Fatigue und Behinderung bei multipler Sklerose
Fatigue ist eines der häufigsten Symptome bei Multipler Sklerose (MS). Es gibt verschiedene Studien, die bereits Zusammenhänge zwischen Fatigue, Behinderung und täglicher Aktivität von MS-Patienten untersucht haben. Allerdings unterschieden sich die Messmethoden, die in den verschiedenen Studien verwendet wurden, und es ist nicht klar, ob und inwieweit die Ergebnisse tatsächlich übertragbar auf die Alltagsaktivität der Betroffenen sind.
Korrelationen mit der realen Aktivität
Eine Studie um den Erstautor Marko Lustarinen vom Institut für Biomedizin und Sportmedizin an der Universität von Ost-Finnland in Kuopio wendete nun erstmals verschiedene physische Leistungstests und Skalen gleichzeitig und in Kombination mit einer mehrtägigen Accelerometer-Untersuchung zur Alltagsaktivität an, um die Beziehungen zwischen schubförmiger MS (relapsing-remitting MS [RRMS]), Behinderung, Fatigue und der täglichen Aktivität der Patienten untersuchen.
Die Studie hatte zum Ziel, festzustellen, ob und wie verschiedene traditionelle Methoden zur Ermittlung von Behinderung und Fatigue mit der realen körperlichen Aktivität im Alltag, gemessen mit einem Accelerometer, korrelieren.
Skalen und Tests im Überblick
Folgende Skalen und Tests wurden in der prospektiven Durchschnittsstudie mit RRMS-Patienten mit einem Behinderungsgrad von 0-5,5 nach der Expanded Disability Status Skala (EDSS: 0=keine Behinderung/10=Tod infolge der Erkrankung) und 20 gesunde Kontrollen durchgeführt:
- Modified Fatigue Impact Scale (MFIS) (Gesamtscore: 0-84); schwere Fatigue bei ≥28 Punkten
- Fatigue Severity Scale (FSS); Fatigue ab einem Mittelwert von ≥4; schwere Fatigue ab >5
- MS Functional Composite (MSFC) Test (7,6m-Gehstrecke, 9-Loch-Steckbrett und PASAT3-Test)
- 6-Minuten-Gehtest.
Zusätzlich wurde der EDSS der Teilnehmer mit RRMS evaluiert.
Ermittlung der täglichen Aktivität
Nach den obengenannten Tests erhielten alle Teilnehmer ein Accelerometer, das sie über ≥600 Minuten täglich über einen Zeitraum von 6-8 Tagen tragen sollten. Die Einteilung der Level physischer Aktivität (PA) wurden vom Gerätehersteller übernommen:
- sitzende Lebensweise (sedentary [SED])
- leicht (LPA)
- moderat (MPA)
- intensiv (vigorous) (VPA)
- sehr intensive physische Aktivität.
Für die Analyse wurden moderate bis intensive PA als MVPA und leichte bis sehr intensive PA als MVPS abgekürzt. Die Teilnehmer sollten darüber hinaus ein Tagebuch über ihre täglichen Aktivitäten führen.
Fatigue nimmt mit Behinderungsgrad zu
An der Studie nahmen 41 RRMS-Patienten mit einem EDSS von 0-5,5 und 20 gesunde Kontrollen teil. RRMS-Patienten mit einem EDSS von 0-2,5 hatten signifikant höhere Fatigue-Level als gesunde Kontrollen. Diese lagen aber wiederum unter den Fatigue-Level von RRMS-Patienten mit einem EDSS von 3-5,5.
In der Studie zeigten sich signifikante Pearson-Korrelationen (r) zwischen den beiden Fatigue-Skalen und dem Behinderungsgrad EDSS sowie dem MSFC in der Patientengruppe.
Die gesamte tägliche Aktivität korrelierte signifikant mit dem FSS. Zwischen EDSS und MSFC wurde keine Korrelation gefunden.
Aktivitätslevel als Prädiktor für Fatigue
Die Stärken der Studie bestehen im Gegencheck der Ergebnisse durch die Anwendung verschiedener Methoden zur Ermittlung von Fatigue und Behinderung, ihre Schwäche in der geringen Teilnehmerzahl.
Fatigue spielt eine wichtige Rolle bei MS und trägt zur Behinderung der Patienten bei. In der Studie wurde eine signifikante Korrelation zwischen Fatigue und Behinderung gefunden. Auch die tägliche Aktivität war mit dem Fatigue-Level korreliert. Insgesamt waren ein niedriger Behinderungsgrad, eine bessere physische Kondition und eine höhere tägliche Aktivität Prädiktoren für niedrigere Fatigue-Level. Daraus schließen die Autoren, dass ein individuell angepasstes Aktivitätsprogramm für MS-Patienten zum Erhalt von Funktionen und zur Reduktion von Fatigue beitragen könnte.





