Nachtschichtarbeiter als vulnerable Gruppe für neurodegenerative Erkrankungen?
Alzheimer und andere Demenzen sind chronische progressive neurodegenerative Konditionen. Aufgrund der Alterung der Gesellschaft wird die Prävalenz der Erkrankungen steigen. Es ist daher wichtig vulnerable Gruppe zu identifizieren, die von Prävention und/oder Interventionsstrategien profitieren würden.
Eine solche Gruppe könnten Nachtschichtarbeiter sein, die in Amerika ca. 20% der arbeitenden Bevölkerung ausmachen. Das Arbeiten in der Nacht und Schlafen am Tag ist eine Herausforderung für den Schlaf-Wach-Rhythmus und die zirkadianen Systeme des Körpers.
Neurodegenerative Erkrankungen durch Schichtarbeit?
Eine Arbeit postuliert, dass Umwelteinflüsse, wie beispielsweise Schichtarbeit, Schlafunterbrechungen und Dysfunktionen des zirkadianen Rhythmus fördern und letztendlich über ß-Amyloid- und tau-Akkumulation, oxidativen Stress und Neuroinflammation zur Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen führen können. Studien mit ehemaligen Schichtarbeitern zeigten, dass diese Unterbrechungen des Schlafs und des zirkadianen Rhythmus nach deren Rückkehr zu regulären Schlaf-Wach Zeitplänen im Ruhestand anhalten können. Langfristige Schichtarbeit könnte daher persistierende Effekte auf die spätere kognitive Funktion und das Alzheimer/Alzheimer-Demenz-Risiko haben.
Schichtarbeit beeinträchtigt kognitive Funktionen
Studien, die Langzeiteffekte der Schichtarbeit auf die kognitive Funktion untersuchten, haben gemischte Ergebnisse. Einige von ihnen zeigten Verbindungen zwischen Schichtarbeit und Demenz, während andere dies nicht sahen. Dies könnte durch Inkonsistenzen bezüglich der Definition des Ruhestandstatus und der Schichtarbeit und verschiedenen kognitiven Untersuchungen der Fall sein.
Studie untersuchte Langzeiteffekte der Nachtschichtarbeit auf Kognition
Um diese Limitationen zu überwinden, untersuchte eine aktuelle Studie die neurokognitive Funktion von pensionierten Nachtschichtarbeitern versus Tagarbeitern mit Hilfe verschiedener neurokognitiver Tests.
Insgesamt wurden 61 Studienprobanden eingeschlossen. Davon waren 31 Tagarbeiter und 30 Nachtschichtarbeiter im Ruhestand. Das mittlere Alter betrug 67,9 Jahre. 61% der Teilnehmer waren Frauen. Die Studienteilnehmer aus der Nachtschichtarbeitergruppe arbeiteten im Durchschnitt 23 Jahre komplett im Nachtschichtmodus. Die pensionierten Tagarbeiter hatten im Durchschnitt 40 Arbeitsjahre hinter sich. Beide Gruppen waren ähnlich lang pensioniert (5 Jahre Nachtschichtarbeiter; 6 Jahre Tagarbeiter).
Ex-Nachtschichtarbeiter: Defizite bei exekutiver Funktion und Aufmerksamkeit
Die ehemaligen Nachtschichtarbeiter berichteten über eine schlechte Schlafeffizienz (p=0038), Schlafqualität (p=0,011) und geringere Schlafdauer (p=0,075). Sie wiesen eine schwächere kognitive Leistung im Vergleich zu den früheren Tagarbeitern auf. Insbesondere die Aufmerksamkeit (p<0,05) und die exekutive Funktion (p<0,01) waren signifikant schlechter im Vergleich zu den ehemaligen Tagarbeitern.
Diese neurologischen diskreten Einschränkungen, sogenannte soft signs, der exekutiven Funktion und Aufmerksamkeit wurden sowohl bei der subkortikalen ischämischen vaskulären Demenz als auch bei Alzheimer berichtet. Dies könnte ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko einer zukünftigen Demenz nach jahrelanger Nachtschichtarbeit sein. Interessanterweise wurde keine Korrelation zwischen der Gesamtzahl der an Schichtarbeit geleisteten Jahre und dem kognitiven Outcome gefunden.
Einfluss des aktuellen Schlafs auf Kognition ausgeschlossen
Um auszuschließen, dass die Defizite der Kognition mit dem aktuellen Schlaf der Probanden zusammenhingen, untersuchten die Forscher zudem mögliche Korrelationen zwischen Schlafparametern (Schlafzeiten, Regularität und Schlafunterbrechungen) und Aufmerksamkeit bzw. exekutiver Funktion. Keine der Charakteristika korrelierte mit den kognitiven Funktionen.
Limitationen der Studie und Follow-Up
Aufgrund des Studiendesigns können die Autoren keine Aussagen darüber treffen, ob die Einschränkungen der kognitiven Funktion während der Schichtarbeit begannen und bis in die Pensionierung reichten oder sich erst nach der Pensionierung manifestierten. Die Studienautoren empfehlen Follow-Up-Untersuchungen der pensionierten Nachtschichtarbeiter, um zu bestimmen, ob die kognitive Leistung weiter abnimmt.




