Aktueller Stand der Behandlung von Wirbelgleiten
Degenerative Spondylolisthesis, auch Wirbelgleiten genannt, ist eine Verschiebung der Wirbel und geht häufig mit einer Spinalkanalstenose einher, die zu Rücken- und Beinschmerzen führt. Während die chirurgische Dekompression eine etablierte Behandlungsoption für symptomatische Patienten ist, bleibt die Rolle der Wirbelkörperfusion umstritten. Befürworter der Fusion argumentieren, dass sie die Stabilität erhöhen und Rezidive verhindern könnte. Kritiker weisen auf höhere Kosten, Risiken und mögliches Implantatversagen hin. Diese Unsicherheit erfordert weitere Forschung zur optimalen Therapiewahl.
Daten aus der NORDSTEN-DS-Studie zur Therapie von Wirbelgleiten
Eine norwegische Kohortenstudie, durchgeführt im Rahmen der Studie NORDSTEN-DS (Norwegian Degenerative Spondylolisthesis and Spinal Stenosis), untersuchte, ob die Berücksichtigung der individuellen Empfehlungen erfahrener Chirurgen zu besseren klinischen Ergebnissen führt als eine randomisierte Zuteilung der Behandlungsmodalitäten (Dekompression allein oder mit Fusion). Es wurde insbesondere analysiert, ob die Behandlung in Übereinstimmung mit der präferierten Methode der Chirurgen mit einer größeren Verbesserung der Patientenergebnisse assoziiert ist.
Primärer Endpunkt: Verbesserung des Oswestry Disability Index
Diese prospektive Kohortenstudie basiert auf Daten von 222 Patienten, die im Rahmen der NORDSTEN-DS-Studie behandelt wurden. Die Chirurgen aus 16 norwegischen Kliniken gaben an, ob sie für jeden Patienten Dekompression allein oder zusätzlich mit Fusion bevorzugen würden. Die Patienten wurden anschließend randomisiert einer der beiden Gruppen zugeordnet. Der primäre Endpunkt war eine Verbesserung von mindestens 30 % im Oswestry Disability Index (ODI) zwei Jahre nach der Operation. Sekundäre Endpunkte umfassten den Zürich-Klaudikationsfragebogen zur Symptomstärke, Schmerzbewertung mithilfe der Likert-Skala und die Lebensqualität.
Keine Überlegenheit chirurgischer Empfehlungen bei degenerativer Spondylolysthesis
Von den 222 Patienten wurden 116 in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der Chirurgen behandelt, während 106 eine von der Empfehlung abweichende Behandlung erhielten. Nach zwei Jahren erreichten 75 % der Patienten in der Übereinstimmungsgruppe und 73 % in der Abweichungsgruppe die primären Endpunkte, ein Unterschied von 2,4 Prozentpunkten (95 % Konfidenzintervall [KI]: −9,1 bis 13,9 Prozentpunkte). Sekundäre Ergebnisse, wie die Lebensqualität und Schmerzreduktion, zeigten ähnliche Ergebnisse in beiden Gruppen.
Limitationen in der Beurteilung von Dekompression alleine und in Kombination mit Fusion
Die Autoren eines Kommentars zur Studie um Andrew Chan von der Columbia University in New York diskutieren mehrere Limitationen der Studie. Dazu zählt unter anderem das Fehlen einer Obergrenze für das Wirbelgleiten. Weiterhin waren keine Patienten mit Spondylolisthesis dritten oder vierten Grades in der Studie vertreten und Patienten mit schwerer Foramenstenose, substanzieller Skoliose, früheren operativen Eingriffen oder Spondylolisthesis auf mehreren Ebenen waren von der Studie ausgeschlossen. Gerade solche Patienten würden möglicherweise von einer Wirbelkörperfusion profitieren.
Bedeutung der Ergebnisse für die klinische Praxis in der Therapie von Wirbelgleiten
Die Ergebnisse legen nahe, dass die individuelle Einschätzung der Chirurgen keine signifikanten Verbesserungen der klinischen Ergebnisse bewirkt. Dies bestätigt die Evidenz, dass eine alleinige Dekompression bei den meisten Patienten ausreichend ist. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, die etablierte Evidenz als Grundlage für Entscheidungen zu verwenden, anstatt sich primär auf subjektive Einschätzungen zu verlassen. Dennoch bleibt unklar, ob bestimmte Subgruppen von einer Fusion profitieren könnten. Hierfür sind weitere Studien erforderlich.





