Vorteile von psychiatrischen Patientenverfügungen

Patientenverfügungen sind für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen umstritten, daher kommen diese sogenannten Odysseus-Verfügungen in Deutschland sowie in vielen anderen Ländern bislang noch nicht zum Einsatz.

Patientenverfügung

Einsatz von Patientenverfügungen

Mit Hilfe einer schriftlichen Patientenverfügung können Patienten im Falle, dass sie selbst nicht mehr einwilligungsfähig sind, vorsorglich ihren eigenen Willen in medizinischen Angelegenheiten festlegen. Während diese Verfügungen in Kontexten körperlicher Beeinträchtigungen bereits weitreichende Anwendung finden, bleibt ihre Verwendung in Szenarien psychischer Beeinträchtigungen in vielen Ländern, einschließlich Deutschland, ein umstrittenes und daher selten genutztes Instrument.

Was genau ist eine Odysseus-Verfügung?

Bei der Odysseus-Verfügung handelt es sich um eine spezielle Form der Patientenverfügung. Sie ermöglicht es diesen Patienten, im Voraus bestimmte ärztliche Behandlungen zu genehmigen oder abzulehnen, und somit ihre Präferenzen bezüglich zukünftiger psychiatrischer Behandlungen festzulegen.

Einsatzbereiche

Patienten mit psychischen Beeinträchtigungen können für den Fall, dass sie im Verlauf ihrer Erkrankung dauerhaft oder phasenweise einwilligungsunfähig sind, mit Hilfe einer Odysseus-Verfügung Wünsche im Hinblick auf ihre psychiatrische Behandlung festlegen. Dies könnte eine frühzeitige Einleitung psychiatrischer Maßnahmen, wie einer Zwangseinweisung oder -behandlung, ermöglichen, ohne dass zunächst eine erhebliche gesundheitliche Gefahr für den Patienten entstehen muss.

Autonomie und Prävention im Fokus

Durch den Einsatz von Odysseus-Verfügungen entstehen einige wesentliche Vorteile. Die betroffenen Patienten erreichen mehr Autonomie und können so soziale und finanzielle Schäden, die in bestimmten Phasen ihrer Erkrankung entstehen könnten, verhindern. Durch die Festlegung einer speziellen Patientenverfügung bekommen die Betroffenen mehr Kontrolle über ihr Leben und ihre Behandlung.

Außerdem können Betroffene dadurch die therapeutische Beziehung sowie die Beziehung zu Angehörigen verbessern und davon langfristig profitieren. Ein frühzeitiges Eingreifen zu Beginn einer Krise macht es darüber hinaus wahrscheinlicher, dass die Patienten insgesamt kürzer in der Klinik bleiben müssen.

Risiken und Umsetzungsfragen

Die Gefahr der Einflussnahme von Angehörigen oder Ärzten auf den Patienten ist ein häufig genanntes Risiko bei der Erstellung einer Odysseus-Verfügung.

Da die Verfügung einzig und allein den Willen des Patienten widerspiegeln soll, ist es notwendig, dies zu gewährleisten, bevor die Verfügungen zum Einsatz kommen können. Eine mögliche Strategie zur Gewährleistung der Authentizität des Patientenwillens könnte die Anwesenheit einer neutralen Partei während der Erstellung der Verfügung sein. Auch Fragen bezüglich der praktischen Umsetzung müssen im Vorfeld beantwortet werden. Diesbezüglich empfehlen Forschende die Nutzung einer datenschutzkonformen digitalen Infrastruktur.

Schlüsselfaktoren für die Effektivität der Verfügung

Eine erfolgreiche Umsetzung der Odysseus-Verfügung erfordert ausreichend Ressourcen. Dabei ist es nicht nur von Bedeutung, dass die Dokumente sorgfältig aufgesetzt werden, sondern auch ausführliche Besprechungen nach erfolgter Behandlung zwischen Betroffenen, Angehörigen und Ärzten stattfinden.

Diese Besprechungen können zur Optimierung der zum Einsatz kommenden Patientenverfügungen beitragen.

Autor:
Stand:
26.10.2023
Quelle:

Ruhr-Universität Bochum, Dr. Julia Weiler, Pressemeldung, 13.09.2023

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