Steigende Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen

Laut dem Fehlzeiten-Report 2023 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK sind arbeitsbezogene Beschwerden sowie Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen bei Arbeitnehmern seit der Covid-19-Pandemie stetig angestiegen.

Krankschreibung

Fehlzeiten-Report 2023

Aus einer Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zum diesjährigen Fehlzeiten-Report geht hervor, dass das Auftreten anhaltend hoher arbeitsbezogener Beschwerden sowie die steigenden Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen bei Arbeitnehmern deutlich zunehmen. Darüber hinaus beleuchtet der Bericht die Auswirkungen der aktuellen Krisen, insbesondere der Covid-19-Pandemie, auf Unternehmen und die Gesundheit der Beschäftigten.

Der Fehlzeiten Report wird jährlich in Kooperation des Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO), der Universität Bielefeld und der Berliner Hochschule für Technik veröffentlicht.
Der diesjährige Report enthält 32 Beiträge von 70 Experten und Expertinnen, die wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Zusammenhängen von Zeitenwende, Arbeit und Gesundheit diskutieren.

Psychische arbeitsbezogene Beschwerden

Die repräsentative Befragung der WIdO zeigt, dass das Auftreten von psychischen arbeitsbezogenen Beschwerden deutlich erhöht ist. Hierbei werden Erschöpfung, Wut, Verärgerung und Lustlosigkeit am häufigsten genannt. Im Durchschnitt führen psychische Erkrankungen im Vergleich zu anderen Krankheiten zu längeren Ausfallzeiten. Vor allem Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen und darüber hinaus die Branchen Öffentliche Verwaltung/Sozialversicherung, Banken/Versicherungen wiesen eine Vielzahl von beruflichen Fehltagen aufgrund psychischer Erkrankungen auf.

Fast 50% Anstieg bei psychischen Erkrankungen

Verglichen mit den Daten der letzten Jahre, ist die Zahl der Beschwerden seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie gestiegen. Im Jahr 2023 sind diese Zahlen im Vergleich zu den Höchstwerten während der Pandemie wieder leicht gesunken, jedoch liegen die Daten immer noch über dem Niveau der Messungen vor Beginn der Pandemie.

Dieser Trend spiegelt sich auch in der Anzahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen wider. Die Fehltage sind im Zeitraum von 2012 bis 2022 um 48% gestiegen, während andere Erkrankungsgruppen einen Anstieg von 35% verzeichnen. Der Anstieg von 35% bei allen anderen Erkrankungsgruppen wird zum größten Teil von den pandemiebedingten Atemwegserkrankungen verursacht.

Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Arbeitswelt

Die Covid-19-Pandemie hat eine "Zeitenwende" in der Arbeitswelt ausgelöst, insbesondere durch die weit verbreitete Einführung von Homeoffice und mobiler Arbeit. Da diese Umstellung sowohl positive Effekte (mehr Flexibilität und Arbeitszufriedenheit) als auch negative Effekte (Entgrenzung der Arbeit, soziale Isolation, Distanzierung vom Unternehmen) mit sich bringen kann, ist es umso wichtiger, die mentale Gesundheit der Arbeitnehmer zu stärken und Probleme frühzeitig zu erkennen.

Auswirkungen der jüngsten Krisen auf Unternehmen und Beschäftigte

Laut einer repräsentativen Befragung nehmen 47% der Beschäftigten starke bis sehr starke Veränderungen in ihren Betrieben oder Organisationen wahr, wobei die Covid-19-Pandemie als Haupttreiber für diese Veränderungen genannt wird. Weitere Faktoren für diese Veränderungen stellen technologische Entwicklungen und deren Möglichkeiten dar.

Trotz der erheblichen Unsicherheiten aufgrund von aktuellen Krisen, einschließlich der gegenwärtigen kriegerischen Konflikte, bewerten die meisten Arbeitnehmer ihre Unternehmenssituation als positiv. Darüber hinaus sind 45% der Befragten der Meinung, dass ihr Betrieb oder ihre Organisation eine ausgeprägte Zukunftsfähigkeit hat. Da eine positive Einschätzung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens mit der Gesundheit der Mitarbeiter korreliert, handelt es sich dabei um ein sehr erfreuliches Ergebnis der Umfrage.

Zentrale Beobachtungen des Reports

Die Befragung zum Fehlzeiten-Report 2023 zeigt, dass es in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg von Fehlzeiten durch psychische Belastungen aufgrund von Arbeitsproblemen, insbesondere während der Corona-Pandemie, gab. Unternehmen, die von ihren Mitarbeitern als zukunftsfähig eingeschätzt werden, verzeichnen im Schnitt weniger berufliche Fehlzeiten und haben darüber hinaus gesündere Mitarbeiter.

Eine positive Einschätzung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens korreliert mit einer geringeren Anzahl von Fehltagen und einer besseren Gesundheit der Arbeitnehmer. Die Ergebnisse machen deutlich, dass sich die einzelnen Unternehmen insbesondere um die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeiter sowie um deren positive Einschätzung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens bemühen sollten, um zukünftig hohen Fehlzeiten entgegenzuwirken.

Autor:
Stand:
11.12.2023
Quelle:

Wissenschaftliches Institut der AOK, Pressemeldung, 18.10.2023

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden