Homozygoter APOE4-Status als eigene Alzheimer-Variante?

APOE4 gilt schon lange als Risikogen für Alzheimer-Demenz. Eine aktuelle Studie geht darüber hinaus und testet die Hypothese, ob ein homozygoter APOE4-Status als weitere Form der genetischen Alzheimer-Demenz gesehen werden kann.

Alzheimer Genetik

APOE4 und Alzheimer

Das Apolipoprotein E4 (APOE4) gilt als stärkster genetischer Risikofaktor für die häufigste Form von Demenz – Alzheimer. Apolipoprotein E ist ein bedeutendes Transportprotein, das Neurone mit Lipiden versorgt und damit für einen funktionierenden Fettstoffwechsel zur Gesunderhaltung des Gehirns notwendig ist. Zwei Polymorphismen im ApoE-Gen führen über den Tausch von Aminosäuren zur Ausbildung der drei Isoformen APOE2, APOE3 und APOE4. Es liegt ein deutlicher Gendosis-Effekt mit einem bis zu 12-fach erhöhten Alzheimer-Risiko bei Homozygotie für das APOE4-Allel vor.

Studie untersucht Einfluss von homozygotem APOE4-Status

Die Bedeutung von APOE4 in der Pathogenese von Alzheimer unterstreichen aktuelle Studienergebnisse, auf deren Grundlage die Autoren den homozygoten APOE4-Status nicht mehr nur als Risikofaktor, sondern als eigene genetisch bedingte Form von Alzheimer ansehen. Dr. Juan Fortea vom Biomedical Research Institute Sant Pau im spanischen Barcelona und sein Team untersuchten in der Studie den Einfluss eines homozygoten APOE4-Status auf die Alzheimer-Erkrankung. Durch die Beurteilung verschiedener Änderungen in Klinik, Pathologie und Biomarkern prüften sie, ob sich durch die Homozygotie für APOE4 eine eigenständige genetische Alzheimer-Form begründen lässt.

Homozygoter APOE4-Status mit erhöhter Amyloid-Last verbunden

Fortea et al. werteten die Daten des National Alzheimer’s Coordinating Center und von fünf großen Kohorten zu Alzheimer-Biomarkern mit mehr als 13.000 Personen aus. Die Ergebnisse zeigen, dass fast alle Personen, die homozygot für APOE4 waren, eine Alzheimer-Pathologie und signifikant höhere Biomarker-Level ab dem 55. Lebensjahr im Vergleich zu APOE3-homozygoten Kontrollen zeigten. Der Unterschied wurde mit zunehmendem Alter noch deutlicher. Im Alter von 65 Jahren wiesen nahezu alle homozygoten APOE4-Träger abnorme Amyloid-Spiegel im Liquor auf und bei 75% zeigten sich positive Amyloid-Befunde in der zerebralen Bildgebung.

Früherer Symptombeginn bei homozygotem APOE4-Status

Die homozygoten APOE4-Träger zeigten einen früheren Symptombeginn mit einem Alter von 65,1 Jahren im Vergleich zu APOE3-homozygoten Personen. Die Vorhersagbarkeit des Symptombeginns und die Abfolge der Biomarkerveränderungen bei APOE4-Homozygoten war vergleichbar mit autosomal dominanter Alzheimer-Demenz und Down-Syndrom. Interessanterweise waren die Unterschiede in der Amyloid- und Tau-Positronen-Emissions-Tomografie im Stadium der Demenz nicht unterschiedlich zwischen den verschiedenen Haplotypen.

Studienergebnisse zeigen homozygoten APOE4-Status als genetische Variante von Alzheimer

In Anbetracht der Studienergebnisse folgern die Autoren, dass der homozygote APOE4-Status eine weitere genetische Form von Alzheimer präsentiert. Die Ergebnisse deuten auf eine nahezu vollständige Penetranz hin, da die abnormen Amyloidwerte und die positiven Amyloid-Scans mit dem Alter zunahmen. Fortea und Team erachten daher individualisierte Strategien für Prävention, klinische Studien und Therapien für homozygote APOE4-Träger als notwendig.

APOE4-Status zukünftig testen?

Sollte man mit Blick auf die Ergebnisse der vorliegenden Studie nun routinemäßig den APOE-Status bestimmen? Diese Frage beantwortete Prof. Dr. Elisabeth Stögmann, Leiterin der Ambulanz für Gedächtnisstörungen und Demenzen an der Medizinische Universität Wien, dem Science Media Center: „Eine präsymptomatische Testung von APOE für die Diagnostik oder für die prognostische Fragestellung bei Demenz sollte aber nicht generell empfohlen werden, da ein APOE4 heterozygoter Trägerstatus in Bezug auf die Sicherung einer ätiologischen Demenzdiagnose eine zu geringe Aussagekraft hat und das Wissen um einen genetischen Risikofaktor belastend sein kann“.

Autor:
Stand:
10.06.2024
Quelle:
  1. Fortea et al. (2024): APOE4 homozygozity represents a distinct genetic form of Alzheimer’s disease. Nature Medicine, DOI: https://doi.org/10.1038/s41591-024-02931-w
  2. Science Media Center: APOE4: Vom Risikogen zur genetischen Alzheimer-Erkrankung, 06.05.2024; abgerufen am 22.05.2024
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden