Relevanz bildgebender Diagnostik beim erstmaligen Auftreten von Psychosen
Bis heute besteht kein eindeutiger Konsens darüber, ob bei den ersten Anzeichen psychotischer Symptome eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels beim betroffenen Patienten durchgeführt werden sollte. Oftmals zeigen sich unspezifische Auffälligkeiten im kranialen MRT, die keine diagnostischen oder therapeutischen Auswirkungen haben.
Klinisch relevant wird das MRT vor allem dann, wenn es sich um eine sekundäre organisch bedingte Psychose handelt. Dadurch könnten sich sowohl die Diagnose als auch die Therapie ändern. Angesichts der Behandlung psychotischer Symptome mit Psychopharmaka und insbesondere deren potenziell schwerwiegenden Nebenwirkungen betonen Fachleute die entscheidende Bedeutung einer korrekten Diagnosestellung. Für manche Psychiater ist daher eine Bildgebung bereits bei der initialen Vorstellung des Patienten essentiell. Andere befürworten eher eine restriktivere Herangehensweise und ein MRT erst bei einem dringenden Verdacht auf eine sekundär ausgelöste Psychose in Betracht zu ziehen.
Prävalenz von MRT-Auffälligkeiten bei Patienten mit einer Psychose
Gemäß Einzelstudien variiert die geschätzte Prävalenz klinisch relevanter MRT-Auffälligkeiten zwischen 0 und 10%. Diese breite Spanne könnte mit dazu beitragen, dass keine eindeutige Empfehlung zur routinemäßigen Durchführung besteht.
Ein systematisches Review sowie eine Metaanalyse von Graham Blackmann und Kollegen von der Abteilung für Psychiatrie an der Universität von Oxford (Vereinigtes Königreich) befasste sich mit dem Vorkommen von neuroradiologischen Auffälligkeiten von Patienten während der ersten Episode einer Psychose. Insgesamt wurden 13 Studien mit 1.613 Teilnehmern, die erstmals psychotische Symptome zeigten, analysiert. Besonderes Augenmerk wurde hierbei auf klinisch relevante neuroradiologische Veränderungen gelegt. Als klinisch relevant galten Befunde, die letztlich zu einer anderen Diagnose und einem anderen Verlauf führten.
Ergebnisse des systematischen Reviews und Metaanalyse
Generell zeigten gesunde Patienten im Vergleich zu Patienten mit ersten psychotischen Symptomen weniger neuroradiologische MRT-Auffälligkeiten. Klinisch relevante Veränderungen wurden ebenfalls bei Psychose-Patienten häufiger beobachtet. Die Signifikanz dieses Ergebnisses wurde jedoch erst nach Ausschluss eines Ausreißers deutlich. Die gepoolte Prävalenz mit allgemeinen auffälligen Befunden lag bei 26,4%, wohingegen klinisch relevante Veränderungen bei 5,9% der Patienten mit Psychosen auftraten. Vorherrschend waren kleine Hyperintensitäten im Marklager, gefolgt von Zysten. Überraschenderweise wurden Tumore selten gefunden.
Unterschätze Prävalenz, unterschätzter Benefit?
Eine mögliche Unterschätzung der hier gefundenen Prävalenz könnte darauf zurückzuführen sein, dass Patienten mit Verdacht auf eine sekundäre Psychose zum Beispiel aufgrund auffälliger neurologischer Untersuchungsergebnisse von den Studien ausgeschlossen wurden. Das könnte auch die geringe Häufigkeit von Tumoren in dieser Publikation erklären.
Der Nutzen einer MRT-Untersuchung - begünstigt durch leichteren Zugang, reduzierte Kosten und eine gute Patientenverträglichkeit aufgrund geringer Risiken - sollte nicht unterschätzt werden. Die Autoren betonen daher die Bedeutung einer Bildgebung bereits beim erstmaligen Auftreten einer Psychose.




