Kognitive Defizite bei MS frühzeitig erkennen

Forscher aus den Niederlanden verbinden in ihrer Studie zu kognitiven Defiziten bei MS die Frequenz und den Verlauf der kognitiven Einbußen mit MRT-Daten, um weitere Erkenntnisse zu den Hintergründen der kognitiven Einschränkungen zu erhalten.

Demenz Puzzle

Etwa jede zweite Person mit Multipler Sklerose (MS) wird im Verlauf der Erkrankung kognitive Einschränkungen erfahren und damit in ihrem Alltag und bei der Arbeit eingeschränkt sein. Die kognitiven Veränderungen bei MS äußern sich vor allem durch kognitive Verlangsamung, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme sowie Beeinträchtigungen der exekutiven Funktionen. Der kognitive Status bei MS gilt als Prädiktor für Berufsfähigkeit und frühzeitige Berentung. Ein regelmäßiges und frühzeitiges Screening der kognitiven Leistungsfähigkeit ist damit von besonderer Bedeutung und sollte isolierte kognitive Defizite in nur einer Domäne mit berücksichtigen.

Frühzeitiges und geeignetes Screening auf kognitive Defizite bei MS notwendig

Viele MS-Studien, die kognitive Outcomes mit einbeziehen, nutzen zur Messung des kognitiven Status breit angelegte neuropsychologische Testbatterien wie den BRB (Rao Brief Repeatable Battery of Neuropsychological Test). In den heterogenen Daten gehen Einbußen in einer einzelnen Domäne aber unter und werden im Gesamtscore durch gute Leistungen in den anderen Domänen überdeckt. Dies verhindert frühzeitige und individualisierte Behandlungsansätze. Außerdem ist es wichtig auch isolierte kognitive Defizite frühzeitig zu erkennen, da diese Einschränkungen in einer Domäne Vorboten für zukünftige kognitive Beeinträchtigungen sind.

Studie untersucht Häufigkeit, Verlauf und MRT-Daten von isolierten kognitiven Defiziten

Angesichts der Bedeutung eines frühzeitigen Screenings auf isolierte kognitive Defizite bei MS und dem Bedarf an weiteren Studien in diesem Bereich, untersuchten Forscher aus den Niederlanden um Dr. Piet Bouman von der Universität Amsterdam die Häufigkeit isolierter kognitiver Defizite, Domänen-spezifische Korrelate in der MRT-Bildgebung und die Langzeitentwicklung der Kognition bei MS-Patienten.

Gezieltes Screening auf isolierte kognitive Defizite

Die Forscher werteten die Daten von 348 MS-Patienten aus (mittleres Alter 48±11 Jahre; 67% weiblich). Einschlusskriterien waren MS-Diagnose vor zehn Jahren, neuropsychologische Tests (erweiterterter Brief Repeatable Battery of Neuropsychological Test [BRB-N]) bei Symptombeginn und nach fünf Jahren sowie Durchführung einer strukturellen MRT zum Zeitpunkt des Symptombeginns.

Ein isoliertes kognitives Defizit wurde definiert als Z-Score von mindestens 1,5 Standardabweichungen unter dem Normwert in einer Domäne (Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, Langzeitgedächtnis, exekutive Funktionen/Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeit). Eine Beeinträchtigung mehrerer Domänen wurde bei Einschränkungen in zwei und mehr Domänen definiert.

Exekutive Funktionen und Arbeitsgedächtnis am häufigsten isoliert betroffen

Zum Zeitpunkt des Studieneinschlusses wiesen 108 (31%) Teilnehmer isolierte kognitive Einschränkungen auf, bei 148 (43%) Teilnehmern waren mehrere Domänen betroffen. Die häufigsten Domänen, die von isolierten kognitiven Einschränkungen betroffen waren, sind:

  • Exekutive Funktionen/Arbeitsgedächtnis (37 Teilnehmer)
  • Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit (25 Teilnehmer)
  • Langzeitgedächtnis und Aufmerksamkeit (jeweils 23 Teilnehmer).

MRT-Befunde und Verlauf

In der MRT zeigten sich kortikale Atrophien und eine fraktionelle Anisotropie vor allem in Assoziation mit Einschränkungen in der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit. Gedächtnisprobleme gingen mit einem verringerten Volumen von Kortex und Hippocampus einher. Zu den Domänen exekutive Funktionen und Arbeitsgedächtnis fanden die Forscher keine entsprechenden Korrelate in der Bildgebung.

Im Verlauf nahmen die kognitiven Einschränkungen bei 69% der Teilnehmer zu, die anfangs isolierte Beeinträchtigungen der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit gezeigt hatten. Die Zunahme an kognitiven Einbußen bei anderen isolierten kognitiven Einschränkungen zu Beginn bewegten sich zwischen 18% bis 31%.

Ergebnisse bekräftigen frühzeitiges Screening und Therapie

Die Studienergebnisse zeigen, dass isolierte kognitive Defizite in einer Domäne häufig bei MS-Patienten vorliegen und als Prädiktor für einen zunehmenden kognitiven Abbau anzusehen sind, vor allem wenn die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit zuerst betroffen ist. Angesichts dessen empfehlen die Autoren rechtzeitige und individualisierte Interventionen, insbesondere bei Einbußen in der Verarbeitungsgeschwindigkeit.

Autor:
Stand:
26.02.2024
Quelle:

Bouman et al. (2024): Isolated cognitive impairment in people with multiple sclerosis: frequency, MRI patterns and its development over time. Journal of Neurology, DOI: https://doi.org/10.1007/s00415-024-12185-8

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