- und Speichelproben
Eine prospektive Kohortenstudie am Shenzhen Children’s Hospital in Kooperation mit der Monash University untersuchte die Korrelation zwischen Serum-, Kapillar- und Speichel-BHB-Konzentrationen. Gleichzeitig wurde ein elektrochemisches Point-of-Care-Device (MX3 LAB) validiert.
Zwischen Januar 2020 und Juni 2021 nahmen 42 Kinder unter 18 Jahren teil, die stationär zur Einleitung der ketogenen Diät aufgenommen waren. Über sieben Tage wurden zweimal täglich Speichel- und Kapillarproben sowie Serumproben am ersten und letzten Tag erhoben. Die Ergebnisse wurden in 'Epilepsia' publiziert.
Starke Korrelation zwischen Speichel- und Blutwerten
Insgesamt wurden 71 Serum- und 334 Kapillarblutproben mit korrespondierenden Speichelproben analysiert. Die mittels LCMS bestimmten Speichel-BHB-Werte korrelierten ausgeprägt mit Serum (Spearman’s ρ = 0,910) und Kapillarblut (ρ = 0,865). Die Speichelkonzentration lag im Mittel bei 6 % des Serum- und 7 % des Kapillarwertes.
MX3 LAB überzeugt durch Genauigkeit und Zuverlässigkeit
Das MX3 LAB-System erwies sich als hochpräzise im Vergleich zur LCMS-Referenzmethode (ICC(A,k) = 0,983; 95 %-KI: 0,980–0,986). Die Speichelmessung sagte Kapillar-BHB im therapeutischen Bereich von 2–5 mM zuverlässig voraus. Die Ergebnisse waren unabhängig von der Probenaufbereitung konsistent – egal, ob die Speichelproben zentrifugiert oder direkt analysiert wurden.
Schnelle Ergebnisse ohne schmerzhafte Blutentnahme
Die Studienautoren betonen die einfache Handhabung des Speicheltests. Erstautorin Dr. Neha Kaul beschreibt den Vorteil so: „Alles, was nötig ist, ist, dass die Zunge für wenige Sekunden den Teststreifen berührt. Nach 30 Sekunden liegt das Ergebnis vor – ganz ohne den schmerzhaften Pieks in den Finger.“ Gerade im häuslichen Umfeld könnte er die tägliche Überwachung der Diät deutlich vereinfachen.
Fazit: Speicheltest als verlässliche Monitoring-Option
Die Studie zeigt eine starke Korrelation zwischen Speichel- und Blut-BHB-Werten bei Kindern mit therapieresistenter Epilepsie unter ketogener Diät. Unklar ist, ob die Methode auch bei Säuglingen oder in der Langzeitbehandlung vergleichbare Ergebnisse liefert – hierzu sind weitere Studien notwendig.





