Einfluss der Ernährung auf die kognitive Gesundheit
Die Prävalenz von Demenz nimmt weltweit zu, was eine zunehmende Belastung für Gesundheitssysteme und Gesellschaften darstellt. Neben genetischen und altersbedingten Faktoren rückt die Ernährung zunehmend in den Fokus der Forschung. Insbesondere der Einfluss von rotem Fleisch auf die kognitive Funktion wird kontrovers diskutiert. Während einige Studien keinen eindeutigen Zusammenhang zeigen, deuten neuere Untersuchungen darauf hin, dass ein hoher Konsum von rotem Fleisch, insbesondere in verarbeiteter Form, das Risiko für Demenz und kognitive Beeinträchtigungen erhöhen könnte.
Assoziation zwischen Verzehr von rotem Fleisch und Kognition
Um den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von rotem Fleisch und kognitiven Funktionen zu untersuchen, analysierten Forscher Daten aus zwei großen prospektiven US-Kohortenstudien, der Nurses' Health Study (NHS) und der Health Professionals Follow-Up Study (HPFS). Die Ernährungsgewohnheiten der Teilnehmer (Krankenpfleger und Ärzte) wurden mithilfe validierter Fragebögen zu Studienbeginn bei einem durchschnittlichen Alter von 49 Jahren und danach alle 2-4 Jahre über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten erhoben. Zudem wurden kognitive Parameter mittels standardisierter Tests und subjektiver Selbstauskünfte erfasst.
Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Demenzrisiko
Die Analyse von 133.771 Teilnehmern zeigte, dass der tägliche Konsum von mindestens 0,25 Portionen verarbeitetem roten Fleisch das Demenzrisiko um 13 % erhöhte (Hazard Ratio [HR] 1,13; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 1,08 bis 1,19). Eine Portion war als 85 Gramm definiert. Ebenso war das Risiko für subjektive kognitive Beeinträchtigungen (subjective cognitive decline, SCD) bei höherem Konsum um 14 % erhöht (Relatives Risiko [RR] 1,14; 95 %-KI 1,04 bis 1,25).
Darüber hinaus wurde eine beschleunigte kognitive Alterung festgestellt, insbesondere in den Bereichen globale Kognition und verbales Gedächtnis. Auch unverarbeitetes rotes Fleisch zeigte eine Assoziation mit einem um 16 % erhöhten Risiko für SCD (RR 1,16; 95 %-KI 1,03 bis 1,30).
Vergleich mit bestehenden Ernährungsrichtlinien
Die Ergebnisse der Studie unterstützen bestehende Empfehlungen, den Konsum von (verarbeitetem) rotem Fleisch zu reduzieren. Insbesondere die Substitution durch pflanzliche Proteinquellen wie Nüsse und Hülsenfrüchte zeigte positive Effekte: Der Ersatz einer täglichen Portion roten Fleisches durch diese Alternativen reduzierte das Demenzrisiko um 19 % und verlangsamte die kognitive Alterung um 1,37 Jahre.
Studienergebnisse als Basis weiterer Forschung zum Einfluss der Ernährung auf unsere Kognition
Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Ernährung für die kognitive Gesundheit und könnten in die Entwicklung spezifischer Ernährungsempfehlungen zur Demenzprävention einfließen.
Dennoch sind weitere Studien notwendig, um die Generalisierbarkeit dieser Ergebnisse auf verschiedene ethnische Gruppen zu überprüfen. Weiterhin lassen Daten aus Beobachtungsstudien keine Rückschlüsse auf die Kausalität zu. Geeignete Studiendesigns und die Berücksichtigung individueller genetischer und metabolischer Faktoren werden zukünftige Forschungsansätze weiter verfeinern.



