
Glioblastome gehören zu den gefürchtetsten Krebserkrankungen. Sie sind hochaggressiv und enden nach relativer kurzer Zeit mit dem Tod. Eine effektive Therapie gibt es nicht. Alle bislang untersuchten Forschungsansätze wirkten sich nur unwesentlich auf die Überlebenszeit Betroffener aus.
Mainzer Wissenschaftler untersuchten aktuell einen neuen Ansatz [1]. Sie kombinierten zwei Angiogenesehemmer mit einem Chemotherapeutikum und wollten so Wachstum und Ausbreitung von Glioblastomen stoppen. Nach Einschätzung der Wissenschaftler ist dieser Weg vielversprechend. Ihre Forschungsergebnisse wurden im Fachmagazin EMBO Molecular Medicine publiziert [2].
Glioblastome: aggressives Wachstum, letale Prognose
Die häufigsten bösartigen Hirntumore sind Glioblastome. Betroffen ist das Stützgewebe im Gehirn, die Gliazellen. Glioblastome wachsen aggressiv, Ausbreitung und Infiltration erfolgen rasant, die Prognose ist düster. Selbst nach erfolgreicher, aktuell gängiger Therapie aus operativer Tumorresektion, Bestrahlung und Chemotherapie treten innerhalb eines Jahres Rezidive auf. Betroffene versterben im Schnitt etwa 15 Monate nach Erstdiagnose. Nur sehr wenige Erkrankte überleben mehrere Jahre. Viele Glioblastom-Patienten sind noch relativ jung. Die meisten Erkrankungen treten zwischen dem 45. und 70. Lebensjahr auf. Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen.
Kombinationstherapie aus Anti-VEGF, Anti-EGFL7 und Temozolomid
Der Forschungsansatz der Wissenschaftler unter der Leitung von Professor Dr. Mirko HH Schmidt vom Institut für Mikroskopische Anatomie und Neurobiologie der Universitätsmedizin Mainz setzt auf eine Kombinationstherapie. Die Forschergruppe nutzt zwei derzeit gängige Behandlungsformen: die Anti-vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktor-Therapie (Anti-VEGF) und das Chemotherapeutikum Temozolomid. Diese Kombination erweiterten sie um die Hemmung des Faktors EGFL7 (epidermaler Wachstumsfaktor domain-like 7). Die EGFL7-Hemmung wird durch einen spezifischen blockierenden Antikörper erreicht.
EGFL7 ist bislang nur wenig erforscht. Es machte aber in jüngster Zeit als Wirkverstärker von Behandlungen bei Multipler Sklerose und Schlaganfall Schlagzeilen.
Angiogenese inhibiert - Überlebensdauer verlängert
Der vaskulär endotheliale Wachstumsfaktor VEGF bindet an Rezeptoren von Endothelzellen und reguliert das Auswachsen von Blutgefäßen. Der epidermale Wachstumsfaktor EGFL7 wirkt über eine Erhöhung von Integrin α5β1 auf der Zelloberfläche von Endothelzellen ebenfalls proangiogen. Um die Tumor-Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen bestmöglich sicherzustellen, fördert EGFL7 die Reifung der neuen Blutgefäße. Eine Inhibition von EGFL7 müsste also die Anti-VEGF-induzierte Hemmung der Vaskularisierung von Gliomen verstärken, so die Idee der Wissenschaftler.
Im Mausmodellversuch erhöhte die Kombination der beiden Antikörper Anti-VEGF und Anti-EGFL7 zusammen mit dem alkylierenden Zytostatikum Temozolomid tatsächlich die Überlebensdauer der behandelten Tiere. Nager mit der Tripple-Therapie überlebten einige Tage länger als die Artgenossen in der Kontrollgruppe, die nur Anti-VEGF erhielten (87 vs. 80 Tage, n = 5, Logrank-Test).
Fazit
Die Studienergebnisse lassen den Schluss zu, dass ein kombiniertes Behandlungsschema aus Anti-VEGF, Anti-EGFL7 und Temozolomid als zukünftige Therapieoption für Glioblastome dienen kann. Da es derzeit keine effektive Therapie der tödlichen Hirntumore gibt, ist jeder neue Ansatz ein Gewinn. Die Hemmung der proangiogenen Proteine EGFL7 und VEGF in Verbindung mit dem Chemotherapeutikum konnte zumindest im Mausmodellversuch überzeugen. „Eine erweiterte Kombinationstherapie könnte der Diagnose ‚unheilbarer Hirntumor‘ einen Teil ihres Schreckens nehmen“, so Professor Schmidt.